Tele: "Wir kosten unsere Ideen aus"

Thomas Steiner

Vergangene Woche ist "Jedes Tier" erschienen, das vierte Album der früher südbadischen, heute Berliner Band Tele. Veröffentlicht wird es vom Hamburger Label Tapete Records, vor sechs Jahren Teles erste Plattenfima. Zwischenzeitlich war die Band zum Branchenriesen Universal gewechselt, der aber hat ihren Vertrag nach zwei CDs nicht mehr verlängert. Über den neuerlichen Wechsel und über das neue Album sprach Thomas Steiner mit Sänger Francesco Wilking.



Francesco, Tele sind jetzt wieder bei der kleinen Firma, die 2003 die ersten Singles der Band veröffentlicht hat. Ist das wie heimkommen?

Jein, wir sehen das nicht so emotional. Es ist nicht so, wie es wäre, wenn ich nach Lörrach zurückziehen würde. Wir machen unsere Musik, und bei wem wir unterschreiben, ist eher zweitrangig. Wir hatten auch kein Jetset--Leben bei Universal.

Man stellt sich das immer so vor, wenn eine Band bei einem Multi ist.

Das ist nur etwas Äußerliches. Wenn du in dem Riesengebäude sitzt an der Spree, hat das eine bestimmte Ausstrahlung. Oder wenn du bei MTV eingeladen bist in Köln und übernachtest im Hilton. Aber ich glaube, dass das jetzt auch nicht mehr so ist. Wir haben das letzte Fünkchen Glanz der großen Ära der Plattenfirmen mitbekommen. Bands wie uns leistet sich inzwischen keine große Firma mehr.

Warum nicht, reichen untere Charts-Ränge nicht, wenn die Musik gut ist?

Es gibt schon Leute bei Universal Deutschland mit einer Vision, was für Künstler sie wollen. Aber nach einem Jahr kommt dann jemand von Universal Europe, schaut denen von hinten über die Schulter und sagt: „Was sind denn das für Zahlen?!“ So läuft das halt. Dabei waren wir eine der wenigen Bands, die das eingespielt haben, was für sie ausgegeben wurde. Was aber auch daran liegt, dass wir nicht viel kosten.

Obwohl die Tele-Platten immer auch opulent sind? Bläser und Streicher gibt es jetzt auch auf der neuen CD wieder.

Das sind Freunde, wir laden uns ja nicht Nigel Kennedy ein.

Und aufgenommen wurde wieder im Band-eigenen Studio in Berlin?

Nein, wir sind dieses Mal erst nach Düsseldorf gegangen und dann waren wir in Berlin beim Produzenten Moses Schneider. Der ist bekannt dafür, dass er Bands live aufnimmt. Das war eine interessante Erfahrung für uns, weil wir sonst immer gebastelt haben.

Tele sind schon eine Frickler-Band, stimmt’s?

Wir haben natürlich trotzdem ein bisschen gefrickelt. Moses meint: Jeder Songs verdient einen Overdub. Wir haben zwei oder drei draufgehauen. Wir haben immer noch Ideen, was die Lieder angeht. Es gibt welche auf der Platte, die mit wenig auskommen, und welche, bei denen wir uns nicht verkneifen konnten, jede Idee auszukosten.

Was Tele nach wie vor einzigartig in der deutschen Szene macht, ist die deutlich hörbare Liebe zu 70er Funk und Blue Eyed Soul.

Für mich ist das, was gute Bands auszeichnet, die Mischung der Einflüsse, wenn sie alles möglich schlucken und wieder ausspucken.



Abwechslung hat es genug auf „Jedes Tier“: Es gibt Balladen wie „Für ein ganzes Land“, es gibt das Funk-Stück „Foto“ und es gibt „Intergalaktische Missionen“, das nach „Dreadlock Holiday“ von 10cc klingt, oder?

Habe ich jetzt nichts im Ohr. Ist aber eine Superband.

Vielleicht waren es die Instrumentalisten in der Band, ohne dass der Sänger es gemerkt hat.

Oder ohne dass sie es gemerkt haben.

Es gibt sehr viele Liebeslieder auf der Platte.

Ich frage mich sowieso, ob es außerdem noch andere lohnende Themen gibt, was Musik angeht.

Wie ist mit den Texten, die sind nicht autobiographisch, oder?

Der erste Impuls ist immer automatisch, der zweite ist, dem dann auf den Grund zu gehen. Es ist ein bisschen, als würde ich in einem fremden Test lesen und ihn weiterschreiben.

Ein Lied ist gleich zweimal drauf: Das Titellied kehrt am Ende in einer anderen Fassung wieder. Und es wirkt ganz anders. Während im ersten ein freudiger Mann spricht, dem sich in allem die Liebste zeigt, in jedem Tier, in jedem Ding, klingt es am Ende, als würde ein trauriger Mann singen, der nicht aus sich heraus findet. Kann man das so sagen?

Klingt gut auf jeden Fall. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob es sich um eine Person oder um zwei Personen handelt. Die erste Version haben wir in Düsseldorf aufgenommen, dann sind wir zu Moses gegangen, und es kam die Idee auf, es noch mal zu probieren, anders. So kamen mir auch andere Ideen für die Melodie und den Text. Das fanden wir so spannend, dass wir beide Versionen auf das Album getan haben.

Verlosung

fudder verlost zwei Mal Tele 7'' 'Die Nacht Ist Jung' in rotem Vinyl und mit drei Nicht-Album-Songs. Wer gewinnen möchte, schickt eine E-Mail mit seinem Namen und dem Betreff  "Tele" angewinnen@fudder.de. Einsendeschluss ist Freitag, 19. Juni 2009, 12 Uhr. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner bekommen die Platte per Post.

Mehr dazu:

[Dieses Interview ist ebenfalls im Kulturteil der Badischen Zeitung erschienen; Bild: Promo]