Stickk.com: Ziele erreichen durch negative Motivation

Philip Hehn

Mehr Sport machen, abnehmen, mit dem Rauchen aufhören oder eine Sprache lernen – jeder hat Ziele, die er erreichen möchte. Diese Ziele zu erreichen ist doch eigentlich toll, warum kann man sich also nicht dazu motivieren, darauf hinzuarbeiten? StickK.com will Usern beim Erreichen ihrer Ziele helfen. Und zwar mit dem Abschließen eines Vertrags mit sich selbst. Die Motivation? Soziale Kontrolle - und Geldstrafen!

Vergesslichkeit, Faulheit, Aufschieberitis, Selbstbetrug - die Stolpersteine sind zahlreich und erwischen einen immer wieder.


Wissenschaftler – allen voran Ökonomen und Psychologen – haben eine Menge Mechanismen identifiziert, mit denen wir unsere selbstgesetzten Ziele sabotieren. Diese wissenschaftlichen Erkenntnisse werden auch in Selbsthilfebüchern veröffentlicht, die man sich kauft und dann meist nicht liest.

Zwei Dozenten der Universität Yale, Dean Karlan, ein Ökonom, und Ian Ayres, ein Jurist, sowie Jordan Goldberg von der Yale School of Management haben jetzt zusammen die ultimative Motivationshilfe entwickelt. Auf ihrer InternetseiteStickK.com kann man beliebige Verträge mit sich selbst abschließen.

Die Ziele, die sich die Nutzer auf der Seite setzen, sind vielfältig: Von „Geld sparen“ über „zweimal in der Woche vegetarisch essen“ bis „meine E-Mails checken“ oder „Situps machen“. Wer zum Mogeln neigt, kann einen Schiedsrichter angeben, der die Fortschritte überwacht, und wer sozialen Druck braucht, nennt „Unterstützer“, die über die Fortschritte informiert werden. Wem das Wissen, dass seine Freunde, Kollegen oder Eltern per Rundmail über sein Versagen informiert werden, nicht als Motivation ausreicht, der kann sich sogar mit Geldstrafen motivieren lassen.



Man hinterlegt seine Kreditkartendaten bei StickK, damit man sich nicht nachträglich aus der Sache rauswinden kann, und legt eine Strafe fest – 10 Dollar für jeden Tag, den man nicht Französisch büffelt, 100 Dollar für jede gerauchte Kippe und so weiter. Als Empfänger des Geldes kann man einen Freund festlegen, eine wohltätige Einrichtung – UNICEF, das Rote Kreuz, Ärzte ohne Grenzen – oder, für harte Fälle, eine Einrichtung, die man überhaupt nicht leiden kann.

Für jede politische Richtung ist etwas dabei. Eher links eingestellte Menschen dürfte die Aussicht, ihre hart verdiente Kohle an die National Rifle Association oder die George W. Bush Presidential Library entfleuchen zu sehen sehr motivieren, und für Konservative stehen unter anderem eine Lobbygruppe für Schwulenehe oder die William Jefferson Clinton Presidential Library zur Auswahl. Die Empfänger sind alle in Amerika angesiedelt, aber auch als Deutscher findet man in der Liste der Empfänger eine Einrichtung, der man sein Geld auf keinen Fall zukommen sehen möchte.

Laut den Betreibern der Seite sind diese sogenannten „Anti-Charities“ die wirkungsvollsten Motivationshilfen: 85% der Nutzer, die diese Option wählen, erreichen ihre Ziele.

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[Fotos: Caro, Bene]