Tattoos entfernen: Bye Bye Arschgeweih

Adrian Hoffmann

Es war jetzt sehr lange im Trend, das Tattoo, das gerne auch schlicht Arschgeweih genannt wird. Manche finden es auch noch immer trendy. Aber die Freiburger Hautklinik stellt fest, dass die Zahl der Menschen steigt, die ihr Tattoo - sei es über dem Po, auf der Brust, am Oberarm, an den Füßen oder an der Schulter ? wieder loshaben wollen. In der Abteilung Lasertherapie gibt es dafür einen speziellen Laser. Wir haben mit Dr. Vivien Schacht über den Ablauf einer solche Behandlung ein Interview geführt:





Stellen Sie fest, dass es vermehrt Menschen gibt, die ihr Tattoo loshaben wollen?

Dr. Vivien Schacht: Das nimmt schon zu, ja. Gerade jüngere Leute.

Was für Tattoos haben die?

Alle möglichen Motive. Es wird unterschieden zwischen Laientattoos und Profitattoos.
 Laientattoos, wenn sie oberflächlich gestochen wurden, lassen sich sehr gut mittels Laser zum Verschwinden bringen, großflächige, vielfarbige Tätowierungen in der Regel schwerer. Dafür sind auch deutlich mehr Behandlungssitzungen notwendig. Der Vorteil von Laientattoos ist, dass sie in der Regel mit Tusche oder Tinte gemacht sind und diese Farbpigmente lassen sich mit dem entsprechenden Laser gut entfernen.

Warum wollen die meisten Patienten ihr Tattoo wieder entfernen lassen?

Viele der Patienten haben die Tattoos aus einer jugendlichen Laune heraus machen lassen, und wechseln dann häufig in einen Beruf, in dem das nicht so angesagt ist. Sie machen eine Bankerlehre oder studieren Jura, und dann muss das Tattoo weg.

Welche Verfahren zur Tattoo-Entfernung gibt es?

Es gibt die Möglichkeit, kleinere Tattoos herauszuschneiden. Bei großen Tattoos resultieren dementsprechend große Hautdefekte, die gegebenenfalls durch eine Hauttransplantation gedeckt werden muss. Eine andere Möglichkeit ist es, obere Hautschichten abzuschleifen. Beide Methoden finden Regel heutzutage kaum noch Anwendung, da bei beiden Behandlungen großflächige Narben entstehen.

Mit der Laserbehandlung kann ein Tattoo häufig narbenlos verschwinden. Es gibt verschiedene Laser, die mit verschiedenen Wellenlängen arbeiten. Wir verwenden bei Tattoos den Neodym-YAG-Laser, der vor allem schwarz-bläuliche, aber auch rote und zum Teil gelbe Farben gut verschwinden lässt.

Die Ansprechrate der Tattoos auf den Laser ist sehr davon abhängig, was für Farben verwendet wurden und wie tief die Farbpigmente in die Haut eingebracht wurden.

Was machen Sie, wenn der Patient ein sehr buntes Tattoo hat?

Unser Laser kann mit verschiedenen Wellenlängen arbeiten. Wir behandeln zunächst ein sehr kleines Probeareal, um zu testen, wie die Farbstoffe auf den Laser reagieren, denn in sehr seltenen Fällen kann es zu einem Farbumschlag nach der Behandlung kommen. Mit unserem Lasersystem ist es aufgrund der verschiedenen Wellenlängen möglich, auch verschiede Farben zu behandeln.

Was kostet solch eine Behandlung eigentlich?

Die Behandlung muss durch den Patienten selbst bezahlt werden, die Krankenkasse bezahlt nichts. Im Durchschnitt, also bei einem sieben Quadratzentimeter großen Tattoo, kostet eine Sitzung um die 95 Euro. Und wie viele Sitzungen es dauert, bis das Tattoo verschwunden ist, ist ganz unterschiedlich. Wenn das Tattoo leicht zu entfernen ist, also ein einfarbiges schwarz-bläuliches Laien-Tattoo ist, braucht man vielleicht drei Sitzungen, hartnäckige Profitattoos, gelb, violett oder weiß, können aber auch zehn Sitzungen erfordern, in Ausnahmefällen auch mal bis zu 20. Die Entfernung ist also immer teurer als das Stechen.

Welche Nebenwirkungen gibt es?

Direkt nach der Behandlung entstehen leichte Blutungen, die sich rasch in mit einer Kruste bedecken. Diese Wunden brauchen in der Regel circa zwei Wochen, um zu verheilen. Deshalb machen wir die Folgebehandlungen im Abstand von vier bis acht Wochen. Bis große Tattoos dann ganz weg sind, dauert es deshalb auch eine ganze Weile.

Wie sehr schmerzt die Behandlung? Gibt es Patienten, die schreien?

Es ziebt ganz ordentlich. Aber es schreit eigentlich keiner der Patienten. Manche wünschen eine lokale Betäubung. Manche beißen einfach nur die Zähne zusammen, oder sie kauen Kaugummi, das hilft auch. Die Sitzungen sind ja auch schnell vorbei, sie dauern, je nach Größe des Tattoos zwischen 5 und 15 Minuten,

Bleiben Spuren?

Meist gelingt ein gutes kosmetisches Endergbnis. Häufig zeigen sich leichte Pigmentierungsstörung im Sinne einer helleren Haut an der Tattoo-Stelle, vor allem bei dunkelhäutigeren Menschen, die sich oft erst langsam im Laufe von Monaten zurückbilden. Was uns allerdings wirklich Probleme bereitet, sind Permanent-Make-Ups um die Lippen und um die Augen. Die werden in der Regel mit einer Tätowierungsmaschine aufgetragen, und speziell der rote Farbstoff ist sehr schwer zu entfernen. In meiner Zeit in Zürich hatten wir eine Patientin, die drei Wochen vor ihrer Hochzeit zur Behandlung kam - ihr haben wir aber geraten, das Permanent-Make-Up doch besser nach der Hochzeit mittels Laser zu entfernen. Denn diese Behandlung sieht man ihr an.

Empören sich eigentlich Patienten über in diesem Fall eigene Dummheit, sich vor Jahren für ein Tattoo entschieden zu haben?

Nein, in der Regel ist ihnen auch die Behandlung nicht zu teuer. Die meisten sagen, es sei eben eine Phase in ihrem Leben gewesen, die nun beendet ist.

Mehr dazu:

Info der Lasertherapie in der Freiburger Hautklinik:

Uns steht ein so genannter frequenzverdoppelter Neodym-YAG-Laser zu Verfügung, der neben blauen und schwarzen Farben auch gelbe, rote und zum Teil grüne Tätowierungen entfernen kann. Eine Betäubung der Haut ist nur in seltenen Fällen erforderlich. Nach der Behandlung kann es zu einem leichten Brennen der Haut kommen.

Zur Entfernung einer Tätowierung sind mehrere Behandlungssitzungen notwendig. Die Tätowierung hellt sich von Behandlungssitzung zu Behandlungssitzung mehr und mehr auf. Direkt nach der Behandlung kommt es zu leichten punktförmigen Blutungen, die innerhalb ein- bis zwei Wochen unter Krustenbildung abheilen. Weitere mögliche Nebenwirkungen sind Hypopigmentierungen, Haarwachstumsstörungen, Schwellungen und Wundentzündung im Behandlungsareal.

Die Gefahr der Narbenbildung ist gering. Während der Zeit der Behandlung sollte es die direkte Sonnenbestrahlung (auch Solarium) vermieden werden.

Termine kann man direkt in der Laserabteilung erfragen, Telefon: 0761/2706797.