Spendenaktion nach dem Hochhausbrand in der Zähringer Straße

Daniel Laufer

Shampoo-Fläschchen, Spielzeug-Laster oder T-Shirts, auf denen "Weltmeister 2014" steht: Am Donnerstagabend fand eine große Spendenaktion für die Bewohner des Hochhauses in Zähringen statt. Bei dem Brand am vergangenen Sonntag haben sie womöglich alles verloren:



Der erste Satz, der fällt, lautet: "Hallo, ihr seht ja wieder aus wie Menschen!" Vor dem Hochhaus in der Zähringerstraße treffen sich am Donnerstagabend gut 20 der insgesamt 73 Menschen, die bis zum Sonntag noch hier lebten – bis zum Brand. Es ist ein Wiedersehen mit Anlass: Der Parkplatz gleicht einem Flohmarkt. Etliche Kisten stehen in Reihen, Shampoo-Fläschchen, Spielzeug-Lastern oder T-Shirts, auf denen "Weltmeister 2014" steht. All das sind Spenden.


Nun kramt Andreas de Fanti in einem der Kartons, zieht ein schwarzes Polo-Hemd hervor. Das ist schon mal ein Anfang. Als er am Sonntagabend heimkam, hatte er nur seine Badesachen dabei, am Nachmittag war er im Schwimmbad gewesen. Da brannte es schon im Keller. Der 22-Jährige durfte seither, wie alle anderen Hausbewohner, wegen der Verschmutzung nicht mehr in seine Wohnung. "Einfach eklig, dass man nicht mehr in die Wohnung rein kann." Er zeigt auf ein Fenster. "Ist ja nicht weit entfernt, oder?"

Flucht in Galgenhumor

De Fanti flüchtet sich in Galgenhumor. Er erzählt, dass er sich eigentlich für ein Studium bewerben wollte, Wirtschaftsinformatik. Die dafür notwendigen Dokumente und der Laptop sind in der Wohnung. "Jetzt hoffe ich, dass ich wenigstens mein Zeugnis bekomme. Die Bücherabgabe habe ich natürlich verpasst." Die vergangenen Tage hat er bei einer Bekannten geschlafen.

Die 67-jährige Monika Umhang ist vorerst bei ihrem Patenkind in Reute untergekommen. Seit 1972 hat sie in der Zähringer Straße 12 gewohnt. "Ich bin die Hausälteste", sagt sie und erzählt: "Am Montag haben wir 40 Euro gekriegt, aber mit denen kam ich nicht weit. Ich musste mir Kosmetik-Artikel besorgen und Kleidung, was ich mit 40 Euro nicht kann." Jetzt hält sie eine Lidl-Tüte unter dem Arm. "Ich habe Shampoo, Deo und Zahnpasta gefunden", sagt sie. "Eigentlich bin ich aber gekommen, um nach Kleidern zu gucken, finde nur keine, die mir passen."

Sven Kovacs hat die Spendenaktion organisiert. Der Herbolzheimer Unternehmer ist zufrieden, ein Großteil der Helfer sind seine Angestellten, mit den Firmenautos haben sie gut 1000 Teile nach Freiburg gebracht – vor allem Kleidung. "Ich wollte schnell Hilfe anbieten, nicht erst in ein paar Wochen", sagt Kovacs. "Wo ich die Sachen hinbringen kann, konnte mir bis Mittwochmorgen allerdings niemand sagen." Also organisierte Kovacs die Aktion selbst – beflügelt, wie er sagt, von den Reaktionen auf Facebook. Mitglieder der Helfer-Gruppe taten es ihm gleich und brachten ebenfalls Spenden.

"Sachspenden können an die Freiburger Qualifizierungs- und Beteiligungsgesellschaft (FQB) am Holzhof abgegeben werden", sagt Gerhard Rieger von der Koordinationsstelle für Bürgerliches Engagement der Stadt Freiburg. So habe es bereits in der Zeitung gestanden.

Trotzdem lobt Rieger die Hilfsaktion. "Es ist gut, dass es diese Verantwortungsbereitschaft gibt. Das macht einen Teil unserer Gesellschaft aus." Am Montag will die Stadt nun prüfen, wie stark die Wohnungen kontaminiert sind. Dann werden die Bewohner wissen, ob sie ihre Habseligkeiten irgendwann zurückbekommen.