Testfahrt: Mit "Mein Fernbus" von Freiburg nach München

Nadja Röll

Von Freiburg nach München - aber wie? Bei schrägen Typen in vollgepackten Autos mit schlechter Musik mitfahren? Mit der Bahn für zweimal umsteigen auch zweimal so viel zahlen? Oder mit den neuen Fernbussen über Friedrichshafen? fudder-Autorin Nadja ist in "Mein Fernbus" eingestiegen und hat das neue Angebot getestet.



Noch müssen sich Busunternehmen lange herumstreiten, um der Deutschen Bahn bei Fernreisen auf der Straße Konkurrenz machen zu dürfen. Das soll sich erst im Sommer ändern. Doch das Unternehmen „Mein Fernbus“ hat sich schon jetzt eine Konzession erkämpft und lockt mit Angeboten, die auf den ersten Blick unschlagbar sind. Aber wie ist das Preis-Leistungsverhältnis wirklich?


Online-Buchen

Auf meinfernbus.de habe ich mich schnell durch das einfache Menü geklickt. Von Freiburg Hauptbahnhof nach München Zentraler Omnibusbahnhof, Abreise morgens, mittags oder abends? Buchen mit oder ohne Fahrrad - klick. Zahlen per Sofort-Überweisung, Visa oder Pay Pal? Check!

Eine reguläre Fahrt nach München kostet 39,50 Euro, doch ich habe noch ein Sparangebot für 15 Euro abgegriffen. Mit der Buchungsnummer soll ich mich dann 15 Minuten vor der Abreise am Bussteig einfinden. Fertig!



Einchecken und Abfahrt

Am Hauptbahnhof ist der grüne Bus nicht zu übersehen. Der Fahrer steht vor der Tür, fragt nach meinem Namen, schaut kurz in seinem Smartphone nach, ob ich schon bezahlt habe und hievt dann meine Reisetasche in den Gepäckraum.

Meine überpünktlichen Mitfahrer sitzen schon oder haben nach bester Platzhirsch-Manier Jacken auf die Polster drapiert. Ich drücke mich in die letzte Reihe durch und mache es mir Arm an Arm mit meinen Nebensitzern gemütlich. Erste Lektion: Für Beinfreiheit oder die Möglichkeit sich an die Scheibe anlehnen zu können, beim nächsten Mal unbedingt 30 Minuten vor der Abfahrt anrücken! Und schon geht’s pünktlich los.



Reise-Komfort

In der Sitztasche vor mir finde ich eine WLAN-Anleitung für einen kostenlosen Netzzugang, ich akzeptiere die Nutzungsbedingungen und schon bin ich drin. Die Seiten bauen sich langsam auf, während der Bus sich ebenso langsam die Serpentinen zum Hirschsprung hochschlängelt.

Zum Arbeiten eignet sich „Mein Fernbus“ wahrlich nicht. Auf dem ausklappbaren Tischchen ist nur Platz für einen allerkleinsten Laptop, sodass ich das Gerät auf den Schoß nehmen muss. Außerdem besteht beim Tippen ständig die Gefahr, meinen Nebensitzern die Ellbogen in die Seite zu rammen. Ich knipse also die Leselampe an ziehe ein kleines Buch statt der Zeitung aus der Tasche.

An Board gibt’s zwar keine Bedienung mit Schiebewägelchen, aber kleine Snacks und Getränke beim Fahrer zu kaufen: Erdnüsse, Gummibärchen, Bifi-Roll oder Wasa-Sandwiches für 1 Euro. Wasser, Cola, Apfelschorle oder Bier für 1,50 Euro. Und wenn man dann mal austreten muss, gibt es natürlich auch eine kleine Toilette - oder die Pause.



Pause und Ankunft

Nach zwei Stunden durch den Schwarzwald und am schönen Bodensee entlang erreichen wir Friedrichshafen. Keine Zeit, um an den Hafen zu schlendern oder eine Postkarte zu kaufen, aber für viele die Möglichkeit, sich zu strecken oder eine schnelle Zigarette zu rauchen, bis es mit einem zweiten Fahrer weiter in Richtung München geht.

Wie angekündigt erreichen wir den Münchner ZOB pünktlich nach viereinhalb Stunden. Von hier aus sind alle S-Bahnlinien leicht erreichbar, der Hauptbahnhof ist nur eine Station entfernt.

Fazit

Mit „Mein Fernbus“ braucht man von Freiburg nach München ohne Stau genauso lange wie mit der Bahn, zahlt dafür aber regulär nur den halben Preis. Die Aussicht aus den Busfenstern ist fantastisch, hier und da allerdings fast ein bisschen zu ausgiebig zu genießen, wenn man zum Beispiel 20 Minuten hinter einem Gurkenlaster her tuckert.



Alles in allem kann man wohl sagen, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis hier stimmt. Für den kleinen Preis gibt es nur auch wenig Platz. Enger als bei einer Mitfahrgelegenheit ist es allerdings auch nicht, und bei „Mein Fernbus“ ist wohl ein bisschen mehr Verlass darauf, an einen anständigen Fahrer zu geraten.

Mehr dazu: