Sonntag: Stadtrundgang zum Okkultismus in Freiburg

Bernhard Amelung

Können Menschen mit übersinnlichen Fähigkeiten bei der Aufklärung von Verbrechen helfen? Wo sind Bühnenhellseher im Freiburg des 19. Jahrhunderts aufgetreten? Diese und andere Fragen behandelt am Sonntag ein Stadtrundgang zum Thema Okkultismus in Freiburg:



Veranstaltet wird der Stadtrundgang vom Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP) zusammen mit Sylvia Paletschek vom Historischen Seminar der Universität Freiburg. Zwölf Studierende haben im Wintersemester 2013/2014 im Rahmen eines Hauptseminars die Stadt Freiburg als sogenannten 'locus occultus' untersucht. An zwölf über das Stadtgebiet verteilten Stationen berichten sie von ihren Forschungsprojekten und stellen ihre Ergebnisse vor."


Gedanklicher Ausgangspunkt war ein Bericht aus dem Jahr 1986 mit dem Titel 'Freiburg - locus occultus'. Verfasst hat ihn der Journalist Albert Sellner. Er beschrieb Freiburg als Stadt mit einer blühenden Esoteriklandschaft. Er machte das unter anderem an der Vielfalt esoterischer Klein- und Kleinstverlage, Lebenshilfe- und Heilangebote fest", sagt Uwe Schellinger, wissenschaftlicher Mitarbeiter am IGPP.

Die Referentinnen und Referenten näherten sich diesem Thema aus dem Blickwinkel der Sozial- und Wisenschaftsgeschichte an. Die Jahre 1880 bis 1945 bilden einen besonderen Schwerpunkt, also die Zeit vor Gründung des IGPP. Sie haben Quellen wie Telefonbücher und Branchenverzeichnisse, Zeitungsanzeigen, Aushänge oder sonstige Veröffentlichungen ausgewertet.

"Ihre Untersuchungen zeigen, dass es ein großes Angebot an Veranstaltungen zum Thema Geistheiler oder Magnetopathie gab. Heute könnte man das mit Vielfalt an alternativen Heilmethoden vergleichen", so Schellinger. Ein Blick in die damalige Presse zeige, dass das Okkulte gar nicht so verborgen war. "Die Protagonisten waren bekannt. Sie haben ihre Angebote über Anzeigen verbreitet. Das Echo der Presse war durchgängig positiv."



So führt der Stadtrundgang am Sonntag zum Beispiel in die Humboldtstraße. Dort, im Haus Nummer 3, befand sich in den 1920er Jahren der Veranstaltungsort Gambrinushalle - Colloseum, in dem auch ein Kino untergebracht war. Das zeigte unter anderem den Film "In den Sternen steht's geschrieben" der Freiburger Astrologin und Graphologin Elsbeth Ebertin (im Bild) - wegen ihrer offenen Sympathien zu Adolf Hitler eine heute umstrittene Person.

Ein weiterer Ort wird das Augustinermuseum sein, von 1823 bis 1923 Heimat des "Städtischen Theaters". Dort traten regelmäßig Bühnenhellseher und Energieseher auf. "Die Presse berichtete über diese Veranstaltungen und fragte, ob ihr Wirken bloß fauler Zauber oder wahre Magie sei", sagt Schellinger.

Zwei bis zweieinhalb Stunden soll der Stadtrundgang dauern, der auch ans Münster und zum Amtsgericht am Holzmarkt führt. Dort öffnen Studierende Prozessakten aus dem Jahr 1928. Sie geben Einblick in die Strafsache gegen den Bühlertäler Rudolf Friedrich Hebel, der im Hochschwarzwald die beiden Lehrerinnen Ida und Luise Gersbach aus Mannheim ermordet haben soll. Der Fall ist als "Mord an der Weißtannenhöhe" in die Geschichte eingegangen und behandelt auch die Frage, ob Menschen mit übersinnlichen Fähigkeiten bei der Aufklärung von Verbrechen mithelfen können.

Mehr dazu:

Was: Freiburg - locus occultus: Ein Stadtrundgang zu ungewöhnlichen Facetten der Freiburger Sozial- und Wissenschaftsgeschichte (1880-1945)
Wann: Sonntag, 9. März 2014, 11 Uhr
Wo: Treffpunkt: Eingang Kollegiengebäude IV, Platz der Universität [Fotos: Landesarchiv Baden-Württemberg / Stadtarchiv Freiburg]