Studenten als Gründer: Wie Freiburger Studenten es schaffen, sich selbständig zu machen

Friederike Grasshoff

Eine Firma gründen, sich nicht vom Chef rumkommandieren lassen, aber dafür eigene Ideen in die Tat umsetzen: Der Traum vom eigenen Unternehmen klingt verheißungsvoll. Und bleibt trotzdem für viele nur ein Traum. Studierende und junge Hochschulabsolventen haben mit dem Gründerverbund CTO der Universität Freiburg und anderen Hochschulen aber eine Anlaufstelle, die mit Rat und Tat zur Seite steht.



Mit gut zwanzig Zentimetern Abstand bewegt Dominic Blasius (Bild oben) seine rechte Hand vor der Leinwand hin und her, auf der die  Fußbälle simultan zu seinen Bewegungen von oben nach unten springen, von links nach rechts rollen. Eine Kamera nimmt die Bewegungssignale auf und erzeugt einen Touchscreen-Effekt, der an der Decke befestigte Beamer projiziert das Bild auf die Leinwand. Der Mitgründer der Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) namens „craut interactive“ beschäftigt sich tagtäglich mit solchen technischen Spielereien. craut interactive hat  sich auf interaktive Werbung spezialisiert. Dennoch steht Dominic die Faszination, die das Zusammenspiel von menschlicher Hand und digitalen Fußbällen wachruft, ins Gesicht geschrieben. Dominic Blasius ist 30 Jahre alt, hat in Freiburg Informatik und Psychologie studiert und beschloss mit seinem Studienfreund Jona Boeddinghaus Ende 2008, eine Firma zu gründen und somit jenseits des Angestelltentums sein eigener Herr zu sein.


Doch wie geht man vor, wenn man zwar eine innovative Firmenidee hat, aber nicht in ein reiches Elternhaus hineingeboren wurde und sich auch nicht von einem Bankkredit abhängig machen möchte? Dominic Blasius und sein Partner träumten bereits während ihres Studiums von einer eigenen Firma und ein paar Jahre später stand auch die Geschäftsidee fest: Interaktive Werbung sollte es sein, ein Spiel zwischen Mensch und Technik. So durchforsteten die beiden das Internet nach Förderprogrammen – und wurden beim Gründerverbund Campus Technologies Oberrhein (CTO) fündig.



Die Geschäftsstelle des Gründerverbundes CTO ist das Gründerbüro der Universität Freiburg, eine Abteilung der Zentralstelle für Technologietransfer. Thomas Maier ist Projektmanager bei der CTO und damit auch für die Gründer von „craut interactive“ ein wichtiger Ansprechpartner. „Wir bieten einen Blumenstrauß von Fördermöglichkeiten an“ erklärt Maier.  Hauptzielgruppe sind Studierende, Hochschulabsolventen bis fünf Jahre nach Abschluss des Studiums und Mitarbeiter von  Hochschulen. „Unsere Unterstützung reicht von Beratung und Workshops bis hin zur Vermittlung von Stipendien. Innovative Gründungsideen, die entweder technologieorientiert oder wissensbasiert sind, dürfen auch gerne von außen kommen“, sagt der promovierte Diplomforstwirt. Mit seinem seit 1999 bestehenden Einzelunternehmen „Wood-Packer“, das ein patentrechtlich geschütztes Verfahren zur konservierenden Lagerung von Rundholz vertreibt, bringt Thomas Maier im Bereich der Unternehmensgründung auch praktische Erfahrung mit.

Im Beratungsgespräch mit den beiden Gründern von „craut interactive“ stellte sich heraus, dass das Projekt aufgrund seiner Technologieorientierung für das sogenannte EXIST-Gründerstipendium in Frage kam. Das  ist ein bundesweites Förderprogramm, das innovative Unternehmensgründungen aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen in der Frühphase unterstützt. Da die Fachjury das Konzept von „craut interactive“ als förderungswürdig einstufte, erhalten die Informatiker nun seit August 2009 ein Jahr lang monatlich  2000 Euro brutto und darüber hinaus 17000 Euro Sachgelder vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie. Weitere 5000 Euro sind für Fortbildungen und Workshops reserviert.

Die Auftragslage bei „craut interactive“ ist zwar noch etwas mau, die Gründer sind aber optimistisch und werben eifrig um Kunden, um ihre interaktive Werbung in Kinos oder Kaufhäusern an den Mann zu bringen.

Philipp Oser, der in Freiburg Politikwissenschaft und Sinologie studiert, dürfte mit seinen 23 Jahren zu den Jüngsten unter den Unternehmern zählen. Im September 2009 gründete er gemeinsam mit anderen Studenten den Verein „Tri Rhena Consulting“, eine studentische Unternehmensberatung, die derzeit 31 Mitglieder aus verschiedenen Fachrichtungen zählt. „Die Grundidee entwickelte ich aus der Gewissheit heraus, dass die Freiburger Studierenden großes Potenzial haben und viel bewegen können, aber oft nicht die Möglichkeit dazu bekommen“, sagt Philipp Oser (Bild unten), der gleichzeitig Vorsitzender von „Tri Rhena“ ist.



Als dann in Baden-Württemberg die Studiengebühren eingeführt wurden, verfestigte sich die Idee von einer studentischen Unternehmensberatung, in der Studenten für anspruchsvolle Arbeit faire Löhne erhalten. Einerseits ist „Tri Rhena“ ein gemeinnütziger Verein, in dem die Studenten in die Ressorts Qualitätsmanagement, Wissensmanagement, Human Ressources, Personalbetreuung und PR eingeteilt sind und sich im Rahmen der Vereinsarbeit gegenseitig bereichern. Andererseits versucht der Verein Projekte an Land zu ziehen, um wie die großen und etablierten Unternehmensberatungen Projektteams in Firmen zu schicken. Dabei gehen 15 Prozent  der Einnahmen an den Verein.

Fast ein Jahr nach Vereinsgründung hat „Tri Rhena“ (Bild unten) schon einige Projekte durchgeführt, unter anderem in den Bereichen Gastronomie und Gesundheit. Auch der Tri-Rhena-Verein wird vom Gründerverbund CTO gefördert und beraten. Da der Verein sich über Spenden finanziert und keine klassische Gründungs-GmbH ist, wird er aber nicht finanziell unterstützt. Neben der Teilnahme an Schulungen, die das Gründerbüro CTO anbietet, finden die Vorstandssitzungen von „Tri Rhena“ in den Räumlichkeiten der CTO statt und ab September wird der Verein voraussichtlich auch sein eigenes Büro erhalten. Der Traum ist aber noch nicht zu Ende geträumt: Mittelfristig ist die Gründung einer GmbH ein Ziel.