Sophie studiert (3): "Kann gleich nochmal laut werden!"

Sophie Passmann

Sophie hat festgestellt: Es gibt Regeln, die Erstis zu befolgen haben, Merkmale, an denen man sie sofort als solche erkennt. Du kennst sie auch:



Wer richtiger Ersti sein will, muss bei den ersten Veranstaltungen die akademische Viertelstunde komplett ignorieren. Am besten mit riesigen Ordnern und nervösem Trippeln um fünf vor (!) vorm Seminarraum stehen und auf den Dozenten warten. Um drei nach nervös werden: „Vielleicht simmir ja falsch?“ Überhaupt: das Anzweifeln, ob man im richtigen Raum ist. Erst mal in die letzte Reihe setzen und sofort den Sitznachbarn fragen: „Hier ist Römische Rechtsgeschichte 1, oder?“


Ja Mann, aber eben erst in einer Viertelstunde! Du bist zu früh, du Ersti!
Das ist die erste Lektion, die wir lernen müssen: Wenn wir halt viel zu früh kommen und jede Art von akademischer Tradition ignorieren, müssen wir dem Prof auch mal eine Viertelstunde dabei zuschauen, wie er die Kugelschreiber in seinem Mäppchen sortiert. Großen Spaß hatte ich schon an einem Dozenten, der demonstrativ bis Punkt Viertel nach in aller Ruhe ein Buch gelesen hat.

Noch ein Merkmal des Erstis: Das hektische Eintreten in Räume. Als könnten wir es nicht abwarten, dass ein Seminar zur Statistik endlich losgeht, quetschen wir uns zu zwanzigst durch einen Türrahmen und lassen dabei jede Art von Würde hinter uns. Ein Menschenschwall, der sich aus dem KG 3 auf den Kontakthof erbricht? Immer Erstis.

Noch wichtiger: Das Blockieren der Drehtür in der UB. Die Drehtür am Haupteingang der Unibibiliothek hat einen nützlichen und vermutlich auch vorgeschriebenen Sicherheitsmechanismus: die Türen hören auf, sich zu drehen, wenn jemand dem Sensor zu nah kommt. An sich simpel. In der Realität ist es schier unmöglich, auch nur ein einziges mal ohne Unterbrechung durch die Tür zu gehen. Schuld daran  - natürlich - Erstsemester. Wir glauben: Wenn wir schneller als die Drehtür laufen, kommen wir auch schneller rein.



Letztes Merkmal des Erstis: Absurd große Mengen an Flüssigkeit mit sich tragen, vor allem bei den weiblichen Erstsemestern sehr beliebt. Als wären wir besorgt, dass die Vorlesung unvorhergesehen 17 Stunden dauert und eine spontane Trockenperiode über Freiburg einbricht, nehmen wir Teekannen so groß wie das Saarland mit in die Uni.

Irritiert haben mich übrigens die urban legends zur Uni, die sich so erzählt werden. Sex in den Sitzbereichen der UB, echt passiert? Und ehrlich wahr, dass der Rektor jedes Jahr ein neues Nummernschild ans Auto bekommt: FR - UF - und dann die Jahreszahl, die die Uni schon besteht?

Keine Legende ist, dass die Uni es für eine gute Idee hält, die UB erst fertig zu bauen, wenn die Studenten schon drin sitzen und arbeiten müssen. „Lasst uns die richtig lauten Arbeiten erst zu Semesterbeginn machen, klingt super, oder?“

Ich habe nie jemanden mit mehr Freude „Kann gleich nochmal laut werden!“ über die Etage rufen gehört, als den Typen, der im fünften Stock diese Woche mit einem Schlagbohrer Löcher in die Wand bohrt. Ich bin dein Fan, Bohrer-Typ. Wenn Du willst, darfst Du einen Schluck aus meiner riesigen Teekanne haben.

Zur Person



Bisher war Sophie Passmann (21) hauptberuflich Moderatorin, zum Beispiel beim Poetry-Slam im Café Atlantik. Jetzt fängt sie ihr Studium in Freiburg an – vor allem, weil sie im Kino auch endlich mal den ermäßigten Ticketpreis bezahlen möchte. In ihrer Kolumne schreibt sie jede Woche von dem neuen Leben, das sie als Erstsemester jetzt so führt.

Mehr dazu:

[Foto 1: Sophie Passmann, Foto 2: Jule Markwald]