Studentische Theatergruppe spielt am Wochenende "An Inspector Calls" – 5 Fragen an die Regisseurin

Nora Ederer

Liebe, List und eine Leiche: Die studentische Theatergruppe Arts Liberated inszeniert dieses Wochenende "An Inspector Calls". Darin bringt eine Kommissarin die Intrigen einer Familie ans Licht, die zum Selbstmord eines Mädchens führten.

Laura, warum spielt ihr gerade das Stück "An Inspector Calls"?

Laura: Wir haben uns zuerst überlegt, welches Thema wir behandeln wollen – soziale Ungerechtigkeit – und haben dann nach einer passenden Vorlage gesucht. "An Inspector Calls" ("Ein Inspektor kommt") ist ein soziales Drama von John Boynton Priestley aus dem Jahre 1946. In England ist es mittlerweile ein Theaterklassiker.

Von was handelt das Stück?

Laura: In dem Stück geht es um eine Familie, die gerade Verlobung feiert, als plötzlich eine Kommissarin auftaucht und verkündet, dass ein Mädchen Suizid begangen hat. Sie behauptet, dass die Familie Schuld an ihrem Tod sei und versucht von da an aufzuklären, in wie weit die Leben der Familienmitglieder mit dem des Mädchens verstrickt sind.

Das Drama behandelt neben den klassischen Themen Liebe und Familie, auch Fragen zu sozialer Ungerechtigkeit und Eigenverantwortung. Am Ende wird hoffentlich klar, dass auch unsere unbewussten Handlungen das Leben anderer Menschen maßgeblich beeinflussen können.

Was habt ihr an der Originalversion des Stücks verändert?

Laura: Vor allem die Sprache, um das Stück zeitloser zu machen. Wir haben versucht die Handlung von Raum und Zeit loszulösen, weil die Themen auch heute, mehr als 70 Jahre nach der Uraufführung, noch aktuell sind. Außerdem gibt es bei unserer Version Live-Musik. Die schafft eine ganz besondere Atmosphäre.

Was war die größte Herausforderung?

Laura: Das Schwierigste war wahrscheinlich sich als neue Theatergruppe im FIST, dem Freiburger Interessenverband für studentisches Theater, zu etablieren. Also: Verbindungen schaffen und herausfinden: Wo kann ich proben? Wie kriegt man Räume? Wie funktioniert die Technik? Wie organisieren sich andere Theatergruppen an der Uni? Hinzu kommt, dass wir alle studieren und ohnehin schon einen vollen Stundenplan haben.

Da ist es nicht immer leicht, Zeit fürs Theater zu finden. Es hat ganze zwei Tage gedauert, einen Probenplan zu erstellen und er funktioniert immer noch nicht ganz ... Außerdem fand ich es schwer bei den Kussszenen Regie zu führen. Da kommt man sich schon ziemlich voyeuristisch vor.

Was hast du durch das Projekt gelernt?

Laura: Sehr viel! Aber wahrscheinlich am meisten mich selbst nicht so ernst zu nehmen. Zum Beispiel musste ich Gesangsübungen vormachen, obwohl ich eigentlich gar nicht singen kann, oder minutenlange Lachübungen. Auch mit Bühnen-Make-up und Technik kenne ich mich jetzt ein bisschen aus. Und vor allem habe ich nun endlich mal gelernt mit Excel umzugehen. Das Hin und Her beim Probenplanerstellen hat sich also gelohnt!
Hinter Arts Liberated stecken Studierende der Fachrichtung Liberal Arts & Sciences am University College Freiburg. Auch wenn das "Arts" im Namen steckt, der Studiengang hat nicht wirklich etwas mit Kunst zu tun. Das wollten die Initiatoren ändern und haben deshalb vergangenes Semester die Gruppe "Arts Liberated" gegründet, mit der ein Raum zur freien künstlerischen Entfaltung entstehen sollte. Das erstes großes Projekt, das englischsprachige Theaterstück "An Inspector Calls", feiert nächstes Wochenende Premiere.

Was: "An Inspector Calls" nach J. B. Priestley von der Theatergruppe "Arts Liberated"
Wann: Samstag und Sonntag, 20. und 21. Mai, 20:00
Wo: TheaterFISTung am Fahnenbergplatz, Friedrichstraße 39, Hörsaal unter dem Rektorat,
Eintritt: 4€, ermäßigt 3€
Kartenvorverkauf ab sofort in der Buchhandlung Ludwig (ehemals Schwanhäuser), Bertoldstraße 36

[Disclosure: Die Autorin Nora Ederer studiert selbst Liberal Arts & Sciences. Über das Theater hätten wir aber auch berichtet, wenn dem nicht so wäre, denn studentisches Theater ist super!]