Studierende können weiterhin auf digitale Uni-Texte zugreifen – vorerst

dpa & Felix Klingel

Zeitgewinn im Streit um digitale Texte an der Uni: Studierende und Dozenten dürfen digitale Lehrtexte wie bisher weiter benutzen – vorerst. Im Herbst 2017 soll eine endgültige Lösung für einen neuen Rahmenvertrag gefunden werden.

Studierende sind ab 2017 doch nicht mit größeren Problemen bei der Nutzung von Texten aus dem Internet - der digitalen Semesterliteratur – konfrontiert. Das drohte, da ein neuer Rahmenvertrag zwischen der VG Wort und der Kultusministerkonferenz ab 2017 die Online-Verfügbarkeit von Texten unter neue Bedingungen stellen sollte.


Jeder Text sollte einzeln bezahlt werden und somit hätten die Dozenten für jeden Text ein Formular ausfüllen müssen. Ein großer Aufwand, der viele Dozenten möglicherweise dazu bewegt hätte, wieder zur analogen Verteilung per Buch zurückzukehren. Viele Studierende befürchteten, zurück an den Kopierer geschickt zu werden.

Entscheidung vertagt auf Ende September 2017

Dazu kommt es erst einmal nicht: Die Länder-Bildungsminister, die Hochschulen und die Verwertungsgesellschaft Wort wollen sich im Streit um die Nutzung von digitalen Texten mehr Zeit für eine "praktikable und sachgerechte Lösung" nehmen. Das eigentlich zum Jahresende auslaufende Verfahren soll nun bis zum 30. September 2017 fortgesetzt werden.

Doch nicht nur die Hochschulen, auch viele Studierende haben sich gegen den neuen Rahmenvertrag ausgesprochen. Die Petition "Stoppt die Versetzung der Hochschulen ins prädigitale Zeitalter!" haben bisher fast 90.000 Menschen unterschrieben.

Neue Verhandlungen in einer Arbeitsgruppe von Kultusministerkonferenz (KMK), HRK und VG Wort sollen zu einer Lösung bis Ende September 2017 führen. Die Hochschulen hatten sich mit Blick auf den bürokratischen Aufwand geweigert, dem Vertrag beizutreten, mit dem die bisherige pauschale Vergütung von urheberrechtlich geschützten digitalen Texten auf eine Einzelabrechnung durch die Dozenten umgestellt werden soll. Auch die Uni Freiburg weigerte sich dem Vertrag beizutreten.

Bundesgerichtshof hielt Vergütung für ungerecht

Im Hintergrund des Konflikts steht ein Urteil des Bundesgerichtshofs vom 20. März 2013: Die Praxis der Länder, für ihre Hochschulen eine Pauschale bei der VG Wort zu zahlen, werde den einzelnen Urhebern der verwendeten Texte weniger gerecht als die Einzelabrechnung. Laut "Tagesspiegel" wird als Kompromiss nun eine Art Flatrate diskutiert, in der eine konkrete Zahl von Studenten und die Zahl der in einem Semester eingestellten Titel berücksichtigt werden könnte.

In der VG Wort haben sich Autoren und Verlage zur gemeinsamen Verwertung von Urheberrechten zusammengeschlossen.