Freiburg-Landwasser

So versucht der Verein Bretterbude, elektronische Musikkultur abseits des Mainstreams zu fördern

Simon Langemann

Der Freiburger Verein Bretterbude engagiert sich für mehr Vielfalt in der elektronischen Musikszene. Ein Besuch bei den Vorständen Björn Peng und Sven Weis im ungewöhnlichen Vereinsheim in Freiburg-Landwasser.

David Thiehoff und Sven Weis stehen im schmalen Eingangsbereich ihres Kellers. "Hier entsteht gerade eine Werkstatt", sagt Thiehoff, besser bekannt als Björn Peng. Bald können die Mitglieder hier selbständig Modular-Synthesizer bauen, Plattenspieler reparieren oder sonstige Löt- und Bastelarbeiten verrichten.


Ein weiteres Angebot der Bretterbude, einem Verein zur Förderung der elektronischen Musik, der sich unter anderem mit Synthesizer-Treffen, DJ-Kursen, Producer-Workshops und Partys einen Namen gemacht hat. Gegründet haben ihn eine Handvoll Szenevertreter, die sich im Mainstream nie zuhause gefühlt haben.

Sven Weis gehört zu jener Gruppe, auf deren Idee das Konzept Bretterbude zurückgeht. 2015 nisten sich die Gründer in den damaligen Räumlichkeiten des Jugendkulturzentrums Artik unter dem Freiburger Siegesdenkmal ein. Ebendort residiert auch Techno-Produzent Björn Peng in einem kleinen Studio – und stößt schon bald zur Bretterbude hinzu.

"Man hat schon eine Verantwortung für die Leute, die zu den Partys kommen." Björn Peng

Doch bald muss das Artik aus der alten Fußgängerunterführung ausziehen, die Verantwortlichen machen sich gemeinsam auf die Suche nach etwas eigenem. Eine Maklerin, deren Sohn selbst Musik produziert, kann den Vermieter einer Kellerimmobilie am Rande von Freiburg-Landwasser vom Konzept des Vereins überzeugen. Im Oktober 2016 erfolgt der Umzug. Die Bretterbude wird sesshaft.

Eine schmale Treppe führt vom Innenhof hinab ins Vereinsheim. Zwei Schritte weiter geht es rechts in Pengs Studio – ein gemütliches, sichtbar akustisch optimiertes Zimmer. Auf dem Laminatboden liegt ein schwarzgrauer Teppich, vor einer der Wände hängt ein dunkler Vorhang. Die Decke besteht aus mehreren leicht angeschrägten Flächen, auch die Rückseite des Raumes ist schief. "Je weniger parallele Wände, desto weniger stehende Schallwellen", sagt Peng, der all das selbst konstruiert und umgesetzt hat. Zudem sei das Zimmer mit Dämmmaterial akustisch entkoppelt – auch um die Nachbarn nicht zu stören: Die Bretterbude ist umgeben von Familien, Therapiepraxen und einem Handwerksbetrieb.

Das Studio ist kein exklusives Hoheitsgebiet

Durch ein kleines Fenster fällt Tageslicht ein. Die großen weißen Yamaha-Boxen beschallen den Raum mit einem nervösen Techno-Stück namens "LSD Problem". Das sei Frenchcore, erklärt Peng, eine Abwandlung des Happy Hardcore. Zu seiner Rechten türmen sich digitale und analoge Synthesizer auf. Hier hat der 38-Jährige schon zwei Alben produziert, zuletzt das Debüt "Aleppo" seines neuen Dark-Wave-Projekts Totengeläut. Doch sein exklusives Hoheitsgebiet ist das Studio nicht. Es sei so konzipiert, dass es jederzeit jemand anderes nutzen könnte.



Zurück in den Flur und vorbei an einem kleinen Büro geht es weiter in das Herz der Bretterbude: den Veranstaltungsraum. Helle Fliesen, schwarzes Sofa, weißer Couchtisch, drei Kunstlederstühle. "Alle wollen ihn immer dekorieren, aber ich bin dafür, dass er schön karg bleibt", sagt Peng. "Es soll ein Open Space sein, den man leicht umfunktionieren kann."

Es geht um das Teilen von Know-How

Hier findet etwa der regelmäßige DJ- und Producer-Stammtisch "Studio 5" statt, bei dem sich Musikschaffende sozial vernetzen können. Oder das Synthesizer-Treffen "Seq 5", das vor allem der Fachsimpelei dient. Oder das wohnzimmerkonzertartige Event "Szene 5", bei dem elektronische Musiker von außen ihre Projekte vorstellen – und den Anwesenden einen Einblick in die Klangerzeugung gewähren. Es geht, wie so oft in der Bretterbude, um das Teilen von Know-How.

Ein großer Tisch mit DJ-Equipment. Eine Bar mit Kühlschrank. Disco-Beleuchtung. Von holzvertäfelten Wänden oder selbstgeschreinerten Möbeln: keine Spur. Warum also der Name Bretterbude? Sven Weis denkt kurz nach. "Weil es brettert in der Bude", sagt der 29-Jährige. Wie Peng steht auch er, der unter dem DJ-Pseudonym Luedenscheidt auflegt, für eine eher harte Techno-Gangart. "Rough Thursday" heißt eines der Events, die er regelmäßig im Club White Rabbit veranstaltet. "Wichtiger als die Musik ist auf unseren Partys aber der Umgang zwischen den Menschen", sagt Weis. Das von manchen Veranstaltern verfolgte Motto "Hauptsache Techno" hält er für falsch. "Man hat schon eine Verantwortung für die Leute, die zu den Partys kommen", fügt Peng hinzu.

"Wichtiger als die Musik ist auf unseren Partys aber der Umgang zwischen den Menschen." Sven Weis
Eine diskriminierungsfreie und respektvolle Feierkultur – dazu gehört aus Sicht der beiden auch Gender-Diversität hinter dem DJ-Pult. Ein Vorhaben, mit dem man als Veranstalter in der Männerdomäne Techno nicht immer Erfolg hat. Die Bretterbude begegnet dieser Herausforderung auf ihre eigene Art: Seit 2018 sind die DJ-Workshops, bei denen man im Einzelunterricht erste Erfahrungen sammeln kann, für Frauen und LGBTIQ kostenlos. Männer bezahlen 50 Euro.

"Man kann mit nichts kommen und drei Stunden lang auflegen", sagt Sven Weis. Eigene Musik mitzubringen mache aber Sinn, weil die Übergänge dann leichter fielen. Es gehe weniger um Musikalität als um Leidenschaft. "Auch ohne super Taktgefühl kriegst du mit den technischen Möglichkeiten ein gutes Set hin", sagt Björn Peng. "Sich überhaupt auszuprobieren und die Hemmschwelle zu überwinden – darum geht es bei den Workshops."



Peng verabschiedet sich, er müsse jetzt mal mit dem Hund raus. Sven Weis ist gleich noch mit einer Freiburger Gemeinderatsfraktion verabredet. Zur Zeit bemüht sich der Verein um eine institutionelle Förderung, um unabhängiger von wirtschaftlich erfolgreichen Partys zu sein. Im Frühjahr wird abgestimmt. "Wir sind mitten in der heißen Phase", sagt Weis. Die Bretterbude hat noch viel vor.
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Bretterbude e.v

Verein zur Förderung der elektronischen Musik und Subkultur

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