SWR-Orchester und Söhne versuchen was Neues

Ruge

Ein Rastaman mit blau-orangener Hip-Hop-Jacke und Sonnenbrille auf dem Kopftuch steht neben den ersten Violinen, ein DJ hat seine Plattenspieler zwischen Kontrafagott und Tuba aufgebaut. Es wimmelt von Kameras und Fotografen. Scheinwerfer werden getestet, Mikrofone gerichtet. Im Freiburger Konzerthaus treffen die Söhne Mannheims auf das SWR-Sinfonieorchester.



„Wenn der Xavier singt, schlage ich die eins; und dann das ist dann für das Orchester Ziffer 5“, sagt Dirigent Fabrice Bollon und gibt den Einsatz für das Orchestervorspiel. Xavier Naidoo und Michael Klimas schauen genau auf die Bewegungen des Dirigenten und singen etwas wackelig: „Ich bin sicher, wir werden sehn, wie sich die Dinge für immer drehn“, die ersten Verse von „Babylonsystem“. Es ist die erste Probe des Projekts „Zwischenräume“, das fast zwei Jahre lang geplant wurde. „Wir suchten eine Band, die eine große Ausstrahlung besitzt und zur ersten Liga im Popbereich gehört“, sagt Orchestermanager Reinhard Oechsler.


Michael Herberger, musikalischer Leiter der Söhne, wunderte sich zunächst über die Anfrage aus Freiburg: „Über das, was in zwei Jahren passieren soll, machen wir uns in der Band noch keine Gedanken.“ Aber von der Idee war er begeistert. Die musikalische Realisierung des ambitionierten Projekts lag in den Händen des französischen Dirigenten Fabrice Bollon, der in enger Abstimmung mit Michael Herberger das Konzept erstellte.

Beide Klangkörper sollten dabei eigenständig sein und trotzdem zu einer Einheit verschmelzen. Eine große Aufgabe. „Wir spielen die Songs der Söhne. Deshalb muss ich die Songs respektieren. Das Orchester wird aber in meinen Arrangements zum vollen Mitglied der Band.“ Neben Stücken wie dem energiegeladenen „Power of the Sound“ oder der religiösen Ballade „Vielleicht“ stehen klassische Werke wie die Ouvertüre zu Mozarts Oper „Don Giovanni“ auf dem Programm, ebenso der zweite Satz aus der zehnten Sinfonie von Dimitri Schostakowitsch. „Ich möchte das alles zu einer einzigen großen Sinfonie verbinden. Es gibt einen roten Faden im Programm“, verspricht Fabrice Bollon.

Was in der Probe zu hören ist, klingt vielversprechend. Kein weichgespülter Rock und keine getunte Klassik, sondern etwas Drittes. Ein Crossover, das viele Ebenen enthält, das den Spagat schafft zwischen den verschiedenen musikalischen Welten. Und das nicht nur, weil Keyboarder Florian Sitzmann auch am Cello eine gute Figur macht. Nach einem Orchesterzwischenspiel schüttelt Xavier Naidoo bewundernd den Kopf, Florian Sitzmann spricht von der „geballten musikalischen Kompetenz“, die ihm im Orchester gegenüber sitze. Auch Jochen Schorer, Schlagzeuger des SWR-Orchesters, ist von der Probe begeistert und lobt die Offenheit und Neugier der Rockmusiker. Und dass er mit einer der bekanntesten Bands in Deutschland gemeinsam auf der Bühne stehen würde, hätte er auch nie zu träumen gewagt.

  • Was: SWR Sinfonieorchester und Söhne Mannheims bieten "Zweiklang im Einklang"
  • Wann: Samstag, 10. März, 20 Uhr
  • Wo: Konzerthaus Freiburg
  • Übertragung: das Konzert überträgt das ding im Radio (Kabel: 95,8) und als Live-Videostream am Sonntag, 11. März um 19 Uhr. Konzertmitschnitt im SWR-Fernsehen am Sonntag, 1. April um 24 Uhr. 9.-12. März: aktuelle Berichterstattung auf SWR2 und SWR3