Tötungsdelikt im Rieselfeld: Polizei sucht Zeugen und Hinweise

Frank Zimmermann

Zwei Tote im Stadtteil Rieselfeld - die Bluttat in Freiburg stellt die Polizei vor ein Rätsel. Die Ermittlungen gehen in alle Richtungen. Klar ist zur Stunde nur: Ein Mann und eine Frau starben an massiver Gewalteinwirkung.



Es ist bislang eine sehr rätselhafte Tat, die die Kriminalpolizei Freiburg aufzuklären hat: Am Samstagnachmittag gegen 17 Uhr wurden im Stadtteil Rieselfeld in ihrer Wohnung die Leichen eines Ehepaares aufgefunden. Bernd Belle, Chef der Kriminalpolizei, spricht von "massiver Gewalteinwirkung" – wie genau die 32 Jahre alte Frau und ihr 45 Jahre alter Ehemann ums Leben kamen, will die Polizei aber "aus ermittlungstaktischen Gründen" noch nicht sagen. Auch ein Motiv ist für die Polizei noch nicht erkennbar.




Hat das Paar den oder die Täter gekannt?

Kripochef Bernd Belle und Oberstaatsanwalt Wolfgang Maier wollen deshalb derzeit weder ein Tötungsdelikt oder einen Doppelmord noch einen erweiterten Suizid – in diesem Fall hätte sich eine der beiden Personen selbst getötet – ausschließen. Allerdings spreche vieles "nach erstem Augenschein für ein Tötungsdelikt", so Belle. Die Polizei spricht von massiver Gewalteinwirkung und schweren Verletzungen. Die Tat soll sich am Samstag zwischen 10.30 Uhr und 17 Uhr ereignet haben. Die Tür zur Wohnung wurde nicht aufgebrochen – das Paar könnte also, muss aber den oder die möglichen Täter nicht gekannt haben.

Was die Polizei bislang noch nicht hat, ist eine Tatwaffe. Die Bereitschaftspolizei Biberach, die eigens mit 30 bis 40 Mann angerückt war, suchte vergeblich die Umgebung danach ab, so wurden beispielsweise Container einer Baustelle akribisch untersucht. Da am Sonntagnachmittag die Rechtsmedizin eine der beiden Leichen dabei war zu obduzieren und die andere Obduktion noch aussteht, gibt es zur Todesursache noch nichts Genaues zu sagen. Rechtsmedizinische Ergebnissen liegen erst am Montagabend vor.

Polizei weist Gerüchte zurück

Gefunden hat die toten Eheleute die erwachsene Tochter des Mannes. Sie stammt aus erster Ehe und lebt selbst nicht in der Drei-Zimmer-Wohnung in dem Mehrfamilienhaus in der Maria-Föhrenbachstraße 25. Sie war es auch, die die Polizei informierte. Sie wurde von Kriseninterventionshelfern des DRK-Notfallnachsorgedienstes betreut. Das Paar stammte ursprünglich aus der ehemaligen Sowjetunion, wobei beide – der Mann und die Frau – die deutsche Staatsbürgerschaft hatten. Der Mann lebte seit 2001 in Freiburg und war von Beruf Kraftfahrer, seine jetzige Frau hatte eine Stelle im Pharmabereich und lebte seit Dezember 2010 mit ihm in der gemeinsamen Wohnung in Rieselfeld; zuvor wohnte sie an anderen Orten in Deutschland, unter anderem in der Bodensee-Region. Das Paar lebte – soweit der Polizei bislang bekannt ist – "in geordneten Familienverhältnissen", sagte Bernd Belle. Gerüchte, es gehe bei der Tat um organisierte Kriminalität und das Auto des Paares werde vermisst, wies die Polizei zurück.

Schon wenige Stunden nach der Tat wurde eine Sonderkommission der Kripo unter der Leitung von Raoul Hackenjos gebildet, die die ganze Nacht hindurch von Samstag auf Sonntag gearbeitet hat und inzwischen von 40 auf 50 Ermittler aufgestockt wurde. Kriminaltechniker und Rechtsmediziner waren vor Ort. Ein Hubschrauber der Polizei überflog am Sonntag die Gegend, um zu fotografieren und zu dokumentieren und sich somit einen Überblick von oben zu verschaffen – über alles von der Botanik, den Gebäuden und Straßen bis hin zu parkenden Autos, wie Belle erklärte: "Von den Ermittlungen her sind wir sehr breit aufgestellt." Anwohner, Angehörige und Freunde und Bekannte wurden befragt, was sich als nicht ganz einfach erwies. "Heute ist Muttertag und sehr schönes Wetter. Das ist ein mühseliges Geschäft", sagte Kripochef Belle am Sonntag. Viele potenzielle Zeugen nutzten den Sonntag für Ausflüge. Man hoffe, dass man durch die Befragungen Hinweise darauf erhalte, was sich abgespielt haben könnte, sagte Oberstaatsanwalt Maier. Am Sonntagnachmittag hatte die Polizei noch niemanden gefunden, der etwas von den Vorgängen in der Wohnung gehört oder gesehen hatte.

Die Polizei bittet rund um die Uhr um Hinweise unter 0761.882-4884 oder  0761.41262 (anonym).

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  [Bild: dpa]