Söll i in de Schwiiz studiere? Fragen und Antworten zum Studium in der Schweiz

Tamara Keller

Das Abi ist geschafft! Jetzt kann’s so richtig losgehen mit der Zukunftsplanung. Zugegeben, der Franken steht denkbar schlecht, aber trotzdem kann es für angehende Studierende im Dreiländereck attraktiv sein, bei unseren Nachbarn mit dem weißen Kreuz auf der roten Flagge die Hochschule zu besuchen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen:



Welche Fächer kann ich als Deutscher in der Schweiz studieren?

Eigentlich alle! Einzige Ausnahme ist das Medizinstudium, das nicht Teil des Lissabonner Abkommens ist und deshalb nur im Heimatland studiert werden kann. Das attraktive Sportstudium wird jedes Jahr auf eine feste Teilnehmerzahl von 100 Studierenden begrenzt. Wird diese Grenze überschritten, was bisher immer der Fall war, muss eine sportpraktische Aufnahmeprüfung absolviert werden. Laut Markus Diem, Studienberater an der Universität Basel, gibt es in der Schweiz übrigens keine Fächer, die es in Deutschland nicht auch gibt.

Welche Zulassungsrichtlinien gibt es?

Um in der Schweiz zugelassen zu werden, braucht man neben dem Zeugnis der allgemeinen Hochschulreife einen aktuellen Studienplatznachweis in der gewünschten Studienrichtung einer deutschen Universität. „Wenn man im Badischen wohnt und in Basel studieren möchte, dann muss man sich bei den dümmsten deutschen Unis bewerben“, sagt Studienberater Diem.

Für die Fächer Biologie und Pharmazeutische Wissenschaft ist dieser Nachweis Pflicht, in allen anderen Fachbereichen kann mit einer Durchschnittsnote von 2,5 (oder besser) der deutsche Studienplatznachweis kompensiert werden. Für Psychologie ist ein Durchschnitt von 1,5 (oder besser) erforderlich. „Da gibt es in der Schweiz aber ein Schlupfloch für Deutsche“, so Diem. „In Fribourg wird man mit einem Schnitt von 2,5 oder besser genommen.“

Wie kann ich mich bewerben?

Bis zum 30. April kann man sich schweizweit für das Herbstsemester und bis zum 30. November für das Frühlingssemester bewerben. Eine Ausnahme gibt’s beim Sport: Wegen der Aufnahmeprüfung kann man sich jeweils nur für das kommende Herbstsemester bis Mitte Februar bewerben. Die Anmeldung erfolgt an den meisten Schweizer Unis komplett online. Nach Abschluss der Anmeldung erhält man per E-Mail einen Antrag auf Zulassung zum Studium. Die Bewerbung ist erst gültig, wenn man diesen mit dem Abiturzeugnis und dem Studienplatznachweis bis zur Anmeldefrist einschickt.

Da die Fristen in Deutschland und der Schweiz unterschiedlich sind, ist es kein Problem, bis zum 31. August die erforderlichen Unterlagen nachzureichen. Auch nach der Frist kann man sich noch einschreiben, dann werden allerdings 150 Franken extra fällig.

Was kostet das?

Mit der Anmeldebestätigung per Post liegt auch ein Einzahlungsschein im Briefkasten. Man muss 100 Franken Anmeldegebühr bezahlen, sonst wird die Bewerbung nicht weiter bearbeitet. Pro Semester zahlt man in Basel 850 Franken Studiengebühren. Gerade wegen der aktuellen Frankenstärke sind laut Markus Diem die Studiengebühren für die meisten Deutschen kostenneutral: „Der Mindestlohn, den ein Student bekommt, liegt bei 20 Franken pro Stunde. Man lebt am besten zu Europreisen in Deutschland und arbeitet in der Schweiz.“ Günter Michels von der Arbeitsagentur Lörrach sieht die Gebühren klar als einen Nachteil: “Sie sind schon schwer zu stemmen.“

Tipp: Die Anmeldegebühren kannst du direkt am Studiensekretariat mit der Kreditkarte bezahlen. Die Semestergebühren hebst Du am besten in Bar ab und zahlst sie mit dem Einzahlungsschein auf der Postbank ein. So entgehst du unnötigen Zusatzkosten, die entstehen, wenn du aus Deutschland in die Schweiz überweist.

Kriegt man einen Wohnheimplatz?

„Einen Wohnheimplatz bekommt man als Deutscher, als Schweizer oder als Chinese“, sagt Markus Diem. Es gibt aber keine Statistik darüber, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, einen Wohnheimplatz zu bekommen. „Die Wohnheime sind aber nicht besonders beliebt. Die werden eher als Übergangslösung genommen.“ Für ein Wohnheim-Zimmer zahlt man um die 400 Euro.

Wie läuft das Studium ab?

Das Herbstsemester startet Mitte September und endet im Dezember. Das Frühlingssemester beginnt im Februar und ist pünktlich zum Sommer, Ende Mai, abgeschlossen. „Ein wesentlicher Unterschied ist, dass die Schweizer das Bologna-System viel liberaler umgesetzt haben, als die Deutschen. Man hat viel mehr Wahlmöglichkeiten und innerhalb des Studiengangs ist der Ablauf viel weniger festgeschrieben“, sagt Diem. Jedoch kommt das auch wiederum auf das Fach an.

In Basel sind Studienfächer wie Theologie, Medizin, Psychologie, Sport, Wirtschaft, Naturwissenschaft und Jura in der Regel an einen festen Stundenplan mit Teilfächern und Schwerpunkten gebunden, der jedoch auch einen kleinen Wahlbereich beinhaltet. Günter Michels von der Arbeitsagentur in Lörrach sieht einen großen Vorteil in den kleineren Seminaren: „Man ist viel näher an den Professoren dran, als in Deutschland.“

Gibt es Vorlesungen auf Schwiizerdütsch?

Nein. „An der Uni Basel sind 20 Prozent der Studierenden und 40 bis 50 Prozent der Dozierenden Deutsche. Das gibt es einfach nicht“, sagt Studienberater Diem.

Was kostet die Mensa?

In der Mensa in Basel gibt es täglich drei Menüs zur Auswahl: Fleisch, Veggie oder Pasta. Dazu kann man sich einen kleinen Salat, eine Portion Apfelmus, eine Suppe oder einen Saft aussuchen. Mit dem Studentenausweis zahlt man 7.50 Franken. Etwas teurer ist’s bei der Pasta und am Buffet – hier wird nach Gewicht abgerechnet.

Was kriegt man als Student billiger?

Mit dem Studentenausweis (Schweizerdeutsch: „Legi“) kann man auch Rabatte außerhalb der Mensa abstauben: Am Unisport nimmt man größtenteils kostenlos teil. Auch das Vorzeigen in Kinos und Buchhandlungen lohnt sich. Außerdem ist der Legi die Eintrittskarte in die Sku-Bar (Bar der studentischen Körperschaft), wo man bereits am Donnerstag ein bisschen „Usgang“-Luft schnuppern und günstig Getränke aller Art konsumieren kann.

Wer kann mir weitere Infos geben?

Gerd Michel von der Arbeitsagentur empfiehlt Möchtegern-Studis, sich direkt an die Uni in der Schweiz zu wenden, an die man möchte: „Jede Uni hat andere Vorstellungen.“ Die Telefonnummer und Kontaktdaten zur Studienberatung sind auf den jeweiligen Websites zu finden. Ist man sich noch unsicher, empfiehlt Michel, zuerst eine Studienberatung in Deutschland zu machen.



Wie studiert es sich eigentlich in der Schweiz?

Anja Matt (20) aus Waldshut
4. Semester Soziologie und 2. Semester Medienwissenschaften

„Ich finde es voll cool. Die Schweizer sind ja unsere Nachbarn und mir macht es Spaß zu erkennen, dass sie in manchen Sachen mega anders sind. Für die Uni Basel habe ich mich entschieden, weil ich überlegt habe, was billiger ist: Wenn ich jetzt in eine andere Uni gehen würde, müsste ich ja umziehen und dann zahl’ ich nicht nur den Weg dahin, sondern auch die Wohnung. Rechne ich die Studiengebühren auf einen Monat plus Zugticket runter, komme ich günstiger weg. Ich finde gut, dass es eine kleinere Uni ist und dass sich die Dozenten gut um einen kümmern.“

Kevin Hong (20) aus Weil am Rhein
2. Semester Sport
„Die Eingangsprüfung für Sport war wesentlich schwieriger als in Deutschland. In Deutschland konnte ich aufgrund meines Abiturs ein paar Disziplinen aussortieren. In der Schweiz musste ich alle Prüfungen in allen Teildisziplinen ablegen. Ein Grund hier zu studieren ist erst mal der Weg. So bin ich schnell an der Uni und ich kann zu Hause leben. Woanders hätte ich noch eine Wohnung suchen müssen und das hätte ich mir nicht leisten können.“

Laura Hund (21) aus Eimeldingen
4. Semester Wirtschaftswissenschaften
„Mir gefällt’s hier relativ gut, es sind ja auch sonst viele deutsche Studenten hier. Schweizer Kontakte habe ich bisher nicht so viele. Aber jetzt im Aufbaustudium, ab dem 3.Semester, lernt man doch mehr Schweizer kennen. Das Gute an der Uni Basel ist, dass man in Wirtschaftswissenschaften die Möglichkeit hat, VWL und BWL zu studieren, und sich dann im Aufbaustudium für eine Richtung zu entscheiden.“

Markus Petri (20) aus Weil am Rhein
4. Semester Chemie
„Es ist nichts besonderes daran, in der Schweiz zu studieren. Man fühlt sich aber mit dem Dreiländereck schon mehr verbunden. Gerade in Chemie sind es relativ wenige Studenten in Basel und die Hörsäle sind nicht so überfüllt wie in Deutschland.“

Elsa Himmer (22) aus Hamburg
5. Semester Kunstgeschichte, war zum Herbstsemester 2014 in Basel

“Ich habe die Entscheidung, an der Uni Basel für ein Semester zu studieren, wegen des Schwerpunkts des kunstgeschichtlichen Seminars getroffen. Mit dem Fokus auf philosophisch-historische Fragestellungen unterscheidet sich dieser von dem in Hamburg und hat mir somit nochmal eine neue Herangehensweise an mein Studienfach ermöglicht. Die Schweiz ist mit seiner Vielzahl an renommierten Ausstellungshäusern ein Grund für ein Auslandssemester gewesen. Mir gefiel die überschaubare Größe des Seminars. Dadurch war ein intensives Lernen in enger Zusammenarbeit mit den Dozenten möglich. Die Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Herangehensweisen und eine Auffassung der Universität als gemeinsamer Ort des Lernens, an dem durch den Austausch zwischen Lehrenden und Studenten neues Wissen generiert wird, fand ich toll."

Mohamed Hasnaoui (25) aus Bad Bellingen
3. Master-Semester Jura
„Ich hab’ mal für kurze Zeit in Freiburg außerfakultär studiert. Es ist schon ein Unterschied, wenn du für sieben Euro essen gehen kannst. Hier zahlt man mindestens 20 Franken. Gerade was Jura anbelangt hast du hier als Student mehr Freiheiten. Die deutschen Jurastudenten müssen deutlich mehr machen, aber das liegt auch am Recht: Das Deutsche ist schwieriger zu verstehen, das Schweizer ist etwas volkstümlicher gehalten. Ein weiterer Vorteil ist die Sauberkeit. Also wenn man in Freiburg auf die Toilette geht, da denkt man echt, man ist in einem Dritte-Welt-Land. Hier ist es so sauber, du könntest von der Klobrille essen.“

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[Illustration: Nils Oettlin, Fotos: Tamara Keller]