Theater 2.0 - Mauerbrecher gegen Mieterhöhung

Helena Barop

Die Mauerbrecher improvisieren. Was die Zuschauer zurufend vorschlagen, versuchen die Schauspieler umzusetzen. Sie wissen vor der Aufführung auch nicht, was passieren wird. So entstehen unerwartete Szenen. Am Freitag haben sie zu Gunsten des Mietersolidaritätsfonds im Café Velo gespielt.



Kaputter Laptop. Freeze. Kurze Lebenslinie. Freeze. Nimm mich, nimm mich!, schreien die Gummibärchen in der Tüte. Alle paar Sekunden wechselt die Szene, die abwegigsten Ideen werden aneinander gehängt und nichts davon ist geplant. Die Mauerbrecher geben fliegende Teppiche zurück, spielen den ersten Kuss einer Zuschauerin nach und erforschen die Schwimmfähigkeiten australischer Kakadus. Kleine Geschichten entstehen infolge spontaner Zurufe. Die Zuschauer freuts. Eine individuelle Vorstellung.


Die ständigen Überraschungen faszinieren das Publikum. Aber was die Improvisation vom gewöhnlichen Theater untescheidet, ist der Mitmachfaktor. Immer wieder wird das Auditorium eingebunden. Wenn es will, dass gebügelt wird, schleppt sofort ein renitenter Ehemann seiner genervten Frau einen Korb Hemden vom Männerchor zum Bügelbrett. Das Improvisationstheater der Mauerbrecher ist ein Gegenentwurf zum klassischen Regietheater. Schwung und Klamauk ersetzen den szenischen Rahmen und durch die schnellen Szenenwechsel verliert sich der Ernst der einzelnen Rollen. Sabine Riedel-Weiler, Andreas Lasch, Michael Komarek, Henriette Lauber, Jürgen Mayer und Wolfgang Schütz wollen die vierte Wand durchbrechen, die im Theater sonst die Zuschauer von den Schauspielern trennt. Theater 2.0 so zu sagen. Es wird nicht nur zugeschaut, sondern auch mitgemacht. Daher auch der Name.

Es wird gesungen, getanzt, gereimt und gefuchtelt, die improvisierte Klavierbegleitung feuert die Schauspieler zu immer gewagteren Witzen an. Vor allem die Mieter des Solidaritätsfonds freuen sich über die Bemühungen der Mauerbrecher, denn der Auftritt ist eine Benefizveranstaltung. Ungefähr einhundert Familien sind betroffen von einer Mieterhöhung im Bereich des sozialen Wohnungsbaus, gegen die sich nun ein Mietersolidaritätsfonds wehren will.

Beim nächsten Mal improvisieren die Mauerbrecher einen Krimi. Wer Lust hat auf zwanglose, etwas klamaukige Unterhaltung sollte sich Karten reservieren.

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Die Mauerbrecher:
Website Was: Die MordArt - ImproCrime mit den MauerbrechernWann: Freitag, 20. April, 20:30 UhrWo: Café Velo an der FahrradbrückeKarten reservieren: 0178-3083546 oder mail@mauerbrecher.de