Spotted & Bibflirt: Facebook-Hilfe für verpasste Uni-Flirts

Carolin Buchheim

"Wenn Du jemanden abschleppen willst, gehst Du nicht in die Disko, sondern in die UB!" - das behauptete unlängst eine studentische fudder-Autorin. Fakt ist: in der Unibibliothek sieht man immer die gleichen Leute, zur Prüfungszeit ist man verdammt viel da, in der Mensaschlange muß man warten - wo soll man flirten, wenn nicht an der Uni? Zwei Dienste wollen mit Hilfe von Facebook Studierenden den Uniflirt erleichtern:



Oh, aufregendes Freiburger Studierendenleben!

29. Januar 2013, 02:48 Uhr
SIE: 28. Jan. UB 1. Seit 20 Minuten versuche ich, mich wieder von deinem flauschigen Rauschebart auf meine Unterlagen zu konzentrieren. Ich glaube ein Kaffee mit dir würde mir vielleicht helfen kurz wieder klar zu kommen. Meld dich doch :)!"

28. Januar 2013, 18:31 Uhr
SIE: Mehrmals habe ich dich schon gesehen. Heute wieder, am Breisacher Tor um ca. 16 Uhr. Du trägst eine Brille und rauchst, und wie soll ich sagen.. du hast einfach was, das mich unglaublich anzieht.

28. Januar 2013, 18:02 Uhr
SIE: Heute am frühen Nachmittag hast du mich in der Bahn Richtung Littenweiler sehr ernst durch deine kinnlangen braunen Haare angeschaut, ich habe wohl genauso zurückgestarrt, bis ich beim ZO ausgestiegen bin. Du hast aus einer pinken Bäckertüte gegessen. Wenn du dich angesprochen fühlst, melde dich :)

27. Januar 2013, 12:23 Uhr
ER: Das leuchten deiner roten von Sonnenlicht geschmeichelten Haaren hat das Lernen hier in der UB1 erheblich angenehmer gemacht. Jetzt bist du weg, und dieser Sonntag wird um einiges trister...
 

Die Uni Freiburg - ein Ort der verpassten Flirts, der missed connections, der heimlichen Crushes? Gleich zwei Webdienste wollen helfend eingreifen, und Studierenden den Uniflirt erleichtern, indem sie die Kontaktaufnahme von der realen in die virtuelle Welt verschieben: Spotted - Uni Freiburg und Bibflirt.de Freiburg. "Egal ob in der Bibliothek, Vorlesung oder Mensa - wenn es jemanden gibt, von dem du einfach nicht deine Augen lassen kannst, hinterlass hier anonym deine Flirtbotschaft! Wer hier nur lernt, macht etwas falsch ;)" - so erklärt Bibflirt seinen Verwendungszweck.

Nach einem Verpassten Flirt in der Uni kann man dort eine Suchanzeigen veröffentlichen. Entdeckt man einen Post, der einen selbst betrifft, klickt man auf einen Button mit der Aufschrift: "Volltreffer, das bin ich!" und kann Kontakt mit dem oder der Suchenden aufnehmen. Bibflirt, das von sechs Studierenden aus Heidelberg gegründet wurde, betreibt bereits für Hochschulen in 73 Städten Facebookseite zur Flirterleichterung, und bündelt alle Suchanzeigen auf seiner Website. Auch praktisch: die in der vergangenen Woche veröffentlichte Bibflirt-App für Android-Telefone erleichtert das Posten von Suchanzeigen.

Spotted - Uni Freiburg soll ähnlich funktionieren - wenn auch mit deutlich weniger Technik: Suchende schicken ihre Suchanzeige per Facebook-Message an die Seite, diese postet die Suche dann.

Die Idee ist natürlich nicht neu - in Kleinanzeigenblättern wie der Schnapp gab es eigentlich schon immer Kategorien wie Hab dich gesehen und im öffentlichen Personennahverkehr ist die VAG Freiburg seit 2009 mit dem mittlerweile auf Facebook zu findenden DienstHaltestelle Herzklopfen bemüht, den privaten Personennahverkehr zu ermöglichen.

Das "Spotted"-Konzept kommt eigentlich aus dem englischsprachigen Raum, wo derartige Facebookseiten große Nutzerkreise haben; mehr als 34.000 Leute haben zum Beispiel Spotted on Dublin Bus geliket; Beiträge werden dort hundertfach geliket. In Deutschland boomen Spotted und Bibflirt-Seiten diverser Hochschulen, seit Anfang Januar zwei Münchener Studierende Spotted: Stabi München starteten. Der Liebesbedarf der Münchener Studierenden scheint besonders hoch zu sein: knapp drei Wochen nach dem Start haben mehr als 14.000 Menschen die Seite geliket - rein rechnerisch fast jeder dritte Studierende der LMU.

In Freiburg ist der Erfolg der jungen Flirthilfsdienste noch nicht so durchschlagen: Bibflirt - Uni Freiburg hat erst 412 Likes, aber dafür um die fünf Suchposts am Tag, Spotted - Uni Freiburg gerade einmal 171 Likes - und bisher noch keinen echten Suchauftrag. Ein Nachteil der Flirtanbahnung über soziale Netzwerke: besonders in kleinen Studienorten kann allzu schnell klar werden, wer gemeint ist - und das kann für die Gesuchten unter Umständen unangenehm sein.

29. Januar 2013, 12:00 Uhr
ER: Hallo an die wunderschöne Anglistikstundentin mit goldrötlichem Haar, die ab und zu mal auch am Empfang in der KG-IV-Bibliothek sitzt. Du kommst mir einfach nicht aus dem Sinn... Jedes Mal, wenn ich Dich sehe...


Laut einem Bericht des Unispiegel (Flirthilfe via Facebook:"Du hast mich im Suff leidenschaftlich angebellt") verlinken zum Beispiel Studierenden auf Spotted: Uni Passau Freunde den Gesuchten oder die Gesuchte oft direkt in den Kommentaren unter dem Post.

fudder-Debatte

Ist die UB der heißeste Flirtort der Stadt? Wirft man sich in der Mensa-Schlange heiße Blicke zu? In welchem Seminar lernt man am besten Leute kennen? Und wie treibt man den Uniflirt voran? Braucht man dazu Dienste wie Spotted und Bibflirt? Erzählt uns mehr!

Du bist gefragt!


Mehr dazu: