Sportrait (10): Johannes Hitzler, Triathlon

Minh Duc Nguyen

Johannes Hitzler ist 18 und kommt aus Tuttlingen. Er trainiert seit September 2008 am Olympiastützpunkt (OSP) in Freiburg und besucht das Sportinternat an der Kartäuserstraße. Nächstes Jahr will er den Sprung in den Nationalkader schaffen.



Johannes Hitzler ist 18 Jahre alt und geht in die 13. Klasse der Staudinger-Gesamtschule. Er hat zwei Brüder, die ebenfalls Triathlon betreiben. Mit sechs Jahren begann er, zu trainieren. Jetzt, mit 18, hofft Johannes, den Sprung in den C-Kader der Nationalmannschaft zu schaffen. Am Olympiastützpunkt trainiert er für die deutsche Meisterschaft im März 2010.


Seine bisherigen Erfolge:
  • 2006: 13. Platz Deutsche Meisterschaft
  • 2008: 14. Platz WM Wintertriathlon
  • 2008: 3.Platz Staffel Deutscher Meister im Wintertriathlon
  • 2009: 3. Platz Deutsche Meisterschaft Wintertriathlon
  • 2009: 22. Platz Deutsche Meisterschaft


Johannes, wie würdest du dich in einem Satz beschreiben?

Ich bin chaotisch, verrückt, aber dafür diszipliniert. Chaotisch, weil ich kaum Zeit habe, alles in Ordnung zu bringen. Verrückt, weil man mich wegen meines Sports manchmal als verrückt bezeichnet. Und diszipliniert, weil ich diese Sportart sonst nie machen könnte.

Du machst Triathlon. Was ist das genau?

Triathlon besteht aus drei Disziplinen. Schwimmen, Radfahren und Laufen. Wobei wir im Winter statt schwimmen skaten müssen. Ich mache die Sprintdistanz, das heißt: 0,75 Kilometer schwimmen, 20 Kilometer Radfahren und dann noch fünf Kilometer laufen.



Dein schönstes sportliches Erlebnis?

Das war 2002. Ich war damals elf Jahre alt und habe den Baden-Württembergischen Meistertitel im Triathlon gewonnen.

Dein besonderes Talent? Deine Schwäche?

Meine Selbstdisziplin würde ich als meine Stärke bezeichnen. Außerdem bin ich eigentlich sehr ausgeglichen. Was meine Schwäche betrifft: meine Vergesslichkeit.

Wie sieht dein Alltag aus?

Ich stehe kurz vor sechs Uhr auf, packe meine Sachen und esse noch schnell etwas. Dann fahre ich mit dem Fahrrad zum Schwimmtraining um 6:30 Uhr. Nach 90 Minuten fahre ich zur Schule. In der ersten Pause esse ich ein paar Kleinigkeiten. Wenn die Schule gegen 13 Uhr vorbei ist, fahre ich zu einem weiteren Training. Laufen und Radfahren. Meistens dauert das zwei Stunden. Einmal in der Woche habe ich Unterricht bis 18 Uhr, dann kann ich erst später mit dem Training anfangen.



Musst du vor Wettkämpfen auf dein Gewicht achten?

Ich achte allgemein sehr auf meine Ernährung und auf mein Gewicht. Wir haben einen Ernährungsberater in unserem Sportinternat, der zusätzlich auf unsere Speisen achtet. In der Regel nehme ich im Sommer ein wenig ab und im Winter wieder zu. Vor den Wettkämpfen achten wir besonders darauf, wieviele Kohlenhydrate wir zu uns nehmen.

Wie sieht dein Training aus?

Momentan schwimme ich morgens sechs Mal 100 Meter. Und das zwei Mal hintereinander. Kurz vor dem Wettkampf schwimme ich dementsprechend mehr. Beim Radfahren und Laufen ist das ähnlich: Für unsere Kondition fahren wir die flachen Strecken im Dreisamtal ab. Beim Krafttraining wählen wir andere, steilere Strecken im Schwarzwald. Das Gleiche gilt für das Lauftraining.

Wie wichtig ist dir dein Sport?

Sehr, ansonsten wäre ich gar nicht hier. Ich habe mich vor einem Jahr entschlossen, hierher zu ziehen, um diesen Sport intensiv betreiben zu können. Alle meine besten Freunde sind noch in Tuttlingen. Ebenso meine Familie und mein Bekanntenkreis.



Und deine Familie steht hinter dir?

Ja, voll und ganz. Mein Vater war selbst Triathlet und hat uns früher immer zu den Wettkämpfen mitgenommen. So hat sich unser Interesse für das Triathlon entwickelt.

Gibt es Neider?

Natürlich. Aber ich denke, es ist normal. Wenn man Leistungen bringt und Erfolge feiert, dann ist es nicht zu vermeiden, dass der eine oder der andere neidisch ist auf einen.

Warst du schon einmal ernsthaft verletzt?

Ernsthaft nicht. Aber ich hatte mal eine schwere Knieverletzung vor dem Wettkampf gehabt, die mich drei Wochen lang außer Gefecht gesetzt hat. Danach bin ich trotzdem angetreten. Das Ergebnis war aber nicht berauschend.



Kannst du vom Sport leben?

Nein. Als Nachwuchssportler noch nicht. Wenn ich später einen Profivertrag bekommen sollte, dann könnte ich gut davon leben. Aber die meisten sind nicht aus finanziellen Gründen Sportler geworden, sondern aus Leidenschaft.

Findest du das nicht ungerecht?

Darüber diskutieren wir immer wieder. Da stellt sich schon mal die Frage: Warum haben wir nicht mit Fußball angefangen? Dort verdient man ja deutlich mehr. Ich habe zwar auch Sponsoren, die mir allerdings nur die Ausrüstung zur Verfügung stellen, sonst nichts.

Hast du manchmal Angst vor Wettkämpfen?

Angst nicht, nein. Aber Aufregung. Ich denke, das gehört einfach dazu, dass man vor jedem Wettkampf aufgeregt oder nervös ist. Eine gewisse Anspannung steigert ja auch die Leistung in den Wettkämpfen.

Was motiviert dich?

Mir macht das Training einfach Spaß. Auch der Umgang mit den Kolleginnen und Kollegen ist sehr freundschaftlich. Man kann sich auspowern bis zum Gehtnichtmehr. Meine größte Motivation ist definitiv der sichtbare Erfolg, den ich immer wieder neu erleben kann.



Wie sieht dein Nachtleben aus?

Schlecht. Ich bin seit einem Jahr hier, habe aber noch keine einzige Diskothek besucht. Bei meinem vollen Tagesprogramm geht das auch nicht. Ich führe so eine Art Haushalt, das heißt: Kochen, einkaufen, Wäsche waschen, alles selber machen. Frauen lerne ich zwar auch beim Training kennen. Mit den meisten habe ich allerdings nur freundschaftliche Beziehungen.

Und vermisst du das?

Es geht. Ich fahre alle drei bis vier Wochen nach Hause, treffe mich mit Freunden, dann ist alles wie früher. Ich wollte hierher kommen, um zu trainieren. Deshalb hat das Training auch Priorität.

Was sind deine Zukunftsträume?

Ich mache in diesem Jahr mein Abitur. Und im März nächsten Jahres findet ein weiteres wichtiges Turnier statt, bei dem ich mich für den C-Kader der Nationalmannschaft qualifizieren kann. Ich hoffe, dass ich diese zwei Termine erfolgreich hinkriege.

[Fotos: fudder/Johannes Hitzler]

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