Integration

Studierende und Flüchtlinge wollen, dass gemeinsames Wohnprojekt verlängert wird

Linda Baumgartner & Frank Zimmermann

In Freiburg leben seit Oktober 150 Geflüchtete und 72 Studierende im Wohnheim Längeloh zusammen. Jetzt wird geprüft, ob das deutschlandweit einmalige Projekt verlängert werden kann.

Es ist ein Wohnprojekt, das von Anfang an befristet war: In einem ursprünglich als reine Flüchtlingsunterkunft gedachten Wohnheim in Zähringen leben seit Oktober 150 Flüchtlinge und 72 Studierende in einem Gebäudekomplex.


Die wollen nun, dass das Projekt verlängert wird. "Freundschaft auf Zeit wollen wir nicht", schreibt eine Studierende auf Facebook. Auch das Studierendenwerk würde das Projekt gerne fortsetzen. Die Stadt als Betreiber des Flüchtlingsheims will im Januar entscheiden, damit die Studierenden planen können

"Wir würden es natürlich begrüßen, wenn das Projekt verlängert werden könnte" Renate Heyberger, Studierendenwerk Freiburg
Das neue Wohnheim in Holzbauweise an der Gundelfinger Straße war erst im Frühjahr und Sommer 2016 innerhalb weniger Monate für 10 Millionen Euro erbaut und im Oktober eröffnet worden. Ursprünglich war es nur für Flüchtlinge gedacht, als der Zuzug im Verlauf des Jahres immer mehr nachließ, wurde daraus ein integratives Wohnprojekt für Geflüchtete und Studierende, zunächst auf sechs Monate bis März 2017 befristet. Der Grund dafür war, dass die Stadt die Zimmer nicht zu lange abgeben wollte, weil sie nicht absehen konnte, wie sich der Zuzug von Flüchtlingen entwickeln würde. Dementsprechend wollte sie flexibel bleiben.



"Wir würden es natürlich begrüßen, wenn das Projekt verlängert werden könnte", sagt Renate Heyberger vom Studierendenwerk. Man prüfe derzeit, ob eine Verlängerung möglich ist, ergänzt Rathaussprecherin Edith Lamersdorf. Das sei ergebnisoffen, "baurechtlich wäre es in jedem Fall möglich". Priorität für die Stadt habe die Unterbringung der Flüchtlinge, wenn es unter dieser Maßgabe Platz gebe, sei man bereit für eine Verlängerung des Projekts.

Im neuen Jahr will die Landesregierung wieder jedem Flüchtling in der vorläufigen Unterbringung sieben Quadratmeter zur Verfügung stellen, bestätigte eine Sprecherin des Innenministeriums der BZ am Mittwoch. Die grün-rote Landesregierung hatte 2015 beschlossen, die Fläche pro Flüchtling von 4,5 auf sieben Quadratmeter zu erhöhen, ehe sie im Juli 2015 wegen der Flüchtlingswelle die Neuregelung noch vor deren Inkrafttreten zum 1. Januar 2016 wieder aussetzte.

Die Bewohner sind begeistert vom Zusammeleben

Im Zähringer Wohnprojekt "Längenloh" zeigen sich derweil die Bewohner alle begeistert. So zum Beispiel die indische Austauschstudentin Ravisha Gauri (25): "Es gibt so viele Angebote, und ich finde schön, dass die für jeden offen sind, auch für Kinder."

Zum Angebot gehören zum Beispiel Häkel-Kurse, Mutter-Kind-Tage und Fahrradwerkstätten. Sie werden hauptsächlich von den 19 Studenten geleitet, die sich bereit erklärt haben, ehrenamtliche Funktionen im Wohnheim zu übernehmen. Fünf Tutoren fungieren als Vermittler zwischen dem Studierendenwerk und organisieren die Programme.

Auch Renate Heyberger findet das deutschlandweit einmalige Projekt gelungen. Dies sei auch dem Helferkreis Zähringen zu verdanken, der die Strukturen im Wohnheim mit aufgebaut habe. "Das Feedback von den Tutoren ist durchweg positiv", freut sich Heyberger. Es biete den Studierenden die Möglichkeit, ein neues Erfahrungsfeld als Ehrenamtliche zu betreten und sei für die geflüchteten Familien ein warmer Empfang. Nebenbei lernten sie auch ganz Praktisches, beispielsweise das deutsche Mülltrennungssystem, kennen.

"Ich hätte nie gedacht, dass es so toll ist, hier zu wohnen. Das übertrifft die anderen Wohnheime, hier ist es nämlich nicht so anonym wie dort", schwärmt die 20-jährige Studentin Katharina Nau.

Geflüchtete begrüßen Kursangebote der Studierenden

Nur diejenigen der 72 Studierenden, die sich bereits als ehrenamtliche Tutoren im Heim engagieren, bekommen einen gesicherten Platz in einem der anderen Freiburger Studentenwohnheime.

Alle anderen müssten sich selbst etwas Neues suchen Die Studierenden haben bereits ein Schreiben mit gesammelten Unterschriften bei der Stadt eingereicht. Und auch die Geflüchteten wollen ihre neuen Mitbewohner nicht verlieren. "Es wäre schade, wenn die Studenten gehen müssten. Sie helfen uns sehr", sagt Adel Mahmodi. Der 24-jährige Afghane wohnt seit vier Monaten in dem Wohnheim.

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