Stichprobe auf der Wiwili-Brücke: Von 100 Fahrradfahrern sind 33 ohne Licht unterwegs

Eyüp Ertan

Besonders in der dunklen Jahreszeit gefährden sie sich und andere: Fahrradfahrer ohne Licht. Wie viele von ihnen sind im Freiburger Straßenverkehr unterwegs? fudder hat den Test gemacht und den Fahrradverkehr auf der Wiwili-Brücke beobachtet.

Freitagnachmittag, 17.30 Uhr, Feierabendverkehr auf der Wiwili-Brücke: Trotz des Nieselregens sind um diese Uhrzeit viele Menschen mit dem Rad von der Arbeit oder Uni nach Hause unterwegs. Nach etwa 15 Minuten haben 100 Radlerinnen und Radler die Brücke überquert. Wie viele von ihnen fahren ohne Licht?


Das Ergebnis der Stichprobe: 67 Fahrräder sind mit einer richtigen Beleuchtung ausgestattet, 33 nicht. Für die Polizei ist die Unterscheidung bei einer Kontrolle klar geregelt: "Ein Licht wird geahndet wie kein Licht", sagt Hauptkommissar Bernhard Müller, Koordinator für Verkehrserziehung am Polizeipräsidium Freiburg. Wer vorschriftsgemäß unterwegs sein will, braucht vorne und hinten Licht. "Wichtig sind bei Dunkelheit außerdem die Reflektoren", sagt Müller. Vorne ist ein weißer und hinten ein roter nötig. Außerdem müssen Pedalreflektoren und seitliche Reflektoren an beiden Rädern angebracht sein.

Ein Licht ist kein Licht

Von 33 Fahrradfahrern ohne korrekter Beleuchtung ist gut die Hälfte mit wenigstens einem Licht ausgestattet. So auch Simon, 23 Jahre. "Bei Regen funktioniert mein Dynamo nicht richtig", begründet er sein fehlendes Rücklicht. Lina, 24, fährt ganz ohne Beleuchtung. "Ich habe das Fahrrad spontan ausgeliehen und die Stecklichter einfach vergessen", sagt sie. Auch Thomas fährt ohne Licht. "Mein Licht ist vor zwei Tagen kaputtgegangen, ich bin noch nicht dazu gekommen, es zu reparieren", sagt der 39-Jährige.

Ein Mountainbike-Fahrer ohne Licht, der namentlich nicht genannt werden möchte: "Ich finde das selber scheiße. Aber ich habe nicht damit gerechnet, so spät nach Hause zu fahren", sagt er. Jana, 19, zeigt sich schuldbewusst: "Ich weiß ja selber, dass das einfach dumm ist. Aber ich schiebe es immer vor mir her, das Licht zu reparieren."

Fahhradpendler sind oft vorbildlich ausgestattet

Vorbildlich verhalten sich laut Bernhard Müller Fahrradpendler: "Man merkt einen deutlichen Unterschied zwischen Berufspendlern und solchen, die es nicht sind." Neben den richtigen Beleuchtungen würden Pendler oft Helm und auch reflektierende Kleidung tragen, um in der Dunkelheit gesehen zu werden. Das kann auch Johannes Bruns, ADFC-Vorstandsvorsitzender in Freiburg, bestätigen. "Pendler, die eine sichere Abstell- und Schutzmöglichkeit vor Vandalismus und Diebstahl haben, rüsten ihr Fahrrad auch besser aus", sagt er.

Er sieht eine Ursachen-Wirkungs-Kette zwischen Fahrraddiebstählen und der Ausrüstung. "Viele Leute fahren mit Schrotträdern, aus Angst, dass ihr Rad sowieso geklaut wird." Doch auch, wer einen altes Rad fährt, muss mit intakter Beleuchtung unterwegs sein. "Jeder trägt nichtsdestotrotz die Verantwortung, korrekt ausgestattet zu sein. Fahrradfahrer ohne Licht sind nicht nur für Autofahrer ein Ärgernis, sondern gefährden oftmals andere Radfahrer, die ihnen ausweichen müssen, weil sie übersehen werden."

Dunkelziffer bei Radunfällen ist hoch

In den vergangenen drei Jahren verzeichnete die Polizei in Freiburg 15 schwere Unfälle, die auf das Fahren ohne Licht zurückzuführen waren. "Die Dunkelziffer ist bei Radunfällen höher", sagt Bernhard Müller. Das liegt vor allem daran, dass sich die Beteiligten bei Unfällen mit zwei Radfahrern oft ohne Polizei einigen. Die Bußgelder bei Vergehen sind gestaffelt: 20 Euro kostet das Fahren ohne Licht. Kommt eine Gefährdung im Straßenverkehr hinzu, sind es 25 Euro, bei einer Sachschädigung 35 Euro. Bei einem Personenschaden folgt zudem eine Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung.

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