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So sahen die Alternativentwürfe des neuen SC-Stadions aus

Wulf Rüskamp

Im Juli 2017 ist entschieden worden, wie das neue Stadion des SC Freiburg aussehen und wer es bauen soll. Doch von den alternativen Entwürfen hat die Öffentlichkeit bisher offiziell nichts erfahren.

Im Juli vergangenen Jahres ist entschieden worden, wie das neue Stadion des SC Freiburg aussehen und wer es bauen soll: das Osnabrücker Unternehmen Köster nach den Plänen des Düsseldorfer Architekturbüros HPP (ursprünglich Hentrich, Petschnigg und Partner). Vorausgegangen war ein im Jahr 2016 europaweit ausgeschriebener Wettbewerb. Doch von den alternativen Entwürfen hat die Öffentlichkeit bisher offiziell nichts erfahren.


Alle drei Architekturbüros kennen sich bestens aus mit Fußballbauten

Stadt und Sportclub, die sich für den HPP-Entwurf entschieden hatten, verweisen auf "schutzwürdige Interessen der unterlegenen Bieter", die mit ihren Freiburger Plänen anderswo antreten könnten.

Nun war dies allerdings kein üblicher architektonischer Ideenwettbewerb, sondern einer, in dem über das Angebot eines sogenannten Totalunternehmers und den von ihm präsentierten Stadionentwurf zu entscheiden war, es also stets um Funktionalität, Geld und Ästhetik bei diesem 76-Millionen-Projekt ging. In der Endauswahl unter nur noch drei (von insgesamt acht) Bewerbern gab es am Schluss einen Sieger und zwei, die übrig geblieben waren, ohne eine Reihenfolge festzusetzen.

Diese gleichsam Zweitplatzierten sind Entwürfe des Hamburger Büros Gerkan Marg und Partner (gmp), das mit der Züblin AG kooperiert hat, und des Büros agn mit Sitz im nordrhein-westfälischen Ibbenbüren, das mit dem Düsseldorfer Bauunternehmen BAM Sports zusammenarbeitete. Alle drei Architekturbüros kennen sich bestens aus mit Fußballbauten: HPP hat das Stadion in Wolfsburg geplant, gmp den Umbau des Olympiastadions in Berlin, agn die Sinsheimer Arena für die TSG Hoffenheim – um nur je eines ihrer Bauwerke in Deutschland zu nennen.

Der Stadionentwurf des Hamburger Büros gmp:



Doch das große Renommee ist nicht das einzige, was die Büros miteinander teilen. Sie alle packen das eigentliche Stadion unter ein großes Dach mit dem Hauptgebäude, das als Tagungsstätte und Veranstaltungsort – "Business-Club" nennt es gmp – über den Fußball hinaus dienen und eine zusätzliche Einnahmequelle für den SC Freiburg schaffen soll. Alle Entwürfe erfüllen selbstverständlich die Vorgaben der Auftraggeber: fast 35.000 Zuschauer Fassungsvermögen, eine Maximalhöhe von 25 Metern wegen des direkt benachbarten Flugplatzes und vor allem ein für ein derartiges Vorhaben eher enges Kostenkorsett.

Der Entwurf des Archtekturbüros agn:



Der Architekt plant ein Freiburger Äquivalent zur legendären Gelben Wand in Dortmund:



Verein und Fans sind mit dem Siegerentwurf zufrieden

Der Siegerentwurf wurde für seine Nüchternheit und seine Funktionalität gelobt, insbesondere von SC-Präsident Fritz Keller: "Die Architektur ist klar, reduziert und zeitlos – keine Architektenfürze." Unter dem viereckigen Dach formen die in zwei Ränge geteilten Tribünen ein Achteck, mit Zugängen unter den vier schmalen Eckseiten. So viel nüchterne Nützlichkeit stört den Fan nicht: "Es wird eng und es wird laut", lobt Keller.

"Hexenkessel": Das nannte auch Volkwin Marg vor fünf Jahren in einem Gespräch mit der BZ als Ziel seiner Stadionplanung. Er hat sich zwar aus dem aktiven Geschäft zurückgezogen, ein bisschen "Kessel" hat aber der Entwurf seines Büros gmp bewahrt: Anders als der Sieger zeigt er eine äußere ovale Grundform, was ihn aber nicht hindert, mit den Tribünen innen ganz nah ans Spielfeld zu rücken. Die obere Kante der Tribünen vollzieht eine Welle, die ihre Höhe jeweils in der Mitte der vier Längsseiten erreicht. Das wird einerseits mit der besseren Sicht für die Fans begründet, andererseits mit der Assoziation an die Berglandschaft des Schwarzwalds. Und die vertikale Fassadengliederung soll an die Stämme des Schwarzwalds erinnern.

Der Hexenkessel-Entwurf des Büros gmp von innen:



Diesen Bezug führt ebenfalls das Büro agn an, um für seinen Stadionentwurf die "Baum-Fassade" außen zu begründen – wobei das dünne Strebewerk auch statisch notwendig ist. Doch neben diesem Anknüpfen an die Region pflegt apn, wie das Büro selbst erklärt, in seiner Bauplanung eine internationale Architektursprache, die aber einen "hohen individuellen Wiedererkennungswert" besitze.

Beim Entwurf des Büros agn sollen die dünnen Säulen, die das Dach halten, als Fassade an Baumstämme erinnern:



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