So wird Freiburg 2014: fudders total unernsthaft-ernsthafte Jahresvorschau

Carolin Buchheim & Manuel Lorenz

Genug der Rückschau! Es ist Zeit, darüber zu reden, was dieses neue Jahr bringen wird. Die fudder-Redaktion wagt die Prognose:



Januar

“The Great Räng Teng Teng”- und “Dreieck”-Betreiber Christian Rotzler erringt vor dem Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg im Eilverfahren einen Sieg gegen die zwei Dutzend Anwohner, die gegen die Konzession für seine Diskothek “El Catedral” im ehemaligen “Klub Kamikaze” geklagt hatten. Endlich kann er die Traditionsdisko aufmachen. Als Geste der Versöhnung findet am Eröffnungsabend eine Kopfhörer-Party statt. Beim Polizeirevier Nord treffen trotzdem 17 Beschwerden ein - wegen “zu lauter Musik”.

Februar

fudder-Autor Konstantin Görlich findet in der Mensa Rempartstraße einen USB-Stick, auf dem sich das Drehbuch für den ersten Freiburg-Tatort “Nachtruhe” befindet. Der Plot: “Der Betreiber einer Diskothek im Bermudadreieck wird nach Lokalschluss erschlagen. Waren es radikal-konservative Nachtruheverfechter?” Er ähnelt weitestgehend einer Geschichte, die fudder-Nutzer Fabian L. im Dezember 2013 auf der fudder-Facebookseite gepostet hatte.

L. engagiert einen Anwalt und geht gegen den SWR vor. Glücklicherweise können sich L. und der SWR einigen. Der Deal: Es wird mindestens noch zwei weitere Freiburg-Tatorte geben, deren Drehbücher L. maßgeblich mitgestalten darf. Die vorläufigen Arbeitstitel: “Atomkräftle, Nein Danke!” und “Das Tofu-Komplott”.

März

Die Straßenbahnlinie 2 nach Gundelfingen wird eröffnet. Eine neu gegründete Bürgerinitative nutzt den Eröffnungstag zu weitreichende Protesten: “ZÄH” - hringer gegen Hipsterisierung - besetzt zeitweise die Tramgleise zwischen Hornus- und Tullastraße. Die Initiative wehrt sich gegen den massiven Zuzug von Hipstern in die Hochhäuser an der Alban-Stolz-Straße, die dort nicht nur die günstigen Mieten, sondern auch das urbane Flair und den instagramwerten Ausblick genießen. Zitat eines Alt-Zähringers: “Das Rollen der Langboards ist unerträglich laut. Und unten im Imbiss am Platz der Zähringer gibt es nur noch Fritz-Cola und Club-Mate. Das muss ein Ende haben.”

Die Yolo-WG “The Oh See” wagt die Gegen-Demo: “Röhren-Jeans sind kein Verbrechen!”, skandieren Bewohner und Gleichgesinnte. Erst die Polizei kann die Situation zumindest zeitweise entschärfen. fudder stellt eine Instagram-Foto-Galerie der beiden Demos online. OB Salomon: “Wir haben hier Nutzungskonflikte, die sich nicht lösen lassen.”

April

Henrik Springmann eröffnet in der ehemaligen, umgebauten Jackson-Pollock-Bar die Bar-Café-Restaurant-Lounge “Janoschtrumbel”. Hinter der Bar hängt kein Action-Painting-Gemälde mehr, sondern ein riesiges Gemeinschaftswerk von Janosch und Stefan Strumbel: ein Bild, auf dem Tigerente und Bambi, der kleine Bär und ein Schwarzwaldmädel in Schwarz-Gelb-Pink-Hellblau zusammenfinden. Dazwischen: Handgranaten, Gewehre, Messer, Kreuze. Auch auf auf den Strumbel’schen Kuckucksuhren, die überall herumhängen, janoscht es, was das Zeug hält.

Zur Eröffnung fliegen Herakut aus Los Angeles ein und malen an die Rückseite des Theaters ein Mural mit dem Titel “Don't Lose Your Grip On The Dreams Of The Past” - derselbe Titel, den ihr Stück trägt, das in der darauffolgenden Woche Premiere im Kleinen Haus feiert. Irgendwann taucht ein Typ in schwarzem Kapuzenpulli auf und will etwas an eine Wand anbringen - was genau, weiß später keiner mehr. Die Polizei wird gerufen, der Typ unverrichteter Dinge abgeführt. Später heißt es, es habe sich um Banksy gehandelt.

Mai

Anfang Mai feiert der SC Freiburg den Klassenerhalt auf dem achten Tabellenplatz mit einem rauschenden Fest auf der Dachterrasse des neueröffneten “Kaiser Joseph” im Sparkassenbau an der KaJo. Auf der Feier spielt eine Schwarzwaldkapelle. Die Bild-Zeitung verbreitet über ihren SC-Twitter-Account ein Foto der Party, das Christian Streich mit einem Bollenhut zeigt.

Außerdem im Mai: Überraschung bei der Kommunalwahl! Dank des Wahlrechts ab 16 wird die gerade erst gegründete Liste “Pro Nachtleben” drittstärkste Fraktion im Gemeinderat nach Grünen und CDU. “Wir konnten viele Erstwähler animieren”, sagt Daniel Schmitt. Vorwürfe, eine Ein-Themen-Politik zu betreiben, weist Schmitt von sich. “Wir müssen einfach noch viel lernen, aber stellen uns der Herausforderung.” Mit der Unterstützung von Linker Liste und GAF kann “Pro Nachtleben” schon wenige Wochen nach der Wahl ein erstes Wahlkampfversprechen einlösen: einen Generalablass für Plakatekleber.

Juni

Pünktlich zum Start der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien wird doch noch eine Lösung für das Public Viewing in Freiburg gefunden: Auf dem Flückigersee wird von einem Team von Fachleuten, die sowohl am Bau der Seebühne in Bregenz als auch am Bau der Allianz Arena beteiligt waren, ein 50x50m großer LED-Würfel auf dem See errichtet. Bis zu 15.000 Menschen können so vom Ufer des Sees aus die Spiele genießen. StuSie-Bewohnerinnen und -bewohner verschafft das Public Viewing unerwartete Nebeneinkünfte: Sie vermieten bei den Deutschland-Spielen ihre Fenster.

Juli

Am dritten Juli-Wochenende finden in Freiburg und Umgebung zwei Riesen-Veranstaltungen statt: Die Sea-of-Love-Nachfolgerin Sea You und das zweite Holi Color Open Air. Beide Veranstaltungen gehen ohne Probleme über die Bühne - vor allem auch deshalb, weil der Großteil der Feiermeute zum Fetepetete-Open-Air “Beats in der Allee” nach Waldkirch pilgert. Die Breisgau-S-Bahnen und RVF-Busse kollabieren zwar völlig, und die B 294 ist den ganzen Tag über komplett verstopft; die Stadt Waldkirch und ihre Einwohner sind aber überglücklich, lassen auf die Partypeople nichts Schlechtes kommen und streben an, das Wacken der elektronischen Clubmusik zu werden.

Die Badische Zeitung spricht am nächsten Tag von “über 20.000 Festivalbesuchern, die weitestgehend friedlich in der gesamten Stadt gefeiert haben”. Selbst die Afterhour in der Kastelburg, von der immer noch nicht geklärt ist, ob sie legal oder illegal war, sorgt für keinen Unmut. Oberbürgermeister Richard Leibinger: “Das war genau das Richtige, um das Elztal auch für jene jungen Menschen wieder attraktiv zu machen, die wir in den vergangenen Jahren an Städte wie Hamburg und Berlin verloren haben.” Im darauffolgenden Jahr soll das Festival zwei Tage dauern und zu “Beats im Tal” umbenannt werden. Die Stadt Elzach signalisiert Interesse, sich an einem solchen Event zu beteiligen.

August

Der neue Name des Dreisamstadions wird bekannt gegeben: Aus dem Mage-Solar-Stadion wird die “Europa-Park Arena”. “Arena” ist für das Dreisamstadion zwar eine überdimensionierte Bezeichnung, der Name soll mit dem Verein aber zum neuen Stadionstandort am Wolfswinkel umziehen. Der Verein zeigt auch seine neuen Trikots vor, für die der Farbverlauf-Look aus der Vorsaison weiterentwickelt wird: Die neuen Shirts kommen im mutigen Batik-Look daher, den angehende Kunstlehrer der nahen PH handgefärbt haben. “Damit können wir die Gegner perfekt ablenken”, freut sich SC-Stürmer Mike Hanke. Neuer Trikotsponsor wird der örtliche Saftproduzent Freundsaft.

September

Der Abriss der Kronenbrücke ist ein harter Schlag für die Freiburger Boulderszene. Immerhin wird ihnen eine Ersatzwand zugesprochen: die Apsis des Münsters. So will der Münsterbauverein mehr Geld zum Erhalt des Wahrzeichens sammeln, indem es ihm eine weitere Attraktion verleiht. Zum Ansporn wird der Boulderer wird ein neues Gipfelbuch auf den Münsterturm gelegt. Zeitgleich erhält der Freiburger Gassenkletterer Raffael Armbruster den Zuschlag, mit seinem Gewinn aus der TV-Show "Millionärswahl" in der Gerberau die erste Fachhochschule für Gassenkletterei zu eröffnen. 

Oktober

Nachdem man schon den gesamten Sommer über Studierende beim Sonnenbad in den Fensterreflektionen des “Todessterns” beobachten konnte, wird endlich die neue UB eröffnet. Bei einem rauschenden Ersatz-UB-Abrissfest in der Stadthalle, das der Asta organisiert hat, finden Studierendenvertreter geheime Dokumente, die belegen, dass der Umzug von Juristen und VWLern vom Kollegiengebäude II in die Stadthalle nicht temporär sein soll.

Die Universität hat das Gebäude an einen spanischen Investor verkauft. Das Audimax, die beiden Seminare und diverse Lehrstühle sollen für immer in der alten Stadthalle bleiben. Das KG II wird nicht renoviert, sondern abgerissen. An seiner Stelle baut der Investor eine Innenstadtmall mit nur fünf Mietern: der größten Zara-Filiale Europas, dem größten Primark Deutschlands, einem Burger King, einem KFC und einem Pizza Hut.

November

Schmitz Katze wächst weiterhin rasant. Nachdem die Bar bereits im Frühjahr den “Kubus” übernommen und dort einen weiteren Floor mit Minimal-Fokus eröffnet hat, verkündigt das Betreiber-Trio Kossmann-Ehret-Gut: “Die Haslacher gehört uns.” Schmitz Katze übernimmt das Gebäude der Schwarzwaldmilch sowie die Jazz und Rock Schulen, die auf das Gelände der Polizeiakademie an der Basler Landstraße ziehen. Aus der Schwarzwaldmilch wird die Großraumdisko “#catcontent”, deren musikalische Ausrichtung Kossmann als “das Beste der 60er, 70er, 80er, 90er, 00er und von heute!” bezeichnet.

Die Jazz und Rock Schulen werden vom Katze-Team in das Hotel “Kratzbaum” verwandelt, dessen Möbel komplett aus Sisal und rund 7.500 Europaletten selbst gefertigt werden. Ein Special-Deal mit Easy Jet, die einen Busshuttle zwischen dem Hotel und dem Euro-Airport einrichtet, verschafft der Katze Partybesucher aus ganz Europa. Liebevolle Bezeichnung: Easy-Cat-Set.

Dezember

In einem geheimen Trainingslager auf dem Schauinsland bildet der Ex-Freiburger Freefighter Pascal “Panzer” Krauss die Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD) in gewaltfreier Kommunikation und Deeskalationstechniken aus. Danach bezieht der KOD seine Stadtwache - im ehemaligen Burger King im Bermuda-Dreieck.

Der Verpächter der Räumlichkeiten, die Heilsarmee, ist heilfroh. Ein Mitglied, das seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, sagt: “Bei all den Partychaoten vor unserer Haustür hilft offenbar nur noch Gewalt. Jetzt haben wir die ‘Armee’ nicht mehr nur in unserem Namen, sondern auch in unserem Gebäude. Auch Jesus musste manchmal zu militanten Mitteln greifen, um Heil zu bringen: zum Beispiel, als er die Händler aus dem Tempel gepeitscht hat.”

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