Nachtleben

So war’s beim Kongress zur Subkultur in der Mensabar

Gina Kutkat

Was hat ein Jahr Popsupport gebracht und wie steht es um das Raumproblem? Diese Fragen wurden beim Kongress der IG Subkultur in der Mensabar diskutiert. Konkrete Lösungen gab es noch nicht – die IG Subkultur gründet nun einen Verein.

Die Clubsituation in Freiburg und besonders das drohende Aus des White Rabbit hat die IG Subkultur veranlasst, einen zweiten Kongress zu veranstalten. Nachdem 2017 die Lage der Subkultur in Freiburg diskutiert wurde, zog das Bündnis am Samstag vor etwa 40 Zuhörenden erneut Bilanz.


Unter dem Motto "Kein Raum für Kultur" suchte die Interessengemeinschaft nach Lösungen. Freiburgs Popbeauftragter Tilo Buchholz berichtete von 13 Monaten Popsupport. Die IG Subkultur hatte seine Stelle im Jahr 2017 auf den Weg gebracht, später aber die Besetzung kritisiert. "Die Bilanz ist verhalten positiv", sagt Buchholz in der Mensabar. Musiker, DJs und Veranstalter würden sich an ihn wenden, wenn sie Beratung bei der Raumsuche oder der Gründung eines Labels bräuchten. "Es gibt aber noch nichts, wofür ich mir auf die Schulter klopfen könnte", so Buchholz.

Ein neuer Entwurf für das Musikerhaus

Die Suche nach Räumen für nicht-kommerzielle aber auch kommerzielle Veranstaltungen sei schwierig, die Zwischennutzung in leerstehenden Gebäuden könnte eine Lösung sein. Buchholz verkündete Neues vom geplanten Musikerhaus am Güterbahnhof: Hier sei ein neuer Entwurf vorgelegt worden. Vertreter des Vereins Multicore, die im Publikum saßen, bemängelten die fehlende Kommunikation von Seiten der Stadt. Buchholz will dafür seine Scharnierfunktion noch mehr nutzen. Dabei habe sich in den Köpfen der Verwaltung etwas geändert. "Die Stelle kommt langsam an, aber ich schaffe nicht alles." 20 Wochenstunden widmet Buchholz der 50-Prozentstelle, die bei der FWTM angesiedelt und zunächst auf zwei Jahre angelegt ist.

Impulse und Motivation gab es von Marc Wohlrabe, Mitinitiator der Clubcommission in Berlin, einem Zusammenschluss von Berliner Club-, Party- und Kulturveranstaltern. "Wir brauchen zwei bis drei Jahre, um etwas durchzusetzen", so Wohlrabe. 230 Mitglieder hat der Verein aktuell. Dieser führt Studien zur Clubkultur durch, initiiert Aktionen im Berliner Nachtleben und nimmt Rücksicht auf die Sichtweise von Ämtern. Um das Lärmschutzproblem anzugehen, hat die Commission beispielsweise ein Berliner Clubfenster entworfen, Vorbild sind die Lärmschutz-Fenster der Hamburger Hafencity.

IG Subkultur gründet Verein

"Die Dualität von Lobbyarbeit und Demos ist wichtig", kommentiert Wohlrabe die Demo für den Erhalt der Freiburger Subkultur, die von der IG Subkultur Ende November organisiert worden war. Seiner Meinung nach müsse es einen aktiven Dialog zwischen den Kulturschaffenden und der Verwaltung geben. Der Vorschlag: Mehr Menschen aus dem Nachtleben in den Gemeinderat oder in Netzwerke wie die IHK bringen.

In der anschließenden Podiumsdiskussion mit Marc Wohlrabe, Rapperin Suza, Stadtrat Timothy Simms, Bürgermeister Ulrich von Kirchbach und Yvonne Morick von der IG Subkultur ging es um den teuren Freiburger Wohnungsmarkt, der auch Druck aufs Nachtleben ausübe. Ulrich von Kirchbach sprach von einer "dramatischen Situation". Man müsse "mehr Gehirnschmalz verwenden", um nach Lösungen für das Raumproblem zu suchen. Die Zukunft des White Rabbits sei nicht chancenlos, so von Kirchbach.

Um sich mehr Gehör zu verschaffen, will die IG Subkultur nun einen Verein gründen, wie Pressesprecherin Yvonne Morick verkündete. "Wir wollen uns breiter aufstellen und Bars und Clubs fördern", sagt Morick. Dranbleiben ist angesagt.

Mehr zum Thema: