Sechster Verhandlungstag

Staatsanwaltschaft fordert Höchststrafe für Catalin C.

Carolin Buchheim

Im Mordfall Carolin G. sind am Landgericht Freiburg die Plädoyers gehalten worden. Staatsanwaltschaft und Nebenkläger sind von Mord und der besonderen Schwere der Schuld des Angeklagten überzeugt. Sie fordern neben einer lebenslangen Haft auch die Sicherungsverwahrung für Catalin C. Sein Verteidiger sieht keine Mordmerkmale verwirklicht und hält eine Verurteilung wegen Totschlags für angemessen.

Die Verhandlung ist für heute beendet. Sie wird am Freitag, 22. Dezember 2017 um 11 Uhr fortgesetzt. Dann wird voraussichtlich das Urteil verkündet.

So begann der Verhandlungstag

Der sechste Verhandlungstag im Mordprozess gegen Catalin C. beginnt mit einer Ankündigung von Richterin Kleine-Cosack mit einem sogenannten rechtlichen Hinweis: Nach Ansicht des Gerichts wäre eine Verurteilung wegen Mordes auch dann möglich, wenn man davon ausgeht, dass alle Schläge gegen den Kopf von Carolin G. und das Würgen vor der schweren Sexualstraftat stattfanden, gegebenenfalls in Tateinheit mit Störung der Totenruhe.

Sie trägt vor, dass es bisher keine Einträge ins Strafregister gibt, auch nicht in Rumänien. C. ist seit dem 3. Juni 2017 in Haft. Damit endet die Beweisaufnahme.

Plädoyer der Staatsanwaltschaft

Dann beginnt Staatsanwalt Tomas Orschitt mit seinem Plädoyer. Er kündigt an, ausführlich und langsam zu sprechen, auch damit Catalin C. alles gut übersetzt bekommen kann. "Vielleicht will er sich dann im letzten Wort noch einmal anders äußern, als bisher", sagt Orschitt.

Er trägt noch einmal die Lebensgeschichte des Angeklagten vor, beschreibt mit wenigen Worten seine Kindheit, Jugend, Schulzeit und Ausbildung. Dann berichtet er knapp von dem Messerangriff auf die Prostituierte in Rumänien im April 2005, bei dem die zuständigen Behörden von einer Notwehrsituation ausgingen. Tomas Orschitt kommt dann auf das Delikt in Kufstein im Januar 2014 zu sprechen, beschreibt den Tatabend, C.s Aufbruch von seinem Lastwagen mit der Hubstange: "Fest entschlossen, ein sexuell motiviertes Tötungsdelikt zu begehen".

"Ihm war bewusst, dass Carolin G. diese Attacke nicht wird überleben können" Tomas Orschitt
An der Innpromenande traf er auf die französische Austauschstudentin Lucile K. Mit dem ersten, möglicherweise schon allein tödlichen schweren Schlag ins Gesicht ging die junge Frau zu Boden, C. schlug noch ein zweites Mal zu. "Er zog seine Beute eine Böschung herab", sagt der Ankläger, und beschreibt das Sexualdelikt und K.s Tod, wenige Minuten später.

Im Anschluss beschreibt Orschitt, wie C. an den Kaiserstuhl zog, gibt den Inhalt der Aussage seiner "Stiefschwester" Elisabeta N. wieder. Ab Oktober 2015 war C. bei der Firma Döpke in Endingen beschäftigt, im Dezember zog seine Familie nach, allerdings nur für wenige Monate. "Seinem Arbeitgeber war er ein angenehmer und zuverlässiger Mitarbeiter", sagt Orschitt, bezugnehmend auf die Aussage von Holger Döpke.

Dann kommt Orschitt auf den 6. November 2016 zu sprechen, rekonstruiert den Tatablauf. Er beschreibt, wie Carolin G. den Vormittag verbrachte und kommt dann auf den Angeklagten zu sprechen. "Im Bewusstsein und mit dem Ziel, wie schon 2014 eine gleichgelagerte Tat zu begehen", habe C. sich von der Spedition Döpke auf den Weg in den Wald gemacht. Carolin G. sei ein Zufallsopfer gewesen. War er betrunken? Das ist laut des Staatsanwalts egal. "Eine etwaige Alkoholisierung des Angeklagten hätte keinen Einfluss auf die rechtliche Bewertung."

"Ziel war es, sexuelle Handlungen an ihr durchzuführen und das Leben der Carolin G. zu beenden." Tomas Orschitt
Gegen 15.25 Uhr sei der Angeklagte auf Carolin G. getroffen, habe sie direkt niedergeschlagen, "vielleicht mit einer Schnapsflasche, vielleicht mit einem anderen Schlagwerkzeug." Er habe sie gewürgt, ihr den Mund zugehalten. "Ihm war bewusst, dass Carolin G. diese Attacke nicht wird überleben können", sagt Orschitt. "Ziel war es, sexuelle Handlungen an ihr durchzuführen und das Leben der Carolin G. zu beenden." Orschitt beschreibt die Sexualstraftat, der nach Ansicht der Staatsanwaltschaft an der zu diesem Zeitpunkt noch lebenden Carolin G. Der Angeklagte habe gemerkt, dass sein Opfer noch lebte, dann die finalen Schläge auf den Kopf durchgeführt. "Er wollte keine lebende Zeugin hinterlassen."

Danach habe C. den Schuh von Carolin G. und ihr Handy an anderen Stelle deponiert, das iPhone zerstört. Im Anschluss habe C. seinen Tag normal verbracht, am nächsten Morgen in der Tankstelle gar Kuscheltiere angeschaut. "Die Einsichts- und Steuerungsfähigkeit des Angeklagten war in keiner Weise beeinträchtigt", sagt Orschitt.

Lobende Worte hat er für die Polizei. "In der Beweisaufnahme, die wir hier in den vergangenen Woche geführt haben, sind die aufwendigen Ermittlungen kaum zur Sprache gekommen", sagt Orschitt. "Weil die Beweislage letztendlich erdrückend war." Ohne die höchst engagierte Ermittlungstätigkeit der Polizei hätte der Fall möglicherweise nicht aufgeklärt werden können. "Mit der Folge, dass ein höchst gefährlicher Sexualstraftäter weiter auf freiem Fuß wäre. Dienst nach Vorschrift hätte diesen Fall nicht gelöst", sagt Orschitt.

"Seine Aussage wurde durch die Beweisaufnahme in vielen Punkten widerlegt" Staatsanwalt Tomas Orschitt
Dann geht der Ankläger auf die Einlassung von Catalin C. zu Beginn des Prozesses ein. "Seine Aussage wurde durch die Beweisaufnahme in vielen Punkten widerlegt", sagt Orschitt. C. sei nicht ziellos durch den Wald gezogen, nicht zu Fuß unterwegs gewesen, sondern mit seinem Auto, die Zeitberechnungen würden seine Aussage nicht stützen.

Dann geht Ortschitt noch einmal auf den genauen Tatablauf ein: den Angriff auf dem Waldweg, das Herabschleifen an den Ort des schweren sexuellen Übergriffs, an dem Beweismittel gefunden wurden, und ein Verbringen ihres leblosen Körpers noch tiefer den Abhang herab. "Das einzige, was wir wissen ist, dass die Verletzungen ihr zugefügt wurden, als sie noch lebte", sagt Staatsanwalt Orschitt, auch wenn die Gerichtsmedizin die Reihenfolge der Verletzung nicht mit absoluter Sicherheit ermitteln konnte. "Dieser Tatablauf bringt die Beweise in den einzigen sinnvollen Zusammenhang", sagt Staatsanwalt Orschitt.

C. habe Carolin G. getötet "zur Befriedigung des Sexualtriebs, heimtückisch und zumindest zur Ermöglichung einer Straftat", so der Ankläger. Er führt im Anschluss die Mordmerkmale aus. Auch den Straftatbestand der Vergewaltigung mit Todesfolge habe C. erfüllt. Orschitt kommt auf eine mögliche Strafe zu sprechen. Die Verurteilung wegen Mordes nach §211 StGB kenne nur eine Strafe, sagt Orschitt, "die lebenslange Freiheitsstrafe."

"Wir haben hier eine geplante Straftat, berechnend, keine Spontanität." Tomas Orschitt
Dann spricht der Staatsanwalt über die besondere Schwere der Schuld, führt kurz aus, wie diese zu bewerten ist. "Wir haben hier eine geplante Straftat, berechnend, keine Spontanität." C. habe sein sexuelles Verlangen über die Leben seiner beiden Opfer Lucile K. und Caroling G. gestellt. "Sie wurden zufällig ausgewählt und vernichtet", sagt Orschitt. Er habe bei beiden Fällen unmittelbar nach den Taten keinen inneren Konflikt gezeigt. "Er ging wieder zur Tagesordnung über." Den Familien der Opfer sei dies nicht möglich – selbst der Gesellschaft nicht. "Diese Tat hat das Sicherheitsverhältnis der Bevölkerung nachhaltig beeinträchtigt", sagt der Ankläger.

"Der Ausspruch des Vorbehalts der Sicherungsverwahrung hat zweifelsfrei zu erfolgen", sagt der Staatsanwalt. "Der Sachverständige hat fast keine Steigerungsformen für die bestehende ungünstige Prognose gefunden. Viel mehr ist in diesem schlimmen, aber doch überschaubaren Verfahren nicht zu sagen."

Zusammenfassend lautet der Antrag der Staatsanwaltschaft:
  • Verurteilung zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe;
  • Feststellung der besonderen Schwere der Schuld; und
  • den Ausspruch des Vorbehalts der Sicherungsverwahrung.

Plädoyer von Nebenklagevertreter Oberholzner

Dann beginnt Nebenklagevertreter Peter Oberholzner, der Carolin G.s Eltern vertritt, sein Plädoyer. Er spricht den Angehörigen des Opfers zunächst seine Hochachtung für deren ständige Anwesenheit im Prozess aus. Dann spricht er über den Angeklagten.

"Ich halte ihn für ein Monster" Peter Oberholzner
"Ich halte ihn für ein Monster", sagt Oberholzner. "Ich sehe hier nur einen Dr. Hyde, der den Kopf senkt und die Angehörigen nicht einmal ansieht." C. gehöre für immer weggeschlossen. In Bezug auf die Sicherungsverwahrung widerspricht Oberholzner der rechtlichen Ansicht der Staatsanwaltschaft, dass die Sicherungsverwahrung nicht sofort angeordnet werden könne. "Die Allgemeinheit muss vor einem solchen Monster geschützt werden." Oberholzner verweist auf mögliche weitere Prozesse. "In der Österreichischen Presse wird berichtet, dass es 2004 in der Heimatstadt des Angeklagten auch einen Mordfall gegeben hat."
Ungeklärter Mordfall in Rumänien: Am 20. Mai 2004 verschwand in Rumänien eine junge Frau. Eine Woche später wurde ihre Leiche in einem Waldstück entdeckt. Damals konnte kein Täter ermittelt werden – nach der Festnahme von Catalin C. wurde offenbar überprüft, ob er für die Tat verantwortlich sein könnte. Mehr dazu: Weitere Fälle in Rumänien? Polizei weitet Ermittlungen aus.

Plädoyer von Nebenklagevertreter LaMalfa

Nun spricht Claudio LaMalfa, Vertreter von Carolin G.s Ehemann: "Carolin G. ist tot, ermordet durch den Angeklagten. So sehr er versucht hat, sie uns zu nehmen, er wird es nicht schaffen. Auch wenn die Kerzen schon ausgegangen sind."

"Wichtig ist es, Carolin wieder ein Gesicht zu geben." Nebenklagevertreter Claudio LaMalfa
Sichtlich bewegt spricht LaMalfa. "Wichtig ist es, Carolin wieder ein Gesicht zu geben." Sie sei mehr gewesen, als die Joggerin, die getötet wurde, von der in den Medien immer wieder verkürzt gesprochen worden sei. LaMalfa spricht von ihrem Lächeln, ihrer Güte, ihren Träumen. Dann hält er ein Porträtfoto von Carolin hoch. "Das ist Carolin, Herr C.," spricht er den Angeklagten direkt an. "Und sie haben sie getötet."

"Schwein!" ruft Carolins Vater von der Bank der Nebenklage aus laut in den Gerichtssaal.

"Die Beweislage gegen den Angeklagten ist erdrückend", sagt LaMalfa. "Er hat ein Teilgeständnis abgegeben, aber es ist auch ein Teilschweigen."

"Die Tat ist mit der Tat in Kufstein nicht nur vergleichbar, sondern identisch" Claudio LaMalfa
LaMalfa spricht noch einmal über die Durchführung der Tat und die forensischen Beweise. Mit hoher Aggressivität, Gewalt und Vernichtungswillen sei C. vorgegangen. "Es ging ihm nicht nur darum, die Tat unerkannt durchzuführen, sondern auch, seine sexuellen Interessen durchzusetzen." Mehrfach verweist er auf Ähnlichkeiten der Verletzungen von Carolin G. und Lucile K. "In beiden Fällen verwendete er einen harten, länglichen Gegenstand, in beiden Fällen kam es nicht zu einer persönlichen Interaktion mit dem Opfer", sagt LaMalfa. "Die Tat ist mit der Tat in Kufstein nicht nur vergleichbar, sondern identisch", sagt LaMalfa.

"Ich hoffe, Carolin hat bereits zu diesem Zeitpunkt das Bewusstsein verloren." Claudio LaMalfa
Wie schon Anwalt Oberholzner lobt auch er die Ermittlungsarbeiten. "Deren Ergebnisse zeigen einen voll orientierten Menschen, der planvoll vorgeht", sagt LaMalfa. "Carolin wurde erst am 10. gefunden, trotz massiver Suchmaßnahmen." Der Anwalt verweist auf das zerstörte Handy, den massiven Angriff auf dem Weg. "Ich hoffe, Carolin hat bereits zu diesem Zeitpunkt das Bewusstsein verloren." Unklarheiten im Tatablauf hätte C. klären können: "Wenigstens das wäre er den Angehörigen schuldig gewesen."

"Wie ein Stück Abfall" hätte C. seine Opfer Lucile und Carolin zurückgelassen. "Die Angst entdeckt zu werden, war zweitrangig." Beide Taten habe er nach einem bestimmten Muster verübt, nicht etwa aus dem Affekt gehandelt. Während er in Kufstein Tatwaffe und Handy zurückgelassen hätte, habe C. in Endingen beides beseitigt. "Hier sind Entwicklungstendenzen erkennbar", sagt der Anwalt. "Ich kann mir vorstellen, dass der Angeklagte zwischen 2005 und 2014 weitere Taten begangen hat. Ich wünsche den Opfern, dass es Klärung gibt. Auch hier kann nur der Angeklagte helfen."

"Welcher Mensch ist in der Lage, solche Taten zu begehen?" Claudio LaMalfa
Das Tatvorgehen zeige C.s Gefühlskälte und Grausamkeit. "Er ist nicht der liebevolle Familienvater, für den er sich selbst hält", sagt LaMalfa. "Welcher Mensch ist in der Lage, solche Taten zu begehen?"

C. habe die Tat nicht nur zur Befriedigung des Geschlechtstriebs begangen. "Meiner laienhaften Meinung nach, ist dort vielleicht sogar eine Art Mordlust zu sehen", sagt LaMalfa. "Nichts auf der Welt lässt erklären, welche Tat am 6. November passiert ist", sagt der Anwalt. Catalin C. habe sein Doppelleben perfektioniert. "Er bietet keine Angriffsfläche", sagt der Nebenkläger. "Er war nicht mal in der Lage, im gesamten Verfahren der Familie in die Augen zu sehen", kritisiert er den Angeklagten noch einmal.

"Das tatleitende Motiv dürfte der Abbau von Aggressionen gewesen sein, gekoppelt mit sexueller Lust", fasst der Anwalt zusammen. "Er hat wahllos Opfer gesucht, um diese loszuwerden." Auch er sieht den Angeklagten als Gefahr für die Gesellschaft, fordert die Feststellung der besonderen Schwere der Tat. Der Empfehlung des Sachverständigen Wincklers schließt er sich an.

"Die Prozessbeteiligten, die Zuschauerinnen und Zuschauer hatten im Laufe des Verfahrens die Möglichkeit, einen Blick in die Abartigkeiten einer abscheulichen menschlichen Seele zu tun", sagt LaMalfa. "Was bleibt der Familie nun?", fragt er. "Alles ist leer, die gemeinsame Wohnung, das gemeinsame Bett, der gemeinsame Lebensweg." Carolin G.s Mann habe Ängste und Misstrauen zu überwinden, immer wieder schlimme Bilder von der Tat im Kopf. "Ich wünsche ihm, dass es ihm gelingt, sie zu überwinden, aber sicher ist das nicht."

LaMalfa wendet sich noch einmal direkt an C.: "Wissen Sie, welchen Leidensweg sie meinem Mandanten zugefügt haben? Dieser Leidensweg wird am Freitag, bei der Urteilsverkündung nicht vorbei sein."

"Irgendwann sind auch Ihre Kinder groß, Herr C., und dann müssen sie erkennen, dass ihr Vater ein menschenverachtender Mörder ist. Ob sie dann den Kopf heben werden und ihnen in die Augen schauen können?"

Wie seine beiden Vorredner beantragt LaMalfa lebenslange Freiheitsstrafe, die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld und die Sicherungsverwahrung.

Plädoyer des Verteidigers

Nach einer halbstündigen Unterbrechung der Verhandlung hat Verteidiger Klaus Malek das Wort. "Gerade in einem Verfahren mit einer Brisanz wie dem Vorliegenden zeigt sich die Bedeutung des Rechtsstaats", sagt er zu Beginn. Der Rechtsstaat garantiere ein öffentliches, faires Verfahren. Das Recht auf ein faires Verfahren gelte für jeden Angeklagten, unabhängig von der Art der Tat. "Das Recht für Vergeltung wird auf den Staat abgetreten", sagt Malek.

"Durch seine Aussage über seinen Alkoholkonsum wollte er nicht seine Schuld mindern. Er hat nicht versucht, sich zu exkulpieren" Verteidiger Klaus Malek
Malek spricht den Grundsatz "In dubio pro reo" an. Der gelte nicht nur bei der Frage, ob der Angeklagte zu verurteilen sei oder nicht - diese Frage stelle sich hier nicht, da der Angeklagte ja ein Geständnis abgegeben habe - sondern auch bei der Bewertung der Beweismittel. Dann spricht der Verteidiger Fakten aus den bisherigen Plädoyers an: C. habe nie gesagt, er habe im Affekt gehandelt, habe Fakten gegenüber dem Gutachter Winckler nicht widerrufen, sondern nur korrigiert. Daraufhin gibt es Zwischenrufe und Gemurmel im Publikum. Richterin Eva Kleine-Cosack ermahnt Zuschauer und dezidiert auch die Nebenkläger, während des Plädoyers ruhig zu bleiben.

"Will das Gericht ein oder mehrere Mordmerkmale bejahen, so muss es sich über Motive des Täters so sicher sein wie über objektive Tatbestandsmerkmale", sagt der Verteidiger. Klaus Malek verweist noch einmal auf die Einlassung von Catalin C. am ersten Verhandlungstag. "Durch seine Aussage über seinen Alkoholkonsum wollte er nicht seine Schuld mindern. Er hat nicht versucht, sich zu exkulpieren", sagt Malek. Dass am Tatort keine Scherben gefunden worden seien, heiße nicht, dass die Tatwaffe nicht eine Flasche gewesen sein könne.

Malek liest aus dem Gutachten des Psychiaters Winckler vor, in dem dieser schreibt, dass die Taten in Endingen und Kufstein auch aus "diffusem, ungerichtetem sexualisierten Hass auf Frauen" heraus begangen worden sein könnten.

Daher könnte das Mordmerkmal "zur Befriedigung des Geschlechtstriebs" nicht angenommen werden. "Wenn die Triebfeder ein Hass auf das weibliche Geschlecht ist, Misogynie, dann geschieht diese Tat eben nicht zur Befriedigung des Geschlechtstriebs", so Verteidiger Malek. "Wer sich ernsthaft fragt, wie es zu so einer Tat kommen konnte", sagt Malek, "kann auch seine Kindheit nicht einfach wegwischen." In der Presse habe es geheißen, dass C. "über seine Kindheit gejammert hat". Das sei nicht der Fall gewesen: Nur über dritte, nämlich über die Zeugin Elisabeta N. hätten wir erfahren, dass er das Kind einer Alkoholikerin sei. "Mein Mandant wird es mir vielleicht übel nehmen, aber das war wohl das Frauenbild, mit dem er aufgewachsen ist. (…) Es wäre ein Wunder, wenn aus einer solchen Hölle ein klinisch gesunder Mensch hervorgehe."

Dann wendet er sich dem Mordmerkmal der "Verdeckung einer Straftat" zu. Malek trägt aus einem BGH-Urteil vor, dass diese nicht anzunehmen sei, wenn es lediglich um die Verdeckung der gerade eben begangenen Tat ginge - wenn die Tötung also das ursprüngliche Ziel gewesen sein. Zur Annahme der "Heimtücke" fehle es im konkreten Fall an Erkenntnissen.

"Sonstige niedere Beweggründe", als die man den Hass möglicherweise interpretieren könnte, seien nicht gegeben, da ein möglicher internalisierter Hass auf Frauen C. nicht bewusst gewesen sei. Der Angeklagte, trägt Malek ruhig und analystisch vor, sei daher wegen Totschlags zu verurteilen. Ein Strafmaß habe er nicht zu fordern, sagt der Verteidiger, "die Bestrafung ist Aufgabe des Gerichts."

"Wie geht es weiter mit dem Angeklagten?", fragt der Verteidiger die Prozessbeteiligen und führt dann aus, wie es wohl mit dem Angeklagten weiter geht. Werde sein Mandant wegen Mordes oder Totschlags verurteilt, erwarte ihn ein weiteres Verfahren in Innsbruck. Die Auslieferung sei schon beantragt worden, das OLG Karlsruhe habe darüber zu entscheiden. Dann werde Catalin C. nach Österreich überstellt. Sollte es dort zu einer Verurteilung kommen, hätte er eine weitere Strafe zu verbüßen. "Es ist wohl immer noch so, dass eine sogenannte internationale Gesamtstrafenbildung in Deutschland nicht vorgesehen ist." Das Verfahren in Österreich habe also keine lediglich symbolische Wirkung. "Ich gehe davon aus, dass er zwei voneinander unabhängige Strafen zu verbüßen hat, wenn er in Österreich für schuldig befunden wird."

Dann spricht Richterin Kleine-Cosack den Angeklagten Catalin C. an: "Sie haben jetzt auch noch die Möglichkeit, etwas zu sagen und Sie haben das letzte Wort."

"Nein, ich habe dem nichts hinzuzufügen", sagt der Angeklagte, von seinem Übersetzer übersetzt. "Es tut mir sehr leid."

Mehr zum Thema: