SC Freiburg

Stadtverwaltung sucht nach einem neuen Träger für das Fanprojekt

Joshua Kocher

Das Jugendhilfswerk bleibt bei seiner Entscheidung, die Trägerschaft für das Fanprojekt abzugeben. Dafür sucht die Stadt nun nach einem neuen Träger. Bis Saisonbeginn soll es eine Lösung geben.

Das Jugendhilfswerk (JHW) will die Trägerschaft für das Fanprojekt wie angekündigt zum 31. Juli beenden. In einem Gespräch mit der Stadtverwaltung sicherte JHW-Geschäftsführer Carlos Marí jedoch zu, den Übergang zu unterstützen, bis ein neuer Träger gefunden ist. Die Stadt möchte einen solchen suchen – vor Saisonbeginn soll es eine Lösung geben.


Der Raum an der Schwarzwaldstraße soll für die Fans offen bleiben

Am Mittwochmittag trafen sich die Vertreter des Amts für Kinder, Jugend und Familie mit Marí, um über die Zukunft des Fanprojekts zu sprechen. Am Donnerstag wurde dann eine Lösung präsentiert: Die Stadt sucht nach einem neuen Träger der freien Jugendhilfe. Sie nimmt außerdem Kontakt mit der Deutschen Fußball-Liga, der Koordinationsstelle Fanprojekte und dem Kultusministerium auf, um die bestehende Förderung zu sichern.

Anfang dieser Woche hatten die Fraktionen des Gemeinderats ein Schreiben an Oberbürgermeister Martin Horn verfasst, indem sie diesen baten, die Trägersuche zu übernehmen. Sie hofften auf eine räumliche und personelle Kontinuität. Zumindest in einem dieser Punkte garantiert Marí nun die Unterstützung: Die Fans sollen den vom JHW gemieteten Raum an der Schwarzwaldstraße übergangsweise weiter nutzen dürfen – auch selbstständig. Ob die Übergangszeit auch personell unterstützt wird, werde derzeit geprüft, so Marí.

"Eine dauerhafte Interimslösung ist nicht in unserem Interesse"Rathaussprecherin Edith Lamersdorf
In einem Brief an die Gemeinderäte legte Marí nochmal die Beweggründe für die Entscheidung des JHW dar. Es habe erhebliche Personalengpässe gegeben. Deshalb bleibe das JHW bei seiner Entscheidung, nicht mehr als Träger für das Fanprojekt agieren zu wollen.

Seit der Ankündigung der Schließung in der vergangenen Woche herrscht im Umfeld des Fanprojekts großer Unmut. Für Irritationen sorgte vor allem, dass das JHW den Schritt vorher nicht kommunizierte und die Schließung binnen zwei Wochen durchsetzte. Hierzu sagt Marí: "Wir haben uns deshalb jetzt entschieden, weil die Entscheidung vor Saisonstart fallen musste." Es hätte mindestens doppelt so viele Stellen für die Fortführung gebraucht – das sei seit mehr als einem Jahr nicht mehr gewährleistet gewesen. "Ich habe hier auch eine Fürsorgepflicht gegenüber meinen Mitarbeitern."

Rathaussprecherin Edith Lamersdorf sagte gegenüber der BZ: "Auch der Stadtverwaltung liegt sehr viel daran, die räumliche Infrastruktur zu erhalten." Die Stadt sei ebenso wenig über die Schließung informiert gewesen, wie alle übrigen Beteiligten. "Wir bedauern, dass nicht – wie in einer guten Zusammenarbeit üblich – vor einem solchen Schritt das Gespräch gesucht wurde." Bis die Bundesligasaison 2018/19 am 26. August im Schwarzwaldstadion eröffnet wird, soll eine Lösung gefunden sein. "Eine dauerhafte Interimslösung ist nicht in unserem Interesse", so Lamersdorf.

Stimmen

  • Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte in einer Pressemitteilung: "Auch wenn die aktuelle Personalsituation für alle Beteiligten, allen voran das Team des Fanprojekts, auf Dauer nicht haltbar ist, muss damit nicht automatisch eine Schließung der Einrichtung einhergehen"
  • Oliver Leki, Vorstand des SC Freiburg: "Wir waren auch überrascht von der Kurzfristigkeit der Entscheidung. Es geht jetzt erst einmal darum, eine gute Übergangslösung zu finden"
  • Uwe Stasch, SC-Fangemeinschaft: "Das Fanprojekt muss auf neue Füße gestellt werden"
  • Florian Geibs, Pressesprecher des Kultusministeriums: "Das Ministerium hat dabei angeboten, sich an den notwendigen Gesprächen mit dem bisherigen Träger und mit der für die Jugendsozialarbeit zuständigen Stadt Freiburg zu beteiligen. Das Sportministerium steht weiterhin zu seiner Zusage, das Fanprojekt zu unterstützen."
  • Volker Goll, stellvertretender Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte: "Dass weder die Fachgruppe, noch der Beirat des Fanprojektes oder die Geldgeber seitens des Jugendhilfswerkes bei so einer schwerwiegenden Entscheidung, das Fanprojekt zu schließen, zur Rate gezogen wurden, hat uns sehr irritiert und ist bundesweit ein einmalig."
  • Alber Scherr, Beirat des Fanprojekts: "Um eine dauerhafte Perspektive für das Fanprojekt zu entwickeln, ist die Gründung eines eigenständigen Trägervereins anzustreben, der in der Lage ist, eigenständig im dem Konfliktfeld zu agieren, in dem sich ein Fanprojekt bewegt."
  • Helen Breit, Supportescrew Freiburg: "Wir wünschen uns einbezogen zu werden, wir wünschen uns Informationen. Wir wünschen uns, dass eine Übergangslösung erarbeitet wird, aber gleichzeitig wollen wir nicht wieder vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Wir fragen uns, warum die Prozesse nicht partizipativ gestaltet werden."