Sophie studiert (7): Juristen sind gar nicht so schlimm!

Sophie Passmann

Wegen der Dinge, die Sophie in dieser Kolumne über Juristen geschrieben hat, sprechen die sie neuerdings an. Der Vorwurf: Sie verbreite haltlose Klischees. Alles Unsinn, findet unsere Autorin:



Ich wurde in den letzten Wochen ein paarmal auf meine Kolumne angesprochen. Das klingt erst mal wie eine gute Sache, so, als hätte ich Fans. Das ist nicht wahr. Eigentlich wurde ich vor allem, meist leicht empört, gefragt, wieso ich hier so haltlose Klischees über Juristen verbreiten würde.


Ja, ich habe den einen oder anderen Witz an der einen oder anderen Stelle über den einen oder anderen Juristen gemacht. Aber nein, es waren keine Klischees. Denn Klischees sind etwas Schablonenhaftes, etwas, das sich rational nicht mit der Realität vereinbaren lässt.

Wenn ich aber sage, dass Juristen öfter mal Polohemden, Bootsschuhe, farbige Chinos und Wachsjacken und unterschiedlichen Kombinationen tragen, dann ist das eine Aussage, die sich sehr leicht und sehr rational mit der Realität vereinbaren lässt, also viel mehr ein Stereotyp als ein Klischee. Als Beweisführung reicht da vielleicht ein Blick in den Audimax, während Strafrecht 1.

Ich habe übrigens nie gesagt, dass ALLE Juristen IMMER Bootsschuhe tragen, das stelle ich mir auch fürchterlich unbequem vor. Was ich auch nie gesagt habe, ist, dass ich Juristen in irgendeiner Weise doof finde, nur weil ich eine Beobachtungen gemacht habe, was ihre Garderobe betrifft.

Gebügelte Hemden, gekämmte Haare

Ganz im Gegenteil, ich wäre mal sehr gerne bei Strafrecht 1 dabei. Ein Hörsaal voller gebügelter Hemden und gekämmte Haare erscheint mir, als Studentin der Sozialwissenschaften, wie ein Traum, der nie wahr werden wird. Ich bin großer Fan von Juristen, ich trinke wahnsinnig gerne Bier mit einigen von ihnen.

Aber diejenigen, die auf meine Juristen-Stereotypen besonders gereizt reagiert haben, sahen meist selbst aus, wie frisch aus einen Tommy-Hilfiger-Katalog geschlüpft, so, als hätte ich sie bei einer Heimlichkeit erwischt.

Solche Witze sind an Harmlosigkeit kaum zu übertreffen, und es sind in etwa 70 Prozent Neid dabei: Immerhin studiert ihr eines der letzten Hardcore-Fächer, „Staatsexamen“ klingt viel cooler als „Bachelor“, eure Eltern sind mit großer Wahrscheinlichkeit sehr stolz auf euch und ja, diese runden Hornbrillen, die ihr wieder hip gemacht habt, finden wir auch ziemlich gut.

Ich werde ab jetzt keine Juristen-Witze mehr machen, stattdessen setze ich mich nächste Woche in Strafrecht 1 und gemeinsam sammeln wir Witze über andere Fachschaften.

Politikwissenschaftler, die werfen doch alle Farbbeutel auf Verbindungshäuser, oder? Und Philosophen, das sind die, die im Sommer barfuß in die Vorlesung kommen und später keinen Job finden, richtig? Skandinavisten: hören Black Metal und spielen am Wochenende LARP im Wald.
Ich bügel’ mir auch extra ein Hemd, versprochen.

Zur Person



Bisher war Sophie Passmann (21) hauptberuflich Moderatorin, zum Beispiel beim Poetry-Slam im Café Atlantik. Jetzt fängt sie ihr Studium in Freiburg an – vor allem, weil sie im Kino auch endlich mal den ermäßigten Ticketpreis bezahlen möchte. In ihrer Kolumne schreibt sie jede Woche von dem neuen Leben, das sie als Erstsemester jetzt so führt.

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[Foto 1: F.Schmidt/Fotolia.com]