Umfrage: Was die Post-Tschernobyl-Generation mit dem Super-GAU verbindet

Jan Wittenbrink & Franziska Staerk

"Was war denn eigentlich heute vor 25 Jahren?" Die meisten jungen Erwachsenen, die wir heute in der Freiburger Innenstadt angesprochen haben, wussten sofort Bescheid: "Tschernobyl". Dabei war niemand von ihnen 1986 schon auf der Welt. Denn uns hat interessiert: Welche Bedeutung hat der Reaktorunfall für die Generation nach Tschernobyl?



Konstantin, 15

„Tschernobyl haben wir in der Schule behandelt. Das heißt, wir haben eigentlich nur Filme darüber geschaut, in Physik.


Eine große Bedeutung hat die Katastrophe für mich nicht, ich war damals ja noch nicht auf der Welt. Erst seit Fukushima denke ich mehr über das Thema nach. Ich habe schon Bedenken, was die Atomenergie angeht. Ich würde mich auch dagegen engagieren, wenn es eine sinnvolle Möglichkeit gäbe.“

Anna (Bild links) &  Clarissa, beide 20

Anna: „Der Vorfall in Tschernobyl war schon Thema im Unterricht, das Thema Atomkraft im Allgemeinen wurde nur mal kurz in Gemeinschaftskunde in Form eines Schülerreferates angeschnitten."

Clarissa:
"Das Ereignis hat für uns angesichts der bedrückenden Fernsehbilder, die jetzt wieder gezeigt werden, schon eine Bedeutung."

Anna: "Es ist erschreckend, dass auch heute noch derart viel Radioaktivität vorhanden ist. Natürlich ist das Thema seit Japan wieder aktueller für uns, es hat ja schließlich auch die Wahl dominiert. Ich finde es gut, dass sich manche gegen Atomkraft engagieren, aber selbst würden ich mich eher nicht vor die Uni hocken und dort eine Woche campen, um zu protestieren. Das ist nicht mein Ding.“

Ellen, 16

„Heute vor 25 Jahren? Na klar, Tschernobyl. Das Ereignis haben wir im Politikunterricht besprochen, dort auch ein bisschen darüber diskutiert. Für mich hat Tschernobyl die konkrete Bedeutung, dass ich deshalb meine Mutter davon überzeugt habe Grün zu wählen. Ich selbst darf ja leider noch nicht wählen.

Wichtig ist das Thema für mich nicht erst seit Fukushima, vor allem, da ja ein Atomkraftwerk direkt vor unserer Haustür liegt. Fessenheim war auch ein Hauptgrund, warum meine Familie von Bollschweil nach Freiburg gezogen ist. Nun leben wir zumindest etwas weiter von der Gefahr entfernt. Ich denke, dass schon viel geholfen ist, wenn man über das Ereignis Tschernobyl auch heute noch redet, diskutiert und nachdenkt.“

Laurin, 18

„Im Gemeinschaftskundeunterricht wurde Tschernobyl natürlich behandelt. Aber so richtig über Atomkraft nachgedacht habe ich erst nach dem Vorfall in Fukushima. Davor war mir das eigentlich egal, denn als in Tschernobyl das Reaktorunglück passierte, war ich ja noch nicht mal auf der Welt!

Auf eine Demonstration würde ich jetzt nicht gehen wollen, aber Sorgen mache ich mir schon, denn mein Onkel lebt in Tokio.“

Miriam, 16

„Wir haben in Physik über das, was in Tschernobyl passiert ist, geredet und ob wir für oder gegen Atomkraft sind. Eine Verbindung zu dem Ereignis herzustellen fällt mir aber schwer, denn die Geschehnisse in Tschernobyl scheinen mir einfach zu weit weg, auch wenn dort natürlich immer noch alles verstrahlt ist.

Nach Fukushima stelle ich vor allem fest, dass nichts im Umgang mit Atomkraft geändert wurde. Ich glaube auch nicht, dass die Leute zukünftig wirklich etwas anders machen werden. Auf einer Demonstration würde ich mich aktiv gegen Atomkraft einsetzen.“

Flo, 20

„In meiner Schulzeit hat man sich mit Atomkraft und dem Fall Tschernobyl auseinandergesetzt - Hauptsächlich politisch, aber auch technisch und welche Auswirkungen das alles für uns hat.

Aber ich gehöre ja zu einer ganz anderen Generation und so fehlt mir der direkte Bezug. Generell ist Atomkraft ja sehr effizient. Jedoch geben mir die möglichen Konsequenzen und die fehlenden Endlager zu denken. Aber was hilft es, wenn Deutschland da jetzt sofort aussteigt? Dann holen wir uns den Strom von irgendwoher, wo er auch aus Atomkraft hergestellt wird.“

Du bist gefragt!

Und Du? Was verbindest Du mit dem Reaktorunfall in Tschernobyl?

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  [Bild 1: dpa; Rest: Jan & Franziska]