Taxi Teheran, Berliner Göre, Nazis in Argentinien: Was euch auf dem 12. Freiburger Filmfest erwartet

Tamara Keller

Mit einem Goldfischglas durch Teheran fahren, gänsehauterrgende Thriller und Benno Fürmann als Neonazi: Ab heute startet das 12. Freiburger Filmfest. Die nächsten zehn Tage werden im Friedrichsbau, in der Harmonie und im Mensagarten wieder einige Top-Filme zu sehen sein - wie immer als Freiburg-Premiere. Wann welcher Film läuft und welches Werk sogar im Originalton alemannisch ausgestrahlt wird:



„Steigen sie um in das gegenüberliegende Taxi. Er kennt den Weg und ist schneller.“ Würde das ein normaler iranischer Taxifahrer wirklich seinen Kunden empfehlen? Aber Jafar Panahi, ist eben nicht normal: Trotz Berufsverbot seit 2010 drehte der Regisseur mit Taxi Teheran bereits zum dritten Mal heimlich einen Film. Von den zwei alten Frauen die Goldfische in einem Glas transportieren wollen, über den Raubkopierer bis hin zur eigenen Nichte – sie alle nehmen Platz im Taxi und erzählen dem Jafar Panahi, was sie umtreibt. Es entsteht ein hoffnungsvoll-verschmitztes Portät der Menschen im Iran, mit dem der Regisseur auf der Berlinale 2015 den goldenen Bären einheimste. Die Freiburg-Premiere feiert “Taxi Teheran“ im Rahmen des zwölften Freiburger Filmfestes.




Im Friedrichsbau, der Harmonie und in Freiburgs größtem Open-Air-Kino, dem Mensagarten, werden innerhalb von 10 Tagen, 35 Filme gezeigt, darunter 13 deutsche Produktionen. Ob Liebesdrama, Komödie oder Dokumentation – im Programm ist für jeden Geschmack etwas dabei. Die Filme werden im Originalton mit Untertiteln gezeigt. Nach jedem Film können die Zuschauer bewerten, wie gut sie den Film fanden. Der höchstbewertete gewinnt den Filmpreis der Stadt Freiburg.

Erstmals gibt es dieses Jahr auch eine Kurzfilmnacht, die jungen Filmemachern aus Freiburg oder von anderen Orten dieser Welt eine Möglichkeit bieten soll, ihre Kunstwerke zu präsentieren. Vorerst sind an diesem Abend die Filme „Menschsy“, „Das Mädchen von Gori“, „Accident“ und der beste von Studenten gemachte Film aus Freiburg, der noch nicht gekürte Gewinner des diesjährigen Video Grand Slam des Studentenwerks. Bleibt danach noch Zeit, soll es noch einen Überraschungsfilm geben.

Eine Berliner Göre muss in den Schwarzwald

Bei den Filmen handelt es sich, wie immer, um Freiburg-Premieren. Doch die heimische Region ist auch in einigen der gezeigten Werken finden: Hinter dem Filmtitel „Bube Stur“ versteckt sich die Geschichte der Berlingöre Hanna. Sie muss in einem Schwarzwalddorf Arbeitsstunden absolvieren, wo natürlich „alemannisch gschwätzt wird“.

Gedreht hat der gebürtige Basler und Regisseur Moritz Krämer in Schönau und Freiburg. Die Umgebung dürfte dem Wahlberliner nicht unbekannt gewesen sein, denn er absolvierte sein Abitur am Freiburger Goethe-Gymnasium. Weg von der Heimat, zieht es hingegen die beiden Filmemacher Telemach Wiesinger aus Freiburg und den Karlsruher Sedar Dogan, die sich in ihren Filmen „Kaleidoscope“ und „Der 8. Kontinent“ vordergründig mit dem Reisen beschäftigen.

Wie schon im letzten Jahr, sind zwei Kinderfilme und das Midnight Special feste Programmpunkte im Festprogramm. Zwei gänsehauterregende Thriller warten mit dem rätselhaften "Daimonion" und dem Kirchen-kritischen "El Club", auf alle, die sich gerne gruseln.

Prominenz in Freiburg

Benno Fürmann, Dietrich Brüggemann, Jakob Matschenz und Jerry Hoffmann, schauen auch für einen Abend in Freiburg vorbei: Die Mensagarten-Premiere, ihres Films „Heil“, der satirisch die Lage der Nation im Umgang mit Neonazis zeichnen soll, lassen sich der Regisseur und die Schauspieler nicht entgehen. Passend dazu bietet die monumentale Dokumentation „Der Letzte der Ungerechten“, einen Blick in die deutsche Vergangenheit.

Claude Lanzmann sprach 1975 mit Benjamin Murmelstein, dem einzigen Judenältesten von Theresienstadt, der überlebte. Nun bringt der Franzose Lanzmann die von damals ausgegliederten Gespräche auf die Leinwand und bekam dafür auf der Berlinale 2015 den Goldenen Ehrenbär überreicht.

Eröffnet wird das Freiburger Filmfest am heutigen Donnerstag mit dem Film Señor Kaplan um 21 Uhr 30 im Mensagarten.



Das Programm

Donnerstag, 16. Juli

19 Uhr Tango Passión im Friedrichsbau

19 Uhr Lilien im Winter im Friedrichsbau

21:10 Uhr Früher war alles besser in der Harmonie

21:30 Uhr Senor Kaplan im Mensagarten (Eröffnungsfilm)


Freitag, 17. Juli


15 Uhr Rettet Raffi! in der Harmonie

16:45 Uhr Tango Passión im Friedrichsbau

16:45 Uhr Früher war alles besser in der Harmonie

19 Uhr Der 8.Kontinent im Friedrichsbau

19 Uhr Staatsdiener im Friedrichsbau

21:10 Uhr Die Schüler der Madame Anne in der Harmonie

21:30 Uhr Taxi Teheran im Mensagarten

Samstag, 18. Juli

16:45 Uhr Die Schüler der Madame Anne in der Harmonie

17 Uhr Der letzte der Ungerechten im Friedrichsbau

19 Uhr Taxi Teheran im Friedrichsbau

21:10 Uhr About a girl in der Harmonie

21:30 Uhr Learning to drive im Mensagarten

22:30 Uhr El Club! in der Harmonie

Sonntag, 19. Juli

15 Uhr Der letzte der Ungerechten im Friedrichsbau

15 Uhr Rettet Raffi! in der Harmonie

16:45 Uhr About a girl in der Harmonie

19 Uhr Am Ende ein Fest im Friedrichsbau

19 Uhr Learning to drive im Friedrichsbau

21:10 Uhr Here is Harold in der Harmonie

21:30 Uhr Heil im Mensagarten


Montag, 20. Juli


16:45 Uhr Here is Harold in der Harmonie

16:45 Uhr Am Ende ein Fest im Friedrichsbau

19 Uhr That sugar film im Friedrichsbau

19 Uhr Der 8. Kontinent im Friedrichsbau

21:10 Uhr Kurzfilmnacht in der Harmonie

21:30 Uhr Der Sommer mit Mama im Mensagarten

Dienstag, 21. Juli

16:45 Uhr Staatsdiener in der Harmonie

16:45 Uhr That sugar film im Friedrichsbau

19 Uhr Agrokalypse im Friedrichsbau

19 Uhr Der Sommer mit Mama im Friedrichsbau

21:10 Uhr Virgin Mountain in der Harmonie

21:30 Uhr Mr. Holmes im Mensagarten

Mittwoch, 22. Juli

16:45 Uhr Virgin Mountain in der Harmonie

16:45 Uhr Agrokalypse im Friedrichsbau

19 Uhr Mr. Holmes im Friedrichsbau

19 Uhr The yes men are revolting im Friedrichsbau

21:10 Uhr Bach in Brazil in der Harmonie

21:30 Uhr Becks letzter Sommer im Mensagarten

Donnerstag, 23. Juli

16:45 Uhr Bach in Brazil in der Harmonie

16:45 Uhr The yes men are revolting im Friedrichsbau

19 Uhr Becks letzter Sommer im Friedrichsbau

19 Uhr Bube Stur im Friedrichsbau

21:10 Uhr Still the water in der Harmonie

21:30 Uhr 45 years im Mensagarten

Freitag, 24. Juli

16:45 Uhr Still the water in der Harmonie

16:45 Uhr Bube Stur im Friedrichsbau

19 Uhr 45 years im Friedrichsbau

19 Uhr How to change the world im Friedrichsbau

21:10 Uhr Im Sommer wohnt er unten in der Harmonie

21:30 Uhr Hallohallo im Mensagarten

Samstag, 25. Juli

16:45 Uhr Im Sommer wohnt er unten in der Harmonie

16:45 Uhr How to change the world im Friedrichsbau

19 Uhr Kaleidoscope im Friedrichsbau

19 Uhr Hallohallo im Friedrichsbau

21:10 Uhr Life in der Harmonie

21:30 Uhr Der Chor: Stimmen des Herzens im Mensagarten

22:30 Uhr Daimonion in der Harmonie

Sonntag, 26. Juli

15 Uhr Song of the sea in der Harmonie

16:45 Uhr Life in der Harmonie

16:45 Uhr Kaleidoscope im Friedrichsbau

19 Uhr Lilien im Winter im Friedrichsbau

19 Uhr Der Chor: Stimmen des Herzens im Friedrichsbau

21:10 Uhr A royal night in der Harmonie (Preisverleihung)

Mehr dazu:

Was: 12. Freiburger Filmfest
Wann: 16. bis 26. Juli 2015
Wo: Harmonie-Kino, Friedrichsbau & MensaGarten
Eintritt: Die Eintrittskarten für den MensaGarten kosten 7,50 Euro, ermäßigt 6,50 Euro; ansonsten gelten in der Harmonie und im Friedrichsbau die üblichen Preise, aber kein Kinotag. Fünferkarten kosten 30 Euro, Zehnerkarten 50 Euro; diese Karten sind übertragbar, jedoch nicht für die gleiche Vorstellung. Der Vorverkauf für den Mensagarten findet an der Kasse im Friedrichsbau statt.
    [Foto: Collage, PROMO]