Tzatziki, Synthesizer, Xavier Naidoo: Hinter den absurd-komischen Aussprache-Videos steckt ein Südbadener

Daniel Laufer

Der Ex-Freiburger Sandro de Lorenzo hat Aussprache-Tutorials auf YouTube geladen. Er hat damit einen Internet-Hit gelandet - weil die Wörter konsequent falsch ausgesprochen werden. Im Interview erklärt er, was das soll:



Du kommst aus Friesenheim bei Lahr, das liegt 15 Kilometer von der französischen Grenze. Redet ihr da wie in Deinen Videos?

Sandro de Lorenzo: Ja, mit der Aussprache bin ich aufgewachsen. (lacht) Nein, natürlich nicht.

Vor einem Jahr hat jemand im Netz darauf hingewiesen, dass man "Latte Macchiato" nicht "Latte Matschiato" ausspricht - und fünf bis sechs Wörter in Videos erklärt.

Wir hatten uns davor schon darüber lustig gemacht, wie falsch manche Wörter ausgesprochen werden. Da fanden wir die Vorstellung witzig, falsche Referenzgrößen ins Internet zu stellen. Wenn jemand auf einer Party zum Beispiel sagt: "Das heißt Expresso" statt "Espresso" - dann soll er die falsche Version finden.

Es gibt übrigens eine amerikanische Variante, die so ähnlich ist wie unsere, aber eher in Richtung Dada-Theater geht. Wir wollten es lieber klassisch - als Tutorial. Also haben wir Beispielsätze hinzugefügt und geschaut, dass wir auch da immer noch etwas einbauen, was nicht stimmt. Eine doppelte Desinformation!



Wer seid Ihr?

Wir sind die Wundertütenfabrik, ein loses Netzwerk für Quark. Das sind ein paar Süddeutsche und ein paar Berliner, die alle im Kreativbereich arbeiten. Die Wundertüte ist unsere Spielwiese. Wenn wir Hirnfürze haben, können wir sie dort ausleben. Die Videos habe ich mit einer Freundin gemacht, Charlotte. Sie spricht den Text.



Das ist schon fünf Monate her. Wie kommt es, dass sie nun auf einmal überall geteilt werden?

Das ist schwer nachzuvollziehen. Eigentlich wollten wir gucken, über welche Wörter die Leute stolpern, und haben sie deshalb niemandem geschickt.

Als erstes hat sie glaube ich das Blog Kraftfuttermischwerk entdeckt. Dann hat Jan Böhmermann sie geteilt. Seine Zielgruppe hat genau den Humor, um auf so etwas anzuspringen. Innerhalb von drei Tagen gingen die Videos viral.

Wir haben jetzt mehr als 2 Millionen Aufrufe und wissen gar nicht, was passiert: Leute rufen an, wir bekommen Angebote von Netzwerken - was auch immer das sind. Bis vorgestern wusste ich nicht, dass es so etwas wie ein Label für YouTube überhaupt gibt.



Wie steht das Label Rummelplatzmusik dazu, das Du ja selbst betreibst?

Das sind zwei getrennte Projekte, aber man denkt sich schon: Wenn's nur immer so einfach wäre mit den Hypes… Vor allem ist es interessant, zu beobachten, was da geschieht: Man rechnet ja nicht mit so etwas, wenn etwas fünf Monate lang nur rumliegt.

Ich habe auch nicht so richtig geglaubt, dass Sachen einfach so viral gehen können. Schön, dass es das doch gibt. Jetzt wollen wir gucken, wie wir uns weiter orientieren.



Ihr könntet Euch bei der Aussprachedatenbank der ARD bewerben.

Genau. (lacht) Ne, wir werden aber auf jeden Fall nachlegen. Das hätten wir auch ohne den Hype. Schon länger sammeln wir wieder neue Wörter.

Außerdem soll es auf dem Kanal noch andere Arten von Videos geben. Die Wundertütenfabrik postet ja immer Bilder und Krimskrams, Fundstücke des Internets - oder vielmehr der Realität. Das wird so weiterlaufen.

Es ist aber schön, dass es in Zukunft mehr Leute mitkriegen. Die Zahl der YouTube-Abonnenten ist enorm gestiegen.

Den Ehrgeiz, dass jetzt viel passieren muss, haben wir nicht. Wir hatten die Wundertüte ja als Spielplatz gegründet. Dieses Spaßprojekt nun zwanghaft zu verernsten und zu versuchen, damit Geld zu verdienen - das kann eigentlich nur scheitern.

Zur Person


De Lorenzo als "Bier Wolfmann"

Der 35-jährige Sandro de Lorenzo kommt aus Friesenheim und hat in Freiburg studiert. Derzeit arbeitet er hauptberuflch als Musiker in Berlin, wo er das Label Rummelplatzmusik betreibt. De Lorenzo ist zudem Teil der Musik-Kombos RockRainer und Supergaul.

Mehr dazu:

[Foto: Screenshots/Promo Rummelplatzmusik]