Stinken, Fremdgehen, zu viel Trinken: Wie ehrlich darf ich mit meinen Freunden sein?

Fabienne Hurst

Selbst die besten Freunde haben und machen Fehler. Über die meisten schauen wir hinweg, manches stößt uns immer wieder übel auf – oder wir wollen unsere Freunde schützen. Welche Sätze darf ich aussprechen? Wann halte ich lieber die Klappe? Tipps vom Psychologen und Freunschaftsexperten Wolfgang Krüger.



„Du riechst streng“

Thomas ist witzig, sportlich, gutaussehend. Alle mögen ihn. Leider riecht er  oft nach Schweiß. Es ist kein frischer Sportschweiß, er wechselt das Hemd nicht oft genug. Keiner traut sich, etwas zu sagen.
Krüger: Es gibt Menschen, die eben keine „Nasentypen“ sind. Stellen Sie sich vor, Thomas bekommt gar nicht mit, dass er streng riecht. Dann ist es doch ein Freundschaftsdienst, ihn darauf hinzuweisen. Zum Beispiel so: Pass mal auf, du bist ein toller Typ, kommst super bei Frauen an, aber deine Chancen wären noch besser, wenn du mehr auf deinen Geruch achten würdest. Es ist auch einfacher, wenn eine Freundin ihn darauf hinweist: Frauen sind oft vorsichtiger, und Männer reagieren weniger gekränkt.

„Dein Freund betrügt Dich“

Ich habe den Freund meiner Freundin mit einer anderen gesehen.
Krüger: Das ist heikel. Viele denken, man ist als Freund oder Freundin dazu verpflichtet, sie darauf hinzuweisen. Ich würde darauf zunächst verzichten und erstmal nachfragen: Bist du glücklich? Wie geht es dir mit deinem Freund? Fragen haben etwas Höfliches, denn wenn der Betroffene einfach nicht antwortet, ist die Einmischung damit zu Ende. Manchmal muss man sich einfach raushalten. Nichts ist schlimmer als eine Freundin, die immer besser weiß, was für einen gut ist.

„Bei euch ist es dreckig“

In der WG meiner Freunde ist es schmutzig. Das ist kein Räumichgleichweg-Trödel, das ist Messie-Niveau. Jedes Mal wenn ich dort bin, ekle ich mich vor dieser Wohnung, versuche, immer nur kurz zu bleiben, sage Essenseinladungen ab. Sie wundern sich langsam. Soll ich ehrlich sein?
Krüger: Unbedingt. Das kann man ganz unbefangen ansprechen. Ich rate zu einer diplomatischen Konfliktstrategie: Ich sage zuerst, wie wichtig mir die beiden sind, und erwähne dann, dass ich die WG nicht mehr gerne betrete. Mann kann auch Hilfe anbieten. Auf jeden Fall müssen sie sich bei aller Kritik wertgeschätzt fühlen.

„Dein Freund ist nichts für dich“

Meine beste Freundin hat einen neuen Freund, der nicht zu ihr passt. Darf ich mich in die Beziehung einmischen?
Krüger: In den meisten Fällen sollte man nichts sagen und einfach abwarten. Aber wenn man verliebt ist, schaltet man den Verstand häufig aus, weil die Gefühle dann intensiver sind. Die beste Freundin hat dann die Aufgabe, das gute kritische Gedächtnis zu sein. Ich rate zur eleganten Methode des Fragenstellens. Etwa so: Sag mal, was liebst du eigentlich so an ihm?

„Du trinkst zu viel“

Mein Kumpel ist immer der erste an der Bar und der letzte, der nach Hause geht. Jedes Wochenende ist er sturzbetrunken. Ich finde: Er hat ein Alkoholproblem.
Krüger: Man muss sich als Freund wirklich interessieren und sich fragen: Was läuft da so grundsätzlich schief, dass der Alkohol plötzlich so eine große Rolle spielt? Wenn es um solche wichtigen Dinge geht, muss man sich einmischen. Ein gut formulierter, ehrlicher Brief vermittelt Ernsthaftigkeit. In engen Beziehungen hat man eine Verantwortung füreinander.

Mehr dazu: