Technologie im Deckel

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, dass Flaschen nicht einfach nur zugeschraubt werden? Jede im Handel erhältliche Flasche mit Wasser oder einem Süßgetränk verbirgt unter und in ihrem Deckel mehrere kleine Besonderheiten, die alle ihre technische Begründung haben und in ihren Details variieren. Ob Glas- oder Plastikflasche, ob Einweg oder Mehrweg: Beim Deckel gibt es kleine aber feine Unterschiede.

Die fabrikneue und noch ungeöffnete Flasche erkennt man an dem unversehrten Deckel. Unterhalb des abzuschraubenden Teiles gibt es bei jeder Art von Flaschen einen Ring mit Sollbruchstellen, die beim ersten Aufschrauben zerbersten. Hier ist ein entscheidender Unterschied zwischen Einweg- und Mehrwegflaschen: Den Deckel von Plastikeinwegflaschen kann man so abschrauben, dass kein lästiger Plastikstreifen mehr am Verschluss hängt.


Dieses Erstöffnungsgarantieband bleibt an der Flasche, weil sein Durchmesser kleiner ist als der des Ausgussstutzens. Diese für die Deckelhandhabung deutlich benutzerfreundlichere Möglichkeit ist aber für Mehrwegflaschen ungeeignet. Denn wenn diese zurück in die Produktion kommen und gereinigt werden, müsste erst umständlich dieses Erstöffnungsgarantieband vom Flaschenhals entfernt werden. Für die umweltfreundlichere Variante muten die Getränkehersteller den Konsumenten also zu, sich an den herabhängenden Plastikfetzen die Finger zu verletzen.

Damit die Deckelfixiermanschetten dort abreißen wo sie sollen, sind sie mit dem Deckel durch kleine Materialbrücken verbunden, die bei entsprechender mechanischer Beanspruchung nachgeben. Und diese sind bei Einwegflaschen anders angeordnet als bei Pfandflaschen. Hat man den Getränkebehälter irgendwann auf, so kann man eine weitere Besonderheit entdecken, die es nur an Flaschen aus Polyethylenterephthalat (PET) und nicht an Glasflaschen gibt.

Bei Glasflaschen ist das Gewinde durchgehend, bei denen aus Plastik aber von mehreren mysteriösen senkrechten Kerben durchbrochen. Diese Entlastungskanäle dienen der vorzeitigen Entlüftung: Wenn man eine frische Flasche vorsichtig aufschraubt, kann man schon nach einer kurzen Drehung ein dezentes Zischen wahrnehmen. Beim Transport von der Abfüllerei zum Kunden wird bei kohlensäuerhaltigen Getränken unweigerlich der Innendruck größer, der über diese kleinen Slots kontrolliert entweichen kann.

Glasflaschen mit Aluminiumdeckel brauchen diese Entlüftungskanälchen nicht. Denn im Inneren des Deckels befindet sich eine weiche Dichtungsmasse, die es ebenfalls ermöglicht, dass der Druck gemächlich entrinnen kann und nicht plötzlich hervoreruptiert.