Trüffel aus dem Hirzbergbunker

Meike Riebau

Früher ist Peter Metzger, 59, Bauningenieur gewesen, in Berlin. Heute züchtet er hauptberuflich Pilze in Freiburg, an einem ungewöhnlichen Ort. Ein ehemaliger Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg dient Metzger als Pilzfarm. Meike hat sich einen warmen Pullover angezogen und Bunkerluft geschnuppert.



Seit mehr als 15 Jahren lebt der ehemalige Bauningenieur schon im Schwarzwald und züchtet Pilze. Wie kommt man auf die Idee, das Leben in der Metropole mit Ingenieursgehalt einzutauschen gegen das Provinzdasein? Und die mühsame Existenz eines Pilzzüchters anzunehmen?


"Am Anfang stand erstmal ein kleiner Kasten bei uns im Keller, in Berlin. Damit habe ich angefangen", erinnert sich Metzger.

Dann hat es ihn nicht mehr losgelassen. Er baute seinen Pilzen ein eigenes Zimmer, ein Anbau am Haus von eigener Hand. Seine Frau befürchtete, Champignon und Co würden auch den Schimmelpilz mitbringen, also suchte er sich außerhalb einen Platz für seine Pilze. Mittlerweile fragte selbst sein Chef, ob er eigentlich Bauingenieur sein wolle oder Pilzzüchter. "Da habe ich mir gedacht, Bauingenieure gibt es wie Sand am Meer. Pilzzüchter dagegen nicht." Er ließ sich als einer von weniger als 200 Pilzzüchtern in ganz Deutschland nieder, allerdings noch in Berlin.

Als er dann 1989 ein Haus in Weil am Rhein erbte, entschloss er sich, nach Südbaden zu ziehen.



Zwei Jahre lang suchte er im ganzen Dreiländereck nach einer geeigneten Stätte, bis er durch Zufall auf den verlassenen Bunker im Schlossberg stieß. "Der Bunker ist fantastisch. Er bietet genau die Konditionen, die wir brauchen", berlinert er. Der Berg funktioniere wie eine natürliche Klimaanlage. "Winters wie Sommers haben wir eine konstante Temperatur von 10 Grad, das ist perfekt für die Pilze. Hier wachsen sie besonders langsam, haben dementsprechend mehr Aroma. Hinzu kommt die extrem hohe Luftfeuchtigkeit, die sich günstig auswirkt", so der 59-Jährige stolz.

Vor dem Bunkerbezug standen allerdings eine Menge Behördengänge, da der Bunker wie alle Armeestätten dem Bund gehört. Bis in die 1960er Jahre hat das französische Militär den Bunker genutzt, danach stand er leer.



"Uns kam 1991 zugute, dass das politische Klima ganz positiv war - dank des Ende des Kalten Krieges," erinnert sich Peter Metzger. "Man hat uns den Bunker aber letztlich unter Vorbehalt zur Verfügung gestellt, falls etwas passiert, muss ich hier raus." Diese Aussicht beunruhigt den Pilzzüchter aber nicht besonders. "Ich glaube, dann brauchen wir sowieso keine Pilze mehr, dann wachsen wahrscheinlich draußen die großen, ungesunden Varianten."

Metzger und seine Pilze, das ist mehr als eine Arbeitsbeziehung: "Wissen Sie, jedes Mal, wenn ich im Urlaub bin, dann bricht hier das Chaos aus, dann wachsen die Pilze nicht mehr richtig", berichtet er. Zwar unterhalte er sich nicht mit seinen Champignons und Pfifferlingen, "aber irgendwie ist da schon eine Art Beziehung", meint er.

Die nächste Pilzzüchterin, die Metzger kennt, arbeitet in Karlsruhe.



"Es gibt wirklich nur noch sehr wenige in ganz Deutschland." Anfangs machte Metzger die Badische Zurückhaltung doch etwas zu schaffen. "In Berlin entscheiden sich die Leute schneller. Wenn es ein Sonderangebot gibt, dann greifen sie sofort zu." Hier dagegen, auf dem Münstermarkt etwa, habe es mehrere Jahre gedauert, bis er einen Kundenstamm aufgebaut habe. "Aber dafür bleiben sie einem dann auch treu", sagt Metzger.



Pilze isst er immer noch gern, "am liebsten mit Kartoffeln, ganz schlicht". Sein Lieblingspilz sei der Champignon, "ich habe da keine Abneigung in all den Jahren aufgebaut, wie etwa mancher Bäcker gegen seine Kuchen."

Metzger nutzt nur zwei der vielen Stollen und baut hier etwa 14 Pilzsorten an, von den klassischen Waldpilzen wie Champignons und Pfifferlingen bis hin zu Shiitake und Trüffeln. Kaufen kann man die Produkte direkt bei ihm oder bei seiner Tochter Susanne auf dem Münstermarkt. Auf verschiedenen Märkten in der Region werden die Produkte auch angeboten.



Mehr dazu:

  • Wann: Montag 9-13 Uhr; Freitag: 15-17 Uhr; Samstag: 9-13 Uhr
  • Wo: Kartäuserstr. 117