Traumberuf: Fotograf

Lisa Hees & Jule Markwald

Fotografieren? Kann heute jeder. Selbst Handys haben Kameras mit massig Megapixeln, Touristen schleppen professionelles Equipment in den Urlaub und auf Facebook veröffentlichen alle so tolle Bilder, dass man mit dem liken nicht mehr hinterher kommt. Doch die Leidenschaft für das Fotografieren zum Beruf zu machen, ist etwas ganz anderes. Diese drei Freiburgerinnen haben sich getraut.



Franca, 22, hat sich im Herbst 2010 dazu entschieden ihr Bachelorstudium der Europäischen Ethnologie und Slawistik in Freiburg aufzugeben, und sich an Hochschulen in ganz Deutschland für verschiedene Foto-Studiengänge zu bewerben. Ihre Bewerbungsmappe stellte sie selbst zusammen - ohne die Hilfe eines kommerziellen Mappenkurses - und die Resonanz war sehr gut. Heute studiert Franca Medienkunst an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe.


Ihr Studienalltag ist heute ganz anders als der Uni Freiburg. Fühlte sie sich in ihrem Bachelorstudium oft an die Schule erinnert, kann sie jetzt viel freier und selbstständiger Arbeiten. "Es ist komplett anders, ich find's voll geil", sagt Franca. "Aber bestimmt stresst es einen irgendwann!"

Francas künstlerische Ausdrucksform war schon immer die Fotografie. Das Studium hat ihre Arbeitsweise komplett verändert; sie fühlt sich befreit und traut sich zu, impulsiver zu handeln. „Das Fotografieren war bei mir noch nie nicht verkopft. Ich hatte aber oft das Gefühl, 'Franca mach doch mal was mit deinem Fotoapparat, geh doch mal raus und lass was entstehen'. Durch das Studium wird das Gefühl legitimiert und es ist einfacher geworden. Ich muss meinen Drang nicht so komisch wegschieben, sondern kann mich ganz drauf einlassen!“ Das Interessante an der Fotografie ist für Franca nicht das schöne Bild am Ende, sondern der Prozess des Schaffens. "Früher habe ich schon auch Touristenfotos gemacht, aber irgendwann wurde es anders. Da habe ich mich immer gefragt: 'Was machste jetzt da und was ist das?' Jetzt sehe ich das schon so, dass ich Kunst studiere; da möchte ich was schaffen, sonst könnte ich mich hier nicht ernst nehmen."

Aus diesem Grund hat sich Franca auch für ein Studium und nicht für eine Ausbildung entschieden. Eine Ausbildung erschien ihr zu trocken, obwohl sie es toll findet, wenn man sich technisch richtig gut auskennt. Im Rahmen des Studiums gibt es zwar auch Grundlagenkurse in Fototechnik oder Geschichte der Fotografie, aber für Franca steht der selbständige kreative Prozess im Vordergrund. „Dadurch, dass ich hier die Möglichkeit habe Leute um Feedback zu bitten, Kameras auszuleihen und Fragen zu stellen, habe ich eine Grundlage, aber für mich ist das gerade alles Eigenarbeit und sehr frei.“

Franca bereut ihre Entscheidung für die Fotografie nicht Sie ist gespannt, was in den nächsten Jahren auf sie zu kommt. Ihr Mut, neue Medien auszuprobieren wird immer größer: neben der Fotografie möchte sie sich an Grafiken und Zeichnungen, sowie Soundinstallationen versuchen.



Maria Heidepriem (Bild oben rechts) und Judith Glaubitz stehen an einem anderen Punkt ihres kreativen Werdegangs. Die beiden Freiburgerinnen arbeiten seit 2008 als freie Fotografinnen und Illustratorinnen in Berlin. Beide fotografieren seit ihrer Schulzeit, aber haben nicht damit gerechnet, dass die Fotografie der Traumberuf werden würde. „Es war bei uns beiden klar, dass es irgendwie in die gestalterische Richtung gehen würde," sagt Maria. "Judith und ich haben aber zunächst Kommunikationsdesign studiert. Judith an der FH Konstanz, ich an der FH Wiesbaden."

Der Grundstein für die gemeinsame Arbeit war ein Foto-Projekt im Hauptstudium. "Danach wollten wir eigentlich nichts anderes mehr machen.“ Nach dem Studium arbeiten sie gemeinsam in Fotografenkollektiven; erst in der Reportageagentur Zeitenspiegel bei Stuttgart und in der Fotografenagentur Ostkreuz in Berlin. "Diese Zeit hat uns mit Sicherheit beeinflusst", sagt Maria. "Es ist toll, wenn man so vielen guten Fotografen über die Schulter schauen kann. Da lernt man eine Menge."

Mittlerweile können beide sich keinen anderen Beruf, kein anderes Leben mehr vorstellen - auch wenn anfangs das Geld knapp war und sie manchmal blöde Nebenjobs annehmen mussten. Frustrierende finanzielle Engpässe werden durch einzigartige Erlebnisse aufgewogen. „Es gibt viele schöne Momente, wenn wir mit der Kamera unterwegs sind, und ganz unterschiedliche. Toll ist, dass man an Orte kommt an die man sonst nie kommen würde und Menschen kennen lernt die man nie kennen gelernt hätte. Und drumherum gibt es natürlich auch tolle Momente: Der erste richtig bezahlten Job, die erste Veröffentlichung und der erste gewonnene Wettbewerb."

Und nicht nur das - Judith und Maria haben sich auf redaktionelle Fotografie spezialisiert; ihre Bilder erscheinen jetzt auch in großen Magazinen wie Neon, Zitty oder Zeit Campus.

Maria und Judith empfehlen jedem , der die Leidenschaft zum Fotografieren spürt raten, ihr nachzugehen. Sie betonen aber, dass man nicht einfach so Fotograf wird, sondern einen Schwerpunkt setzten sollte. "Man sollte sich darüber klar sein, welche Art der Fotografie man machen möchte. Wir machen zum Beispiel fast ausschließlich redaktionelle Fotografie und haben da auch wieder einen relativ klaren Stil. Ein klassischer Werbefotograf oder ein Naturfotograf beispielsweise hat einen völlig anderen Beruf als wir. Man ist nicht einfach Fotograf für alles. Man muss sich spezialisieren."

Mehr dazu:

  [Bild 1: Jule Markwald; Bild 2: Glaubitz Heidepriem]


Jule Markwald und Lisa Hees
studieren an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Am Zentrum für Schlüsselqualifikationen haben sie im Wintersemester an einem Grundlagenkurs zum Thema "Online-Journalismus" teilgenommen, den die fudder-Redakteure Markus Hofmann und Carolin Buchheim angeboten haben. Dieser Artikel ist im Rahmen dieses Kurses entstanden.