So wird aus deinem Handy ein TV-Sender

Nikolai Worms

Bewegtbilder live übertragen, egal wo man ist! Das Freiburger Unternehmen Zaplive bietet einen Dienst an, mit dem ihr über das eigene Handy Fernsehbilder ins Netz streamen könnt. Wie das funktioniert, erklärt Nikolai.



Mit den in Weblogs veröffentlichten Artikeln, Kommentaren und Meinungen, dem so genannten Bürgerjournalismus, ist die schreibende Medienlandschaft bereits um eine riesige Masse an zusätzlichen Autoren bereichert worden.

Nun ist auch die letzte exklusive Bastion der "traditionellen" Medienhäuser gefallen: Die mobile Live-Berichterstattung in Bild und Ton benötigte bis vor wenigen Jahren noch mindestens einen gut ausgestatteten Übertragungswagen. Unternehmen wie das Freiburger Zaplive, mitverantwortlich auch für die erste Eishockey-Übertragung auf fudder, macht die Live-Sendung vom Handy aus möglich. "Obwohl wir mit Datenraten von unter 100 Kilobit pro Sekunde arbeiten, lassen sich da, zumindest aus unserer technischen Sichtweise, schon ziemlich erstaunliche Ergebnisse erreichen", findet Christian Steiger, Geschäftsführer von Zaplive. "Das gilt natürlich vor allem für die Übertragung per WLAN, aber auch die Qualität bei UMTS-Übertragung ist überraschend gut."


Die Nutzung des kostenlosen Services funktioniert momentan allerdings nur mit einer beschränkten Auswahl an aktuellen Modellen, vor allem von Nokia, Panasonic, Samsung, Sony Ericsson, LG, Lenovo und Motorola. Zur Installation der von Zaplive bereitgestellten Streaming-Software muss das Gerät außerdem mit dem Betriebssystem Symbian OS laufen.

Der Stream wird mit der Handykamera aufgenommen und über einen WLAN-HotSpot oder den Internetzugang des Mobilfunkproviders (für die Übertragung können dann natürlich jeweils Kosten entstehen) auf die Zaplive-Seite übertragen; dort kann sich jeder die Live-Übertragung anschauen. Als Website- oder Blogbetreiber kann man die Sendung auf der eigenen Seite einbauen, oder bei den meisten Social Networks (Facebook, Myspace), bei vielen Bloganbietern (Blogger, WordPress) und auf dem Desktop (Vista Sidebar , Yahoo Widgets) veröffentlichen.

"Etwa ein Sechstel aller Übertragungen auf Zaplive kommen derzeit vom Handy, Tendenz steigend", so Christian Steiger. "Dabei wird momentan noch viel ausprobiert, viele Übertragungen sind Testvideos aus den eigenen vier Wänden. Auch aus dem Ausland wird der Service genutzt, wir haben Streams aus Indien, Venezuela, Spanien oder Peru."

Es wird sich zeigen, ob "Mobile Broadcasting" der technologisch nächste Schritt des Bürgerjournalismus ist, oder bloß als ergänzender Kanal genutzt wird. "Das Handy kommt immer ins Spiel, wenn man unterwegs ist, weil man da meistens keinen Computer mit Internetanschluss zur Verfügung hat. Ich kann mir Übertragungen von Konzerten, Sportveranstaltungen und Clubbesuchen vorstellen, oder man sendet statt einer Postkarte mal einen Livebericht vom Urlaubsort", erläutert der Zaplive-Chef. "Genauso könnte man das Mobiltelefon als zusätzlichen Übertragungskanal zu einer stationären Kamera nutzen; wenn zum Beispiel von einem Konzert übertragen wird und man mit dem Handy einfach mal näher an die Bühne gehen will."

Der erfolgreiche Blogger Robert Scoble ließ uns letztes Jahr per Twitterei vom Handy an der Geburt seines Sohnes teilhaben, vielleicht gibts ja beim nächsten Kind eine Live-Übetragung aus dem Kreißsaal?

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