Studieren mit Hund – Wie klappt das Studium mit tierischer Begleitung?

Dorothea Winter

Michael ist 27 und schreibt an der Uni Freiburg gerade seine Masterarbeit in VWL. Seit drei Jahren hat er seinen Hund Aiko. Doch wie klappt das, Hund und Studium unter einen Hut zu bekommen?

Michael, wie reagieren Kommilitonen auf deinen Hund?

Michael: Im Laufe der drei Jahre, die Aiko nun bei uns ist, habe ich eigentlich nur positive Rückmeldungen erhalten. Natürlich kamen auch schon mal Fragen wie "Wie machst du das zeitlich mit dem Hund?" "Wer kümmert sich um ihn, während du an der Uni bist?", aber wirklich negative Reaktionen habe ich keine erlebt.

Natürlich, die Anschaffung und Haltung eines Hundes erscheint für einen Studenten erstmal ungewöhnlich. Im Endeffekt muss man jeden Tag eine gewisse Zeit aufbringen können, um sich auch akkurat um einen Hund kümmern zu müssen. Ich für meinen Teil habe aber auch eher, schon seit Beginn meines Studiums, für mich alleine zuhause gut lernen können und dementsprechend war ich nicht wirklich regelmäßig anwesend bei Vorlesungen und hatte somit auch immer genügend Zeit, um mich um den Hund zu kümmern.

Wem würdest du einen Hund im Studium empfehlen, wem nicht?

Das ist meines Erachtens auch eine Frage des Lerntyps. Ich habe Leute kennengelernt, die jede Vorlesung/Tutorium/Übung an der Universität besuchen und sich alleine dadurch den Stoff aneignen und dementsprechend zu Hause weniger Zeit in den Lernstoff investieren müssen.

Bei mir sah das, wie gesagt, anders aus. Ich kann am effektivsten für mich zu Hause lernen und mich in diverse Thematiken reinarbeiten. Dementsprechend blieb mir immer genug Zeit, um mich um den Hund zu kümmern. Es gibt natürlich Veranstaltungen wie Tutorien oder Übungen, die auch ich regelmäßig besucht habe.

Aber ab einem gewissen Alter kann man einen Hund auch mal über einen längeren Zeitraum alleine lassen und somit war das eigentlich kein Problem. Wenn es dann doch mal ein ganzer Tag an der Uni wurde, gab es eigentlich auch immer die Möglichkeit den Hund in die Obhut anderer zu geben (Familie, Freunde).

Man muss sich aber auch bewusst machen, dass es nicht einfach damit getan ist, einfach nur für den Hund "da zu sein". Ein Hund bedeutet auch Arbeit. Damit meine ich Erziehungsarbeit oder den Hund einfach nur angemessen auszulasten. Man muss diese Zeit auch aufbringen wollen, Hundeerziehung gestaltet sich, natürlich auch abhängig von der Rasse, nicht immer als ganz einfach und frustfrei.

Ist ein Hund für einen Studenten bezahlbar?

Die Anschaffungskosten für unseren Hund waren relativ gering. Es ist aber auch kein reinrassiger Hund. Die Tierarztkosten in den drei Jahren belaufen sich bis jetzt eigentlich nur auf Impfkosten, ansonsten hatten wir noch keinen großen Bedarf an Tierärzten.

Die Futterkosten, Spielzeug fürs Hundetraining und sonstiges belaufen sich im Durchschnitt auf 30 Euro im Monat, das ist eigentlich auch kein sonderlich großer Posten. Im Endeffekt sehe ich das so: Jeder Mensch hat gewisse Hobbys, denen er nachgeht. Die monatlichen Kosten für einen Hund sehe ich daher auch eher als Investitionen, die mir in der Freizeit Spaß bereiten. Dazu kommt dann noch der jährliche Beitrag für den Hundesportverein, der ist aber auch zu vernachlässigen.

Wie ist es Studium und Hund zeitlich unter einen Nenner zu bekommen?

Zwischen zwei Klausurphasen ist das eigentlich ganz entspannt. Da besuche ich dann die jeweiligen Übungen/Tutorien und damit hält sich mein Aufwand für die Uni auch eher in Grenzen. In den 8 – 6 Wochen vor den Klausuren werden die Tage dann zwar etwas straffer und durchgetakteter, aber für mich persönlich immer noch gut machbar.

Daneben bin ich mit Aiko auch noch im Hundesport aktiv, wir trainieren 2 – 3 Mal wöchentlich auf einem Hundeplatz und haben letztes Jahren zusammen zwei Prüfungen bestanden. Somit hat sich quasi noch ein weiteres Hobby für mich entwickelt.

Wir haben auch den Vorteil, dass wir zu zweit sind. Meine Frau arbeitet zwar ganztägig, aber wenn sie dann nach Hause kommt kümmert sie sich natürlich um essentielle Dinge wie den abendlichen Spaziergang. Auch morgens geht sie vor der Arbeit mit ihm spazieren.

Aber auch wenn man einen Hund alleine hält ist das kein unüberwindbares Hindernis. Hat man allerdings Anwesenheitspflicht an der Universität und das womöglich noch den ganzen Tag, dann stelle ich mir das sehr schwierig vor

Ist es viel Organisationsaufwand?

Anfangs, im Welpenalter, steht man erstmal schon vor einer Herausforderung. Der Hund muss in diesem Alter natürlich besonders oft raus um sein Geschäft zu erledigen, er ist unruhig, wild, macht Dinge in der Wohnung kaputt und natürlich noch nicht so wirklich erzogen.

Also diese Zeit war schon anstrengend, ging aber schneller vorbei, als ich mir das gedacht habe. Wenn der Hund dann mal einigermaßen erzogen ist und sich auch mal selbst beschäftigt, entwickelt man irgendwann seine Routine. Damit meine ich gewisse Uhrzeiten, zu denen man mit dem Hund spazieren geht, wann er gefüttert wird und wie man ihn am effektivsten auslasten kann.

Wenn man mal für ein paar Tage weg muss oder auch einen Termin hat, der länger dauert, dann muss man schon zusehen, wie man den Hund versorgt bekommt. Aber auch das spielt sich nach einer gewissen Zeit ein. Familie und Freunde sind was das betrifft eine enorme Hilfe, zur Not gibt es aber auch noch Hundepensionen, die Abhilfe schaffen können.

In den kühleren Monaten ist es aber auch kein Problem, Aiko im Auto mitzunehmen, wenn man mal einen länger dauernden Termin hat. Dann geht man davor und danach einfach ausgiebig mit ihm laufen und den Rest der Zeit schläft er im Auto in seiner Hundebox.

Wie reagiert die Universität auf Hunde? Im Hörsaal sind ja öfter Hunde zu sehen?

Ich persönlich hatte meinen Hund noch nie im Hörsaal dabei. Aber erlebt habe ich das auch schon. Wenn der Hund einigermaßen erzogen ist und nicht die ganze Zeit bellt oder Leute anknurrt/anbellt, hat das eigentlich noch nie jemanden gestört. An der Uni selber hatte ich ihn auch schon 1, 2-mal dabei, wenn ich kurz etwas erledigen musste oder eine kurze Besprechung hatte. Das hat auch niemanden gestört. Ob man offiziell Hunde dabei haben darf weiß ich allerdings ehrlich gesagt gar nicht.

Warum hast du dir einen Hund geholt?

Meine Frau und ich hatten schon immer in unserer Familie Hunde und deswegen war für uns auch schnell klar, dass wir einen gemeinsamen Hund wollen. Eines Tages haben wir eine Anzeige für Welpen nicht weit von uns entfernt entdeckt und uns spontan dazu entschieden, mit dem Verkäufer Kontakt aufzunehmen. Im Endeffekt war auf jeden Fall unsere Affinität für Hunde ausschlaggebend, dass wir uns Aiko geholt haben.

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