Wohnungsmarkt

Studentenwohnungen: Teure Zimmer sind auch gefragt

Frank Zimmermann

Studierendenwerk und privater Investor bauen neue Wohnheime – für ein Wohnheim in der Nähe des Siegesdenkmals wurde am Freitag der Grundstein gelegt. Dort können 340 Bewohner unterkommen.

Vor fünf Jahren kostete ein WG-Zimmer im Schnitt 350 Euro, inzwischen liegt die Miete bei 407 Euro. Gegen diesen Trend wollen Studierendenwerk und private Investoren mit dem Bau weiterer Wohnheime angehen – gestern war nahe dem Siegesdenkmal Grundsteinlegung für ein privates Heim für 340 Bewohner.


Privates Studentenwohnheim im gehobenen Preissegment

Um private Studentenwohnheime im gehobenen Preissegment mit Rund-um-Service zu bauen, gründete der gebürtige Freiburger Horst Lieder in München 2011 das Unternehmen International Campus (IC). Mittlerweile stehen bundesweit sechs – zwei davon in Zähringen. Beide sind komplett belegt: Bei 33 000 Studierenden scheinen genügend bereit und in der Lage zu sein, teuren Wohnraum zu bezahlen. Ein drittes Wohnheim der Marke "The Fizz" wird nun äußerst zentrums- und uninah an der Ecke Habsburger-/Rheinstraße errichtet. Die Marktidee floriert: In den Niederlande gibt es mittlerweile vier "Fizz"-Wohnheime, weitere werden in Hamburg, München, Köln, Wien, Budapest, Prag und Krakau gebaut.

Die voll möblierten Apartments mit Bad und Küchenzeile im mehr als 50 Millionen-Euro-Wohnheimkomplex beim Siegesdenkmal werden je nach Größe und Lage innerhalb des Gebäudes inklusive aller Nebenkosten und Internet zwischen 465 und 800 Euro kosten. Das sind Mieten deutlich über dem vom Berliner Moses-Mendelssohn-Institut ermittelten Durchschnittswert von 407 Euro, wobei der Vergleich etwas hinkt, da es sich nicht um Einzelzimmer, sondern um noble kleine Wohnungen handelt. Zum Vergleich: Ein WG-Zimmer in einem Wohnheim des mit öffentlichem Geld geförderten Studierendenwerks kostet zwischen 219 und 365 Euro warm, im Schnitt 260 Euro, und ein Einzelapartment 237 bis 412 Euro warm (im Schnitt 354 Euro).

Zahlreiche weitere Wohnheimträger bieten Wohnungen an

Außerdem gibt es in Freiburg zahlreiche weitere Wohnheimträger – von den Kirchen bis hin zur Arbeiterwohlfahrt. Alle Träger investieren immer wieder in ihre Wohnheime, auch in den Ausbau; unlängst wurde beispielsweise die Albertusburse im Stühlinger mit 32 Plätzen für Studierende, die Nonnen des Franziskanerordens betreiben, umfassend saniert. Das neue "Fizz"-Wohnheim mit seinen 340 Apartments soll zum Wintersemester 2020/21 bezogen werden können. "Bei der Situation, die auf dem Wohnungsmarkt herrscht, sind wir natürlich froh um jedes Zimmer, das neu entsteht", sagt Renate Heyberger, stellvertretende Geschäftsführerin des Studierendenwerks Freiburg (SWFR). Sie weist darauf hin, dass die privaten Träger profitorientiert arbeiteten und deshalb mit höheren Mieten am Markt seien. "Unser Auftrag ist ein sozialer, entsprechend moderat gestalten wir die Mieten."

Das Studierendenwerk Freiburg (SWFR) ist seit Jahren kontinuierlich am Ausbau seines Wohnheimangebots. Zurzeit hat es 4267 Wohnheimplätze im Angebot. Derzeit werden neue Wohnheime in der in den 1960er Jahren errichten Studentensiedlung ("Stusie") geplant und gebaut: Ein achtgeschossiges mit 91 Plätzen wird Ende des Jahres bezugsfertig sein, ein weiteres, fünfgeschossiges mit 80 Zimmern in einem Jahr, und für ein drittes, elfgeschossiges mit 130 Pätzen wird laut Heyberger wohl Ende 2019 fertig.

Bis 2023 insgesamt 850 neue Zimmer

Bis 2023 schafft das SWFR in der Stusie durch Nachverdichtung insgesamt 850 neue Zimmer und Einzelapartments. Was die Städte mit dem angespanntesten studentischen Wohnungsmarkt betrifft, ist Freiburg laut Analyse des Mendelssohn-Instituts im bundesweiten Ranking im Vergleich zu 2017 von Platz sechs auf neun gerutscht. Was wie eine Verbesserung der Lage klingt, scheint aber de facto nicht so zu sein. Heyberger Einschätzung: Die Nachfrage nach Zimmern ist "ähnlich lebhaft" wie im vergangenen Jahr. In der Zimmervermittlung des SWFR gebe es momentan noch Angebote, aber ihre Zahl schrumpfe. Deshalb werde am Montag wieder eine Notunterkunft eröffnen.

Bundesweit leben im Schnitt 9,62 Prozent der Studierenden in Wohnheimen, in Baden-Württemberg 12,68 Prozent. Legt man das Wohnheimangebot von SWFR und kirchlichen Trägern zugrunde, sind es in Freiburg 14,53 Prozent.

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