Freiburg-Haslach

Tramtür klemmt Frau beim Einsteigen ein – Hund fährt alleine bis zur Endhaltestelle

Uwe Mauch

Weil sie beim Einsteigen in die Tram eingeklemmt wurde, ließ eine 53-Jährige die Hundeleine los – ihr Tier bekam sie erst an der Endhaltestelle wieder. Jetzt will die Haslacherin den Fahrer anzeigen.

Der Schreck saß tief: Eine 53-jährige Frau aus Haslach musste beim Einsteigen in die Tram ihre Hundeleine loslassen, weil sich die Tür schloss. Der Altdeutsche Hütehund fuhr zunächst alleine mit. Dass sie selbst nicht verletzt wurde, sei ein Wunder, berichtet die Frau. Sie habe ihren Arm kaum aus der Türe bekommen. Sie will den Fahrer anzeigen. Die Verkehrs-AG (VAG) hingegen findet, dass das Personal gut reagiert habe.


Der Vorfall ereignete sich am Dienstag in Haslach, wo die 53-Jährige wohnt, die nicht gut zu Fuß ist. Gegen 10 Uhr wollte sie am Scherrerplatz in die Linie 5 Richtung Rieselfeld einsteigen. Sie nahm die hinterste Tür, die offenstand. Ihr Hund befand sich bereits im Fahrzeug, als die Tür zuging. Ihr Arm und ihr Bein seien eingeklemmt worden, doch der Fahrer sei einfach losgerollt. Es sei ihre gerade noch gelungen, sich zu befreien. "Meinen Hund musste ich loslassen." Ihr ist auch Stunden später noch die Verärgerung anzumerken.

Fahrer hat Vorfall wohl zunächst nicht bemerkt

Der Fahrer, so die VAG auf Nachfrage der BZ, habe den Vorfall zunächst nicht bemerkt. Als Fahrgäste ihn aufgeklärt hatten, habe er die Zentrale informiert, die wiederum dem Fahrer des nachfolgenden Combino mitteilte, dass der Hund an der Endhaltestelle Bollerstaudenstraße warte – in Obhut einer Passagierin, die sich dazu bereiterklärt hatte. Tatsächlich stieg die 53-Jährige in den nachfolgenden Combino und konnte ihren Hütehund ein paar Haltestellen später wieder in Empfang nehmen.

Sie findet, die Tram hätte warten müssen. Den Hund hätte sie nur wiederbekommen, weil andere Fahrgäste so umsichtig gewesen seien: "Stellen Sie sich vor, so etwas passiert mit einem Hund, der nicht so friedlich ist."

Jedes technische System kann auch mal versagen." Andreas Hildebrandt
Wieso aber ging die Tür zu? "Jedes technische System", sagt VAG-Sprecher Andreas Hildebrandt, "kann auch mal versagen." Normalerweise bleiben die Türen der Straßenbahnen zwei bis drei Sekunden geöffnet. Registriert die Lichtschranke keine "Störung", schließen die Türen. Sensoren sollen dafür sorgen, dass sie bei Widerstand sofort wieder aufgehen. Diese "fühlende Kante" müssen die Fahrerinnen und Fahrer sogar jeden Morgen an jeder Tür am eigenen Leib testen. Was am Scherrerplatz nicht funktioniert hat, lasse sich auch am Tag danach nicht klären.

Wer den Knopf mit dem Kinderwagensymbol drückt, hebelt die Automatik aus: Dann muss der Fahrer die Tür aktiv schließen. Dieser "Kinderwagenknopf" wirkt auch, wenn die Türe bereits offen steht.

Anfahren kann die Straßenbahn nur bei geschlossenen Türen. In älteren Fahrzeugen sei es manchmal in der Tat schwierig, auch die hinterste Tür zu überblicken, räumt die VAG ein. Das könnte der Grund sein, warum der Fahrer startete, obwohl die 53-Jährige noch eingeklemmt war. In den neuen Urbos-Fahrzeugen sind alle Türen videoüberwacht.
Tipps fürs Einsteigen

- Wer unsicher ist, sollte möglichst bei einer der vorderen Türen einsteigen.
- Wer beim Einsteigen etwas mehr Zeit benötigt, kann den "Kinderwagenknopf" drücken. Damit bleibt die Tür solange offen, bis das Fahrpersonal sie durch einen Knopfdruck schließt.
- Die VAG organisiert auch Schulungen. Informationen gibt es bei Gerd.Kiefer@vagfr.de