Sportrait (9): Daniel Müller, Billard

Hannah Allgaier

"Spiel doch lieber Fußball, da verdienst du mehr Kohle." Über solche Sätze kann Daniel Müller nur lachen. Er spielt Billard und das mit Herz und Seele. In nur drei Jahren schaffte er den Durchbruch an die Deutsche Spitze und stand dieses Jahr am Tisch bei den Jugend Eurpoameisterschaften.



20 Uhr im Billardcafè Planet Pool in Lörrach. Überall Menschen mit Queues in den Händen, denn hier trainiert der BC Dreiländereck, der Billardverein der Stadt. Am Tisch in der hintersten Ecke steht ein Junge mit rötlichem Haar. Präzise versenkt er einen Ball nach dem Anderen im Loch. Beeidruckt stehen ein paar ältere Spieler um ihn herum und klatschen, wenn ein Ball ins Loch geht. Der Spieler: Daniel Müller, 16 Jahre.


In den Sommerferien ist Daniel jeden Tag hier im Billardcafè anzutreffen, denn er trainiert bis zu drei Stunde täglich. Mal locht er die Bälle alleine ein, mal mit seinem Trainer Mike Käseberg.

Mit gerade mal 16 Jahren schaffte der Gymnasiast die Qualifikation zu den Europameisterschaften in Bad Wildungen. „Die Meisterschaften habe ich leider richtig versemmelt“, sagt Daniel. Und trotzdem erreichte er einen guten neunten Platz. Auch sonst geht der Senkrechtstarker bescheiden mit seinen Erfolgen um. „Ich muss immer an mir arbeiten. Gerade im mentalen Bereich muss ich noch zulegen. Billard spielen ist reine Kopfsache.“

Bei den Deutschen Jugendmeisterschaften musste er sich nur zwei Spielern geschlagen geben und erreichte den fritten Platz in den Disziplin 8er Ball und 14/1 endlos. "Diese Erfolge habe ich nicht nur mit zu verdanken, sondern auch meinem Trainer. Er ist einer meiner großen Vorbilder", sagt Daniel. Seit rund eineinhalb Jahren trainiert Mike Käseberg (Bild unten rechts) den 16-jährigen und unterstützt ihn, so gut er kann.



Durch Zufall nahm ein Freund Daniel in den Sommerferien 2006 mit zu einem Sommerprojekt der Stadt Lörrach. Damals durften die Jugendlichen im Billardcafè stundenlang Billard spielen. Schnell begriff Daniel wie er die anderen Freunde schlagen konnte.

"Seitdem hat mich das Spielen nicht mehr losgelassen. Am Anfang habe ich bei jedem Ball gezittert, aber das ist jetzt zum Glück vorbei", sagt Daniel. Seitdem ist viel passiert. Heute ist Daniel ein fester Bestandteil des BC Dreiländerecks.
In der vergangenen Saison spielte er in der vierten Mannschaft des BC Dreiländereck und errang dort regelmäßig Siege.

Doch was sagt Daniel zu den Menschen, die Billard langweilig finden oder gar nicht als echten Sport ansehen?  „Die sollen erstmal selber spielen. Immer wieder treffe ich Leute, die genau so über meinen Sport denken. Doch die meisten haben keine Ahnung von Billard. Sie kennen die Regeln nicht und wissen auch sonst nichts über die Konzentration und die Ausdauer, die man benötigt, um erfolgreich zu sein. Billard ist nicht leicht zu spielen. Über solche Menschen schmunzel ich heute nur noch.“

Tipps für blutige Anfänger kann Daniel auch geben: "Es ist sehr wichtig, dass man richtig zum Tisch steht. Das heißt, dass man sich in seiner Position wohlfühlt und sie bequem ist. Die Beine dürfen nicht zu nah beieinander stehen, sondern etwas weiter auseinander. Ebenfalls wichtig: Man muss die richtige Handpostion finden; Bei mir heißt sie geschlossene Brücke."

Seine Eltern stehen hinter dem angehenden Profi. „Solange es in der Schule gut läuft, sagen sie nichts, wenn ich jeden Abend trainieren gehe. Letztes Jahr lief es noch sehr gut", sagt Daniel lächelnd. Auch weiterhin will Daniel Schule und Billardspielen unter einen Hut bekommen. Doch das gelingt nur mit viel Disziplin und Ausdauer.