Tiger's Club: Weizen aus dem Synthesizer

Oliver Rath

Tiger's Club nennen sich Cornelius Stiegeler und Benedikt Weigmann, wenn sie zusammen auf der Bühne stehen. Die beiden Elektro-Tüftler sind regelmäßig in Freiburger Clubs zu sehen, etwa im Jazzhaus oder auf der Elektroschock-Party im Kamikaze. Am Freitag treten sie im Waldsee auf. Oliver Rath hat sich mit Cornelius und Benedikt über Outfits, Software und vor allem über Synthesizer unterhalten.



Cornelius und Benedikt, findet ihr, dass die Hardware-Synthesizer vom Aussterben bedroht ist?

Viele Leute sind umgestiegen auf Software-Synthesizer, um Anschaffungskosten zu sparen und scheinbar mehr Möglichkeiten zu haben. Um jedoch wirklich druckvollen und analogen Sound zu kreieren, braucht man unserer Meinung nach einen guten alten Hardware-Synthesizer.

Nehmt ihr dann die Preset-Klänge, die bereits vorprogrammiert sind oder bastelt ihr die Sounds selbst?

Wir stellen uns im Prinzip jeden einzelnen Sound zusammen. Bei unserem aktuellem Track – ein Remix von Queens „Another one bites the Dust“ – haben wir allein an der Programmierung des Lead-Sounds 20 Stunden gebastelt und aus vier verschiedenen Synthie-Sounds die Hauptmelodie konstruiert.

Wie funktioniert das live?

Auf dem Mac Book laufen unsere Beatspuren sowie einprogrammierte Samples. Melodien spielen wir live dazu und benutzen hierfür den Access Virus, den Korg Radias und den Microkorg.



Halten die Synthesizer der Hitze eines vollen Clubs Stand?

Der Hitze schon, der Flüssigkeit allerdings nicht – wie wir bei einem Auftritt feststellen mussten, als ein Bier von der Empore direkt in den Korg Radias geschüttet wurde.

Hat er das überlebt?

Es ging knapp an einem Kurzschluss vorbei und wir konnten noch weiterspielen. Am nächsten Tag aber waren einige Tasten blockiert, außerdem befand sich mindestens ein Liter Bier im Innenleben des Synthesizers.

Dann hattet ihr ja noch was für den Nachdurst übrig.

Ja, wir bekamen quasi ein Konter-Weizen für lau.

Spielt Ihr noch andere Instrumente?

Gitarre, Bass, Klavier, Saxofon und Cornelius früher auch Geige.

Bestimmt, um der Mutter zu imponieren.

Cornelius hat seine Geigenstunden gehasst. Ich (Benedikt) hatte auch 20 Jahre Klavierunterricht, bin jetzt Klavierlehrer und gebe vor allem klassische Konzerte. Als Ausgleich brauche ich aber die elektronische Musik.



Kommt ihr euch musikalisch nicht in die Quere?

Manchmal schon, aber eher selten. Oft ist es so, dass einer an einem Track anfängt und der andere dann weitermacht. Cornelius konzentriert sich mehr auf die Zusammenstellung der Synthie-Sounds, Benedikt mehr auf das Arrangement der Tracks.

Sollte sich eure Traumfrau auch für Synthesizer begeistern?

Wir haben darüber schon oft gestritten, aber wir haben einfach Angst vor Frauen, die besser bescheid wissen über das Equipment als wir. (lachen) Sie muss sich also nicht zwingend dafür begeistern.

Eure Konzertgarderobe?

Wir treten zur Zeit im Anzug auf, weil wir die Elektro-Szene mit ihren ausgefallenen und freakigen Outfits durch etwas Seriöses ein bisschen provozieren möchten. In erster Linie wollen wir live jedoch mit Synthies überzeugen, die Leute sollen sehen, was gespielt wird.



Um welche Sequencer-Programme kommt man nicht herum?

Wir haben Logic Pro auf dem Apple. Man kann aber genauso gut Cubase, Nuendo, Samplitude oder Protools benutzen. Das sind die führenden Programme, in denen man die MIDI-Ebene mit Mehrkanal-Audio verbinden kann. In beiden Programmen sind Software-Synthesizer enthalten, man kann sie aber auch von Fremdanbietern dazukaufen.

Dann ist das Wichtigste fürs Produzieren ein Computer und eine gelungene Software?

Ja, aber Logic funktioniert seit der Version 5.5 nur noch auf Apple, alles andere läuft sowohl auf dem PC als auch auf Apple.

Ist es Voraussetzung, Noten lesen zu können und beispielsweise Klavierunterricht zu nehmen?

Nein, wir kennen auch geniale Produzenten, die beides nicht können und trotzdem hervorragende Tracks produzieren – zum Beispiel AtomTM, vielen besser bekannt als Atom Heart oder Senor Coconut. Aber Unterricht nehmen kann auf keinen Fall schaden.



Wie wichtig ist das Abhören?

Wenn man seinen Sound in hoher Qualität hören möchte, führt kein Weg an einer guten Abhöranlage vorbei. Ebenso sollte man sich ein gutes Mischpult, ein passendes Audio-Interface (Soundkarte) und natürlich einen leistungsfähigen Computer kaufen. Die Boxen machen zirka 50 Prozent des Sounds aus, daran sollte man auf keinen Fall sparen.

Mastert Ihr eure Tracks selber?

Nein, wir machen drei verschiedene Mixes, sogenannte Steams, und geben sie an unseren Tontechniker weiter. Wir bezahlen für die Qualität unserer Songs gerne einen Aufpreis, denn es ist schwierig, nachdem man seinen Track einige hundert Male gehört hat, ihn auch noch gut zu mastern.



Von welchem Synthesizer träumt ihr?

Cornelius: Clavia Nord Wave

Benedikt: Roland MC 505

Und welchen nostalgischen Synthesizer hättet ihr gerne?

Benedikt: Moog Prodigy

Cornelius: Arp Odyssee

Wann kann man euch live hören?

Diesen Freitag, 20. Juni, treten wir zusammen mit Dave Leon, Tim Knopf und Reverend Mike L auf der „Electric Drum Vision“ im Waldsee auf. Wird hoffentlich 'ne dufte Sause.

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