The Crucible: Hexen und Terrorangst auf Englisch

Helena Barop

Auf der Bühne im Alten Theatersaal zeigen die Maniacts "The Crucible" von Arthur Miller. Eine aufregende Hexenjagd voller Spannung, Hysterie und Hilflosigkeit ganz in Guantánamo-orange.



„Could you please raise your arms? Do you carry any liquids with you? Thank you, you may pass.” Am Eingang des Alten Theatersaals erwartet den ahnunglosen Zuschauer eine Kontrollschleuse mit täuschend gut imitiertem Metalldetektor und Sicherheitspersonal. Erst nach der Kontrolle darf man eintreten.


Irgendwo zwischen amüsiert und irritiert begibt sich das Publikum auf die Plätze. Auf einer weißen Bühne erscheinen zeitlos gekleidete Figuren und schon mit den ersten wütenden Sätzen des Mister Parris, Pfarrer von Salem Village, füllt sich die Luft mit ängstlicher Spannung.



Ein paar Mädchen wurden im Wald erwischt, beim Tanzen. Anklagen, Befragungen, wütende Vorwürfe schlagen bald um in Hysterie: „Witchcraft“ – Hexerei, hört man es munkeln in Salem. Bald folgt eine Anklage der nächsten. Die Mädchen geben an, verführt und gequält worden zu sein vom Teufel und seinen Helfern. Eine Frau nach der anderen wird angeklagt und verhaftet, eine nach der anderen muss gestehen und denunzieren, um ihr Leben zu retten.

Überzeugend statt überzogen und in sehr klarem, verständlichem Englisch halten die Maniacts vom Englischen Seminar die Balance zwischen Spannung und Hysterie, zwischen Schweigen und Kreischen. Trotz der hohen Temperaturen jagen sie den Zuschauern kalte Schauer über den Rücken und versetzen sie mitten hinein in eine Gesellschaft, in der es nur weiß oder schwarz, nur gut oder böse, nur Gott oder den Teufel gibt.



Die bedrückende Szene spielt sich ab in Massachusetts, 1692. Doch Ort und Zeit rücken in der Inszenierung von Rosa Nussbaum in den Hintergrund. Sie zeigt kein Historiendrama, sondern eine zeitlose Geschichte voller Angst vor dem Unbekannten. Sie zeigt, was passiert, wenn jeder verdächtig ist. Onlinedurchsuchung, Videoüberwachung, Vorratsdatenspeicherung schwingen spätestens mit, wenn der Zuschauer sich plötzlich an die Eingangskontrolle erinnert.

Kaum ein Stück könnte mit mehr Eindringlichkeit die diffuse Terrorangst dieser Zeit auf die Bühne bringen als dieses. Wenn gegen Ende die Verurteilten in Guantánamo-orange mit schwarzen Folterkaputzen auf die Vollstreckung ihres Urteils warten, ist endgültig klar, wer hier der Teufel sein soll.



Mehr dazu:

Was: "The Crucible" by Arthur Miller
Wann: 18., 19., 20. Juli 2008, jeweils 19:30 Uhr 
Wo: Alte Universität, Theatersaal