The Richmond Sluts und The Lords of Altamont im Slow Club Freiburg

Jens Grosskreuz

Eine üppige Gogo-Tänzerin, rotzige Zugaben im Stil der Ramones und jede Menge Lebensweisheiten: Das Konzert der Ami-Band The Lords of Altamont im Slow-Club bot alles, was eine dreckige Rock-Orgie bieten muss. Wie's war:



Es dauert seine Zeit bis die ersten Akkorde der Vorband The Richmond Sluts alle Konzertbesucher vor die Bühne locken. Der Slow Club ist bis zur Garderobe vollgepfropft mit dunklen Outfits. Alles andere als langsam windet sich der Rock'n'Roll-Ohrwurm durch Mark und Bein. Die Sehnsucht nach verzerrten Gitarren scheint groß, die Meute wankt. War da je ein Eis, das es zu brechen galt? Nach dem zweiten Abschlag der Sluts wird das Publikum auch geradewegs vom Sänger als „Dickheads“ begrüßt. Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein... Massive Ampeg, Vox und Marshall Aufbauten sowie geflickte Levis-Jeans sorgen für derbes Wohlgefühl. Von nun an wird bis zum Ende der Live-Show Pogo getanzt. Hier und da ein Spritzer Bier hat noch keinem geschadet.


Der Schweiß bahnt sich seinen Weg. Tamburin, Jerry-Lee-Lewis-Tasten und verschwurbelte Basslinien sind Verzückungsspitzen im Soundschwall aus San Francisco. Was auffällt: Der Drummer singt jede Zeile inbrünstig mit. Die Stimme des Hauptbarden erinnert an David Bowie. Die Setlist schließt mit „Drive me wild“. Gesagt, getan. Viele ziehen sich die Ohrstöpsel.

Endlich betreten The Lords of Altamont die Bretter. Nicht nur, denn die Kerle aus Los Angeles  haben eine üppige Gogo-Tänzerin angeworben – verdrehte Augen. The Preacher, namentlich der Sänger, versteckt sich hinter Sonnenbrille, nichtsdestotrotz ist er ein Charmebolzen. Wie eine Schlange windet er sich um den Mikrofonständer, man assoziiert Iggy Pop & Stooges. Indem er die Orgel zum Spielen ins Publikum schiebt, bindet er das Publikum mit ein ins Halli-Galli-Drecksau-Fest. Kurze Verschnaufpause, er fragt und grinst: „Has anybody got a drinking problem?“ Ein jeder Zuhörer prostet zu. Der Bassist (Zim) hält sich ein wenig bedeckt, obwohl er ausschaut wie Zakk Wylde himself, er spielt auf hohem Niveau. Ebenso der grandiose Leadgitarrist Dani Sin, der ein Slash-Solo nach dem anderen rausfeuert.

Plötzlich kommt das Gogo-Girl aus dem Takt, was aber garantiert nicht am Brett des Drummers Full Tilt liegt. Ein bisschen absurd ist die Szenerie ja schon, man denkt an Spinal Tap und Steelpanther, an Hairmetal und Hallelujah. Der volltätowierte Preacher mahnt: „Live fast, die young!“ So ist es. Nonchalant bedient er während des Gesangs die Orgel. Das muss so einfach sein... Langer Applaus.

„We want more“ grölt Jung und Alt, Männlein und Weiblein. Glücklich gibt die Band noch rotzige Zugaben im Stil der Ramones. Glocken und Licht beenden diesen kleinen Wahnsinn am Gründonnerstag. „Don't cut off your hair!“ predigt The Preacher. Was bleibt? Ein halber Tinnitus, Lebensfreude und die Gewissheit, dass die Vergangenheit wieder Zukunft hat.

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