TVnoir-Konzerte, Runde drei: Moritz Krämer und We Invented Paris im Jazzhaus

Gina Kutkat

Dass TVnoir-Konzerte besondere Veranstaltungen sind, weiß der fleißige Freiburger Konzertgänger schon seit den ersten beiden Runden der Konzertreihe. Sie ist ein Ableger der gleichnamigen Berliner TV-Show und brachte bereits Wolfgang Müller und Yasmine Tourist sowie Tex und September Leaves nach Freiburg. Wie war es bei Runde drei mit Moritz Krämer und We Invented Paris im Jazzhaus? fudder-Autorin Gina war dabei.



"Winkel" heißt ein Song von Moritz Krämer. Darin geht es um das Entlieben zweier Liebenden. In einem komischen Winkel steht auch Krämer vor seinem Mikrofon. Mit dieser Haltung sieht er aus, als würde er gegen das Mikrofon ankämpfen. Irgendwie tut er das auch, wenn er seine szenischen Texte zu seinen Liedern singt, nein krächzt, nein flüstert, nein nuschelt. Der Musiker aus Berlin-Kreuzberg ist im Schwarzwald aufgewachsen und somit zieht sich die Heimatthematik am Dienstagabend wie ein roter Faden durchs Freiburger Jazzhaus. Krämers Mutter und einige Freunde sind im Publikum, das passend zur heimeligen Bühnen-Atmosphäre auf Bänken sitzen darf.




"Der nächste Song heißt 90 Minuten - solange hat es früher gedauert, wenn ich mit dem Bus von meinem Hügel zum Hügel einer Freundin gefahren bin." Moritz krämer ist nicht auffallend lustig, er ist unscheinbar lustig. Trotzdem muss man bei seinen Ansagen schmunzeln. So funktionieren auch seine Texte: Nachdem ersten Hören schwirren einem die Bilder im Kopf, sie ergeben zwar einen Sinn, entfalten aber erst viel später ihre wahre Größe. Bescheiden interpretiert er seine countryesken, poppigen Singer-Songwriter-Musik in Begleitung eines Cellisten und berührt.

Bescheidenheit ist eine Eigenschaft, die auch den Schweizern gut zu Gesicht steht. Das Künstlerkollektiv um den Liestaler Sänger und Gitarristen Flavian Graber passt deshalb perfekt an die Seite von Moritz Krämer. Ihre Balladen spielen sie direkt im Publikum, mit Akkordeon und selbstgebauter Trommel. Es sind die kleinen feinsinnigen Einfälle, die das Konzert besonders machen: Für einen Song wird das singende Publikum geloopt, in einer großartigen Interpretation von Radioheads "Idioteque" bedient Graber seinen Loop-Effekt selbst und bringt eine beispiellose One-Man-Show zustande, am Ende des Konzerts trommeln alle Musiker gemeinsam am Schlagzeug.



"Seid ihr alle TVnoir-Fans?" Das Publikum bejaht im Chor. "Wundert ihr euch dann nicht, dass wir in Farbe sind?" Farbig, feinsinnig und fabelhaft. Wir freuen uns auf die vierte Runde TVnoir in Freiburg.

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