SpickMich.de: Lehrer dürfen benotet werden

Carolin Buchheim

Frau W ist Lehrerin für Erdkunde und Physik an einem deutschen Gymnasium. In "Guten Unterricht" hat sie eine 2,6, in "Cool und Witzig" eine 4,1 und in "Vorbildlichen Auftreten" nur eine 4,5. Zumindest auf SpickMich.de, einem Schülerportral, bei dem Schülerinnen und Schüler ihre Lehrer benoten können. Dass diese Online-Noten für Lehrer zulässig sind, hat in dieser Woche das Landgericht Köln bestimmt.



"Bei uns rufen häufig Lehrerinnen und Lehrer an, und beschweren sich wegen ihrer Benotungen", erklärt Bernd Dicks, der bei SpickMich für die Pressearbeit zuständig ist. "Sie kommen oft mit dem kategorischen Imperativ und erwarten, dass man etwas entfernt, nur weil sie das so wollen."


Die Lehrerbewertung ist das zentrale Feature des Schülernetzwerks. Sie wird in 10 Kategorien vorgenommen. Zuerst waren das Kategorien, die die drei studentischen Gründer aus ihren eigenen Abi-Zeitung entnommen hatten. Eine der Kategorien war damals "Sexy". Doch dieses Attribut, gegen das sich die klagende Lehrerin unter anderem gewandt hatte, ist mittlerweile aus den Bewertungslisten verschwunden, und zwar nach dem ersten Rechtsstreit.

"Wir haben die User über die Kategorien abstimmen lassen", erläutert Bernd Dicks. "73.000 Schüler haben schließlich die Kategorien bestimmt, die jetzt auf der Seite stehen." Sexy ist rausgeflogen, und "vorbildliches Auftreten" dazugekommen. "Denn ob jemand pünktlich ist oder vielleicht immer den gleichen siffigen Pullover anhat, ist Schülern auch wichtig", meint SpickMichs Pressemann. "Die wichtigste Kategorie war aber mit deutlichem Vorsprung Guter Unterricht."



Mehrere Lehrerinnen und Lehrer haben nicht nur bei SpickMich angerufen, sondern gleich gegen das Portal geklagt.

Eine der Klägerinnen ist eine Lehrerin, die von von ihren Schülern mit der Gesamtnote 4,3 bewertet wurde; weit unter dem deutschlandweiten Lehrer-Noten-Durchschnitt von 2,7. Sie fühlte sich durch die Note im Internet verunglimpft. Nachdem eine Entscheidung des Landgerichts Köln über eine einstweilige Verfügung zugunsten des Schüler-Netzwerks ausgefallen war, hatte die Klägerin Berufung beim Oberlandesgericht Köln eingelegt. Doch auch dort entschied man nun ,ebenfalls vorläufig, für das Portal; der Vorsitzende Richter befand die vorherige Entscheidung des Landgerichts für zutreffend. Ende des Monats kommt das endgültige Urteil. "Wir hoffen natürlich, dass es auch in unserem Sinn entschieden wird."

 



SpickMich steht mit seinen Problemen nicht alleine da: Auch MeinProf, eine Evaluations-Website für Dozentinnen und Dozenten an Universitäten und Fachhochschulen, hat immer wieder Probleme mit Lehrenden, die mit ihren Noten dort nicht zufrieden sind: Der Verband der Hochschullehrer stellte seinen Mitgliedern Unterlassungsaufforderungen zur Verfügung.

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