Sportrait (3): Elke Gebhardt, Rennrad

Meike Riebau

In unserer fudder-Serie "Sportrait" stellen wir talentierte Nachwuchsathleten aus Freiburg und Umgebung vor: Elke Gebhardt kommt aus Merdingen und fährt im Frauen-Rad-Profi-Team Getränke Hoffmann. Die 24-jährige Sportsoldatin hat mit fudder-Mitarbeiterin Meike über ihren Werdegang auf dem Rad gesprochen.



Elke, wie bist du zum Radfahren gekommen?


Mein großer Bruder ist Rad gefahren, aber mich hat das überhaupt nicht interessiert, ich fand das total blöd. Da war ich so sieben, acht Jahre alt. Mir war das viel zu anstrengend. Damals habe ich noch ein bisschen Leichtathletik gemacht, aber nichts richtig. Mich hat es erst gepackt, als eine Schulkameradin zu mir meinte, sie könne mich mit dem Fahrrad locker abhängen, wir mussten nämlich immer auf dem Heimweg von der Schule einen langen, steilen Berg hoch. Da habe ich mir gesagt, „Die will mich abhängen? Auf keinen Fall!“. Da bin ich trainieren gegangen.
Dann war auch zufällig Ostermontagrennen in Gottenheim, und da habe ich dann zu meiner Mutter gesagt „Mama, ich fang jetzt an mit Radfahren“, woraufhin sie meinte „Wirklich?“ und ich „Ja, genau, das mache ich jetzt.“

Wie sah dein erstes Fahrrad aus?

Rot war es, glaub ich, mit einem Stahlrahmen und Rahmenschaltung. Ich musste sogar von Anfang an mit Click-Schuhen fahren. Normalerweise fangen Kinder mit anderen Schuhen an, und ich erinnere mich, dass ich auch ziemlich häufig umgefallen bin am Anfang, weil ich nicht aus den Schuhen kam.

Wie ging es dann weiter?

Die erste Zeit war noch sehr entspannt und gemütlich. Berge waren damals auch eher dazu da, umfahren zu werden, statt darüber zufahren. Der Ehrgeiz kam erst nach und nach dazu, was auch an meinem neuen Trainer lag, derselbe, den ich übrigens auch heute noch habe. Durch ihn kam es zu einer ziemlichen Umstellung im Trainingsplan: Auf einmal sollte ich neben dem normalen Fahrradtraining auch noch Joggen und Schwimmen, da habe ich mich ganz schön umgeschaut. Anfangs war ich auch immer die Letzte, die angekommen ist, alle anderen waren schneller als ich.

Aber es hat ja auch was gebracht...

Das auf jeden Fall. Im Jahr darauf hatte ich auf einmal total gute Ergebnisse. Da war ich dann auch bei den ersten Sichtungsrennen das BDR, dem Bund Deutscher Radfahrer. Nach sechs oder sieben dieser Sichtungsrennen und einem 7. Platz bei der Deutschen Meisterschaft hat es auch geklappt, und ich wurde 1999 in den Jugendkader aufgenommen.



Gab es damals Neid- oder Eifersucht?

Damals, im Jugendkader noch nicht, da fuhr man noch mit viel Spaß, es haben sich auch viele Freundschaften ergeben. Aber später sind schon Freundschaften auch aus Sport-Gründen zerbrochen, leider.

Wie ging es in sportlicher Hinsicht weiter?

Nach dem zweiten Jahr im Kader war ich in der Gesamtwertung des BDR auf Platz 3, und da bin ich dann zum ersten Mal ernsthaft ein Rennen auf der Bahn gefahren. Vorher war das halt immer nur zum Spaß, und da dann zum ersten Mal mit ein bisschen Ehrgeiz.
Ich habe vorher noch eine Woche Trainingslager mitgemacht, in Stuttgart, und das war die schlimmste Woche meines Lebens, danach war ich mausgrau. Aber es war gut, ich habe dann auf der Deutschen Meisterschaft drei Medaillen gewonnen, vor allem das letzte Rennen war toll, da habe ich beim Punkterennen gewonnen, was vorher nie meine Stärke war. Da habe ich mir schon gedacht; „So macht das Spaß, so kann es gerade weitergehen.“ Es ging auch weiter, allerdings  mit einigen Höhen und Tiefen.

Wie schaut es dieses Jahr aus?

Dieses Jahr ist es nicht so gut gelaufen, ich hatte im Februar einen Unfall, ich bin zum zweiten Mal vom Rad gepurzelt, bei einem Trainingslager der Nationalmannschaft auf Mallorca. Es war die Vorbereitung des ersten Weltcups in Neuseeland. Und bei der Abfahrt eines Berges, da wollte mein Fahrrad auf einmal nicht mehr in dieselbe Richtung wie ich, in einer Kurve wollte es einfach geradeaus fahren. Ich bin vom Fahrrad gefallen und auf den Schotter gelandet. Ergebnis: Schlüsselbeinbruch. Bei meinem ersten Unfall 1999 habe ich mir auch das Schlüsselbein gebrochen, in der Nähe von Berlin, bei einem Winterbahnrennen. Ich bin als Seniorin bei einem Herrenrennen gestartet, und in eine Lücke reingefahren, wo keine war, und kopfüber vom Rad gefallen. Bei dem Sturz habe ich mir nicht nur das Schlüsselbein gebrochen, sondern auch die Zunge verschluckt. Das hat auch zunächst niemand gemerkt, das ich keine Luft bekommen habe.

Warum hast du dich nach der Schule entschieden, direkt eine Ausbildung zu machen?


Mir war es zu unsicher, sich ganz auf den Sport zu verlassen, gerade als Frau. Man hat einfach nicht dieselben Voraussetzungen wie ein Mann, man verdient einfach nicht so viel als Profi. Deshalb habe ich dann auch meine Ausbildung zur Sport- und Fitnesskauffrau gemacht. Zumal ich auch noch das Glück habe, durch die Bundeswehr abgesichert zu sein, denn seit Mai bin ich dort Sportsoldatin. Am 1.Oktober werde ich zur Grundausbildung nach Dillingen an der Donau gehen. Ich bin auch schon ganz nervös, allein, wenn ich an diese riesigen Rücksäcke denke.

Wie sieht dein Umfeld deine sportliche Karriere?

Meine Mutter hat mich immer unglaublich gefördert, was für eine alleinerziehende Mutter wirklich anstrengend ist. Mein Freund findet es natürlich nicht gut, dass ich soviel weg bin, denn ich bin etwa vier Monate im Jahr unterwegs. Aber ich wollte eben auch keinen Sportler, ich wollte einen normalen Jungen haben. Aber ansonsten unterstützt er mich schon. Und ab und zu fährt er sogar mit mir Fahrrad, wenn ich locker fahre. (lacht)

Wieviele Fahrräder hast du?

Fünf, wenn man auch das Göppelrad mitrechnet, also das Schrottrad, um in die Stadt zu fahren.

Wie lange möchtest du noch Rad fahren?

Mein Ziel war eigentlich, nächstes Jahr bei Olympia mitzumachen. Aber dadurch, dass ich dieses Jahr die Deutsche Meisterschaft nicht gut gefahren bin, bin ich aus dem Programm so gut wie raus. Aber den olympischen Traum habe trotzdem noch, und deswegen mach ich vielleicht weiter. Denn irgendwie geht es ja jetzt erst richtig los, mit dem Platz bei der Bundeswehr für die nächsten zwei Jahre. Aber ich weiß auch, dass irgendwann Schluss sein wird; weil es einfach ein so zeitaufwendiger Sport ist, man muss schon viel zurückstecken, was das Privatleben angeht.

Mehr dazu:

  • Frauen-Rad-Profi-Team Getränke Hoffmann: Website
fudder.de Sportrait