StudiVZ vs MatheVZ: Freiburger geben nach

Aljoscha Harmsen

MatheVZ heißt seit kurzem nicht mehr MatheVZ sondern MatheLV. Die Freiburger Betreiber der Seite mussten wie alle anderen VZ-Seiten im Konflikt mit StudiVZ schließlich ihren Namen ändern. Aljoscha hat mit den MatheLVlern gesprochen und wollte wissen: Mit welchen Methoden geht StudiVZ gegen Namenskonkurrenten vor?



Die Auseinandersetzung zwischen MatheLV und StudiVZ hätte ein Präzedenzfall werden können, aber dazu wird es nicht mehr kommen. Das Freiburger Unternehmen hat keine eigene Community und weist im Sinne eines Verzeichnisses von Lernmaterialien ein ganz anderes Profil auf als StudiVZ. Dennoch wollten die Anwälte des Holtzbrinck Verlags keiner anderen Seite erlauben, mit dem Kürzel "VZ" an die Popularität ihrer Online-Community anzuknüpfen.


"Irgendwann gibt es der studentische Geldbeutel einfach nicht mehr her", sagt Mathias Junker (links im Bild), der an der PH Mathematik, Kunst und Theologie studiert. Er ist für die inhaltliche Entwicklung von MatheLV verantwortlich. "Die Gerichte sind angreiferfreundlich und haben bisher immer zugunsten von StudiVZ entschieden." Allein die Kosten für die erste Instanz schätzt der Unternehmer auf 10 000 bis 20 000 Euro. "Für ein wirklich faires Verfahren hätten wir bis zum Bundesgerichtshof gehen müssen, aber bis dahin hätten wir locker 80 000 Euro investiert."

Klar, dass die sechs jungen Unternehmer eine solche Summe weder aufbringen können noch wollen. "Das ist der entscheidende Faktor in der Auseinandersetzung mit StudiVZ: Die kümmert es nicht, wenn sie für ein Verfahren 100 000 Euro ausgeben." Ein weiteres Druckmittel ist der Faktor Zeit. "Die Anwälte der Gegenseite haben sich sehr viel Zeit gelassen, um auf unsere Anfragen zu reagieren. Das setzt einen natürlich unter Druck", sagt Mathias. "Wir waren nicht nur einmal an dem Punkt zu sagen: wir geben auf", so sein Kollege Oliver Witt, der für die technische Umsetzung der Website verantwortlich ist.



Zuletzt steht der Beiname "VZ" für MatheVZ auch deswegen auf wackeligen Beinen, weil er durch StudiVZ populär geworden ist. "Die Anwälte berufen sich auf die Verkehrsgeltung des Kürzels, und dafür haben wir sogar Verständnis", sagt Mathias. Obwohl sie ihren Namen ändern mussten, gehen die MatheLVler gestärkt aus dem Streit hervor. "Das neue Kürzel LV für Lernverzeichnis passt viel besser zu unserem Angebot. Das ist eine neue Marke, und nun wird uns auch niemand mehr mit einer Community für Mathe-Cracks verwechseln."

Gestärkt auch deswegen, weil sie durch den Bericht auf Spiegel Online einen höheren Bekanntheitsgrad erreicht haben. "In den letzten drei Monaten hatten wir 750 000 Seitenaufrufe und am Donnerstag waren wir in Karlsruhe, um uns einem Unternehmernetzwerk vorzustellen." Unabhängig voneinander seien vier Investoren auf die Freiburger zugekommen. "Wir haben so genannte Business Angels als Paten für unser Unternehmen gewinnen können, die uns mit Know-How und finanziellen Mitteln unter die Arme greifen. Das ist für uns eine Riesenchance."

Anfang kommenden Jahres wollen die MatheLVler mit einer komplett neuen Seite an den Markt gehen und ein Austauschangebot für Lehrer und Schüler schaffen, das ähnlich funktioniert wie CampusOnline an der Uni. Der Austausch soll sich dabei erst einmal auf Materialien beschränken. Aber viel wollen die Unternehmer noch nicht verraten.



"Wir mussten oft mit dem Unverständnis unserer Bekannten umgehen", erinnert sich Mathias. "Die haben kaum verstanden, warum ich nicht erstmal mein Studium fertig mache oder warum ich zehn Stunden für MatheLV vor dem Rechner sitze." In der Zeit war für die Unternehmer der Titel des Ärzte-Songs "Lasse redn" Programm. "Heute kommen die, die uns früher belächelt haben, und sagen uns: 'Wir wussten immer, dass das ein Erfolg wird'". Für die Zukunft sind sie optimistisch: "Wenn wir mit der Unterstützung eines Unternehmernetzwerks bekannter werden, können wir vielleicht schon bald unseren Lebensunterhalt mit MatheLV bestreiten."

Nachdem die Auseinandersetzung mit StudiVZ beinahe beendet ist, zeigt Mathias sogar Verständnis für seinen übermächtigen Gegner: "Heute kann ich sie besser verstehen. Hätte ich eine solche Marke aufgebaut, würde ich sie auch mit aller Kraft beschützen."

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