Tierheim: Ein Hund als Weihnachtsgeschenk?

Katharina Wenzelis

Das Freiburger Tierheim sucht im Jahr für über 1500 Tiere ein neues Zuhause. Hunde, Schildkröten und sogar Wildschweine leben auf dem Gelände in Lehen. Wie läuft ein Tag im Tierheim ab? Werden viele Tiere zu Weihnachten verschenkt? Katharina mit einer Reportage.



Das Tierheim in Lehen gehört zum Freiburger Tierschutzverein. Es liegt mitten im Grünen, in der Nähe der Dreisam. Die Anlage ist groß, besonders der Außenbereich. Schon vom Parkplatz aus kann man die Hunde bellen hören. Oft betritt man ein Tierheim mit gemischten Gefühlen, weil man nicht so recht weiß, was einen erwartet.

"Es ist traurig, dass Tierheime in der Gesellschaft einen so schlechten Ruf haben", sagt Manfred Aust, erster Vorsitzender des Vereins. "Das Tierheim ist eine Durchgangsstation für Tiere, die kurzzeitig kein Obdach haben. Den Tieren geht es sehr gut bei uns, sie bekommen genug zu fressen und werden ausreichend medizinisch versorgt. Als Bezugsperson haben sie die Pfleger, die sich um die Tiere kümmern."



Die Mitarbeiter des Tierheims leisten sehr viel Aufklärungsarbeit, denn es ist ihnen wichtig, die Klischees von an Autobahnen ausgesetzte Hunden und Massenvermittlungen in der Weihnachtszeit nicht zu bestätigen. "Bei jeder Vermittlung nehmen wir uns viel Zeit, um mit den Leuten zu reden und sie aufzuklären. Dafür haben wir einen speziellen Fragebogen entwickelt mit über 100 Fragen, bei denen die Leute wirklich gezwungen sind, sich Gedanken zu machen. Wenn jemand für eine Vermittlung in Frage kommt, prüfen wir meist noch das Zuhause und schauen uns an, wo die Tiere hinkommen. Auch nach einer erfolgreichen Vermittlung stehen wir den Leuten mit Rat und Tat zur Seite", sagt Aust.

Besonders in der Weihnachtszeit sind die Tierheimmitarbeiter vorsichtig. "Wenn jemand ein Tier verschenken will, lehnen wir das grundsätzlich erstmal ab. Wir möchten dann auch mit der Person sprechen, die das Tier bekommen soll. Besonders bei Kindern ist es wichtig, sie vorab aufzuklären", sagt Tina Majdecki, Leiterin des Tierheims.



Durch dieses strikte Vorgehen möchte sie vermeiden, dass Tiere nach kurzer Zeit wieder zurückgebracht werden, weil die Leute merken, dass das Tier auch Arbeit macht und sie nicht mit ihm zurechtkommen. Weitere Gründe, warum Tiere im Tierheim landen, sind Scheidungen, Umzüge, aber auch krankheits- oder altersbedingte Gründe.

Im Freiburger Tierheim leben nicht nur Hunde und Katzen, es gibt auch jede Menge Vögel, vom kleinen Wellensittich bis zu großen Wildvögeln. Auch Kleintiere wie Hamster, Hasen und Mäuse haben dort vorrübergehend ein Zuhause gefunden. Im Außenbereich leben viele Wildschweine, auch ein paar Hängebauchschweine wuseln umher.

Die Wildschweine werden ihr restliches Leben im Tierheim verbringen, denn im Gegensatz zu anderen Wildtieren, einem Reh etwa, können die Schweine nicht wieder ausgewildert werden, da sie sich zu sehr an den Menschen gewöhnen. 



Im Teich schwimmt eine Gruppe Enten, die im Sommer im Tierheim landete, nachdem die Mama-Ente überfahren wurde. "Es ist gar nicht so einfach, die Küken zu versorgen, denn sie wollen eigentlich am liebsten im Wasser speisen und wir können ja nicht jedesmal schwimmen gehen", sagt Tina lachend. In der Nähe des Teichs wohnen ein paar Schildkröten, diese halten momentan ihren Winterschlaf, genauso wie die über 100 Igel, die hier jedes Jahr überwintern.

Der Tag beginnt im Tierheim damit, alle Gehege, Zwinger und Käfige zu säubern. Danach bekommen die Tiere ihr Futter und werden individuell versorgt. Innerhalb der Öffnungszeiten ist viel los im Tierheim. Jeden Tag werden Tiere an neue Besitzer vermittelt, aber auch abgeliefert.

Die Tiere kosten eine Menge Geld, besonders die Pflege der Wildtiere ist sehr kostenaufwändig. "Die Gelder, die wir durch Vermittlungen und Pensionen einnehmen, reichen hinten und vorne nicht", sagt Aust. "Alleine die Lohnkosten betragen pro Jahr 200.000 Euro. Unterstützt werden wir von zirka 200 Paten. Sie sind Mitglieder des Tierschutzbundes und bezahlen eine Gebühr von 30 Euro im Jahr. Außerdem unterstützen sie uns, indem sie mit den Hunden Gassi gehen. Ab und zu bekommen wir eine Erbschaft. Trotzdem sind wir auf Spenden angewiesen."

"Die Arbeit im Tierheim hat positive und negative Seiten", sagt Tina. Besonders schön sei die Dankbarkeit der Tiere oder auch Erfolgserlebnisse, wenn man einem Tier ein schönes Zuhause vermittelt oder ein krankes Tier wieder aufpeppelt. "Das Schlimmste an der Arbeit sind die Menschen, die mit ihrem Tier zu uns kommen, es hier abgeben wie ein Möbelstück und sich dann noch darüber beschweren, dass sie etwas bezahlen müssen."

Manfred Aust erzählt, dass es zwar immer schön sei, wenn ein Tier ein neues Zuhause bekommt oder wieder in die freie Natur zurückkehrt, aber ihm das oft auch zu schaffen macht. "Im Sommer habe ich ein Rehkitz in meiner Wohnung großgezogen. Drei Monate habe ich mich um das Tier gekümmert. Es war furchtbar für mich, als der Tag kam, an dem ich es hergeben musste. Obwohl ich wusste, dass das Tier in der freien Natur glücklicher ist."

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