So würden 12 Studenten aus aller Welt Freiburg verbessern

Nora Ederer

Es ist schön in Freiburg. Das finden auch internationale Studierende, die aus aller Welt zu uns kommen. Hier verraten zwölf von ihnen, was ihnen nicht so gut gefällt.

Jae Hyun, (19), geboren in Seoul, Südkorea; aufgewachsen in Perth, Australien:

"Das Nachtleben in Freiburg ist nicht sonderlich aufregend. Du kannst entweder zu Techno tanzen oder zu Techno... Ich vermisse die einfach zugängliche Live-Musik in Perth und die florierende junge Kunstszene dort. Auch die Essensmöglichkeiten in Freiburg sind sehr eingeschränkt. Ich würde mir ein bisschen mehr Street-Food-Kultur wie in Korea wünschen."


Alberto, (23), aus Granada, Spanien:

"Der größte Unterschied zwischen Granada und Freiburg sind die Lebenshaltungskosten. In Spanien sind die Preise niedriger, was einen großen Einfluss auf das Studentenleben hat. Zum Beispiel gibt es in Granada keine Probleme, eine Wohnung zu finden. Innerhalb eines Tages findet man ein anständiges Zimmer für 160 bis 250 Euro pro Monat.

Ich finde, der Wohnungsmarkt in Freiburg ist ziemlich schlecht, was vor allem neu ankommenden Leuten aus dem Ausland große Probleme bereitet. Es geht mir nicht darum, das günstige Granada zu verklären. Aber der Fakt, dass Dinge wie Miete, Partys, Essen und Trinken in meiner Heimatstadt billiger sind, verbessert das Ambiente der Stadt.

Es macht die Menschen sozialer und füllt die Straßen mit Leuten, die es genießen, dort ihre Freizeit zu verbringen."

Maria, (21), geboren in Trujillo, Peru, aufgewachsen in Charlotte, North Carolina, USA:

"In den USA gibt es für Schüler und Studenten Fitnessstudio-Abos für 10 Dollar im Monat. Die Studios sind natürlich nicht hochmodern, aber immerhin eine Trainingsmöglichkeit. In Freiburg kostet das günstigste Studio, das ich finden konnte, 25 Euro pro Monat.

Meine Lieblingssache an Charlotte sind außerdem die 24-Stunden-Cafés. Nach einer langen Nacht will man oft einfach irgendwo essen und chillen. Das ist so gut wie unmöglich hier, weil scheinbar alles um 8 Uhr abends schließt. In Charlotte gibt es günstige Cafés und Diners, die rund um die Uhr geöffnet haben – mit gemütlichen Sofas und Wifi, Kaffee und Pfannkuchen. Meiner Meinung nach ist das ein Must-Have für eine Studentenstadt!"

Alan, (21), aus Canberra, Australien:

"Die wahrscheinlich nervigste Sache an Europa ist, dass man oft Geld bezahlen muss, um öffentliche Toiletten benutzen zu dürfen. In Australien sind sie immer umsonst."

Hannah, (20), geboren in Düsseldorf; aufgewachsen in Windhoek, Namibia und Cape Town, Südafrika:

"In Südafrika gibt es großartige Weingüter, die sehr gutes und vergleichsweise billiges Essen anbieten. Meine Eltern und ich sind mindestens drei bis vier Mal pro Woche Essen gegangen und es hat nur um die 350 Rand für uns alle zusammen gekostet. Das sind umgerechnet etwa 20 Euro."

Ordnung ist scheinbar wichtiger als Freundlichkeit. Campbell

Campbell, (19), aus Santa Fe, New Mexico, USA:

"Es ist schwer, die Herzlichkeit der Leute in Santa Fe zu übertreffen, aber hier kommt es mir oft so vor, als würde ein einfaches Lächeln in der Tram oder ein Gespräch mit einer Kassiererin als verrückt oder flirty aufgefasst werden. Manchmal scheint es mir, dass der einzige Weg, um ins Gespräch mit Einheimischen zu kommen ist, Regeln zu brechen – wie zum Beispiel bei Rot über die Ampel zu gehen. Ordnung ist scheinbar wichtiger als Freundlichkeit."

Lincy, (19), aus Hong Kong:

"Ich mag die öffentlichen Verkehrsmittel in Freiburg nicht sonderlich. Meiner Meinung nach sollte man die Verkehrsanbindung mancher Stadtteile verbessern. Ich habe in Haslach gewohnt und mit der Tram eine halbe Stunde gebraucht, um ins Zentrum zu gelangen. Das Problem war, dass ich zehn Minuten zur nächsten Haltestelle laufen musste.

Es ist schön, dass es eine VAG-App gibt, um die Abfahrtzeiten zu checken. Allerdings sind die Bahnen und Busse vor allem nachts oft ein bisschen zu früh oder zu spät. Deshalb finde ich es oft schwierig, sie rechtzeitig zu erwischen."

Tacos kosten in Freiburg zwei Euro! Ein Sakrileg! Sean


Sean, (19), aus Asheville, North Carolina, USA:

"Asheville hat haufenweise gute Restaurants. Das vermisse ich hier wirklich sehr. Ich habe hier noch kein BBQ-Restaurant gesehen. Eine wahre Tragödie! Außerdem vermisse ich preiswertes mexikanisches Essen. Tacos kosten in Freiburg zwei Euro! Ein Sakrileg!"


Sabine, (22), aus Riga, Lettland:

"Was ich in Freiburg am meisten vermisse, sind die sozialen Kneipen-Erfahrungen. Hier in Deutschland gehen die Leute in einer festen Gruppe in Bars und bleiben unter sich – bis es Zeit ist, wieder nach Hause zu gehen. In Riga hingegen erlebt man eine magisch-betrunken-soziale Verstreuung: Wir gehen zwar auch mit Freunden in Kneipen, aber dann fusionieren wir mit ganz anderen, gegensätzlichen Gruppen. So wird ein bescheidener Student vielleicht der beste Freund eines Fischers, Anwalts oder Finger-Malers – nur für eine Nacht."

Abdur, (20), aus Islamabad, Pakistan:

"Es ist eine Schande, dass eine Stadt, die eine derart große Anzahl an Studenten beheimatet, keine Geschäfte oder Kioske hat, die 24 Stunden am Tag geöffnet haben. Zugegeben, in Pakistan gibt es auch Vorschriften was das angeht, aber der ungezwungene Umgang damit macht das Ganze erträglicher. Ich bin mir bewusst, dass es Regeln und Vorschriften geben muss und dass es auch seine Vorteile hat, aber meiner Meinung nach gäbe es hier Spielraum für Verbesserungen."

Ich schätze, nun ist es an der Zeit, selbst kochen zu lernen. Mohiuizi

Mohiuizi, (25), aus Shanghai, China:

"In Freiburg vermisse ich ein bisschen die vielfältige, internationale Atmosphäre. Shanghai ist die multinationalste Stadt Asiens. Es gibt unzählige Events der einzelnen Gemeinschaften und du triffst überall Leute aus aller Herren Länder in allen Altersgruppen. Dadurch lernt man dort viel mehr über andere Kulturen.

Was ich allerdings noch viel mehr vermisse, ist richtiges chinesisches Essen. In Freiburg gibt es zwar einige asiatische Restaurants, aber – wie sagt man so schön – das ist kein Vergleich! Naja, ich schätze, nun ist es an der Zeit, selbst kochen zu lernen."

Christina, (21), aus Athen, Griechenland:

"Eines der ersten Dinge, die mir aufgefallen sind, war, dass unserer kleinen, süßen Stadt gute Clubs fehlen. Es gibt nur ein paar vernünftige Bars und Clubs, die lange geöffnet haben. Meistens haben sie allerdings auch ein ziemlich eintöniges Musik-Programm.

Ich komme aus einer Stadt, in der die Bars und Clubs mindestens bis sieben Uhr morgens voll mit Menschen sind. Jede Woche gibt es zahlreiche Events mit verschiedenen DJs und Bands, die alle erdenklichen Musikgeschmäcker von Rock über Hip-Hop und Charts bis hin zu Techno abdecken.

Das Problem mit dem Freiburger Nachtleben ist, dass es pro Monat vielleicht ein richtig cooles Event gibt. In der Regel ist das dann aber überfüllt. Ich weiß, dass Freiburg eine kleine Stadt ist, aber ich würde es sehr schätzen, wenn wir mehr Optionen hätten.

Vielleicht sollten wir Studenten das aber auch einfach selbst in die Hand nehmen und in kleineren Gruppen Events organisieren, die unserem Geschmack entsprechen."