So klappen Vortrag, Rede und Präsentation: Sechs Profis verraten ihre Tipps

Julia Mungenast

Diese Menschen sind Priester, Sporttrainer, Juristin, Lehrer, Debattant und Politiker. Jeder von ihnen muss regelmäßig vor immer anderen Menschen sprechen. Auch Schüler und Studierende müssen das in Schule und Uni oft tun, und vielen fällt nicht nur das Vorträge und Präsentationen halten schwer, sondern auch die Beteiligung im Unterricht. Unsere Rede-Profis erzählen von ihren Erfahrungen und geben Tipps:



Der Kaplan

Hochzeiten, Krankenbesuche, Taufen, Beerdigungen, Gottesdienste - Kaplan Marcel Brdlik ist redet fast jeden Tag vor einem anderem Publikum.

"Mir fällt es leichter, vor unbekanntem Publikum zu predigen, als vor Freunden und Verwandten", sagt der 31-Jährige, der seit Mai 2012 in Rastatt Kaplan ist. "Das liegt daran, dass ich in meiner Heimatgemeinde als der wahrgenommen werde, der dort Kommunionkind war. Es ist schwieriger, in einer neuen Rolle vor dem alten Publikum zu sprechen."

Seine Predigttexte schreibt der Kaplan selber, passend zu den Bibelstellen, die der liturgische Kalender vorgibt. Marcel ist es wichtig, die Predigten nicht abzulesen. "Dann bekommt man keinen Bezug zu denen, die zuhören", sagt der Kaplan. Mittlerweile schreibt er sich nur noch Stichworte auf. "Das geht jetzt ganz gut, aber das hätte ich mich am Anfang nicht getraut. Damals hatte ich Angst, den roten Faden, während der Predigt zu verlieren."

Rückmeldung bekommt der Seelsorger eher für den Inhalt seiner Rede, als für den Stil. "Gemeindemitglieder bitten mich um Rat oder Hilfe”, sagt Marcel. “Aber einmal bat mich auch jemand, das Mikrofon zu richten, weil er mich schlecht verstanden hatte.”

Schon als Teenager stand Marcel vor Publikum: in der Schultheatergruppe. "Es ist natürlich etwas anderes, eine vorgegebene Rolle und einen dazugehörenden Text im Theater zu haben, als etwas zu sprechen, das man selbst geschrieben hat", sagt er. "Bei einer Predigt bin ich selbst gefragt, dabei gebe ich auch viel von mir preis."





Der Lehrer

Wenn Jonathan Dinkel, Referendar an der Gewerbeschule und am Technischen Gymnasium in Lörrach eine Geschichtsstunde beginnt, dann tut er das oft mit einem Bild, Video, oder Tondokument. "Eine der ersten Phasen einer Unterrichtsstunde ist die Motivationsphase", sagt der 31-Jährige, der seit Januar 2012 sein Lehramtsreferendariat absolviert. "Ziel ist es, die Aufmerksamkeit der Schüler zu bekommen, und sie zu motivieren, am Thema mitzuarbeiten.”

Schon im Studium musste Jonathan Referate zu halten und Vorträge halten. "Der Unterschied war natürlich der, dass die Kommilitonen im Geschichtsseminar aufpassen wollten. "In der Schulklasse ist das nicht immer der Fall, da muss ich pädagogische Mittel einsetzen, um die Schüler dazu zu kriegen, mir zuzuhören."

Zum ersten Mal vor einer Schulklasse zu stehen - das kostete Jonathan Überwindung. "Damals dachte ich: ‘Jetzt schauen mich alle an, und wollen was Substantielles und Kluges hören.’" Im Verlauf des Referendariats wurde das leichter. Je besser er sich auf eine Unterrichtsstunde vorbereitete, desto leichter fiel sie ihm. Mittlerweile fühlt sich Jonathan im Klassenzimmer sicher. "Ich habe Strategien entwickelt, um mir sowohl die Aufmerksamkeit der Schüler zu sichern als auch um mir den Unterricht zu erleichtern." Plumpes Anbiedern funktioniert dabei nicht: "Wenn die Schüler merken, dass man Blödsinn erzählt, verlieren sie den Respekt."

Die Leistungen von Lehramtsreferendaren werden regelmäßig überprüft: "Kritik ist natürlich nicht angenehm", sagt Jonathan. "Ich hatte am Anfang die Strategie 'Augen zu und durch'. Aber ich weiß: Es gibt bestimmte Sachen, die man selbst nicht sieht. Und das sind nicht immer angenehme Dinge. Wenn man die gesagt bekommt, dann hilft es einem sehr, sich zu verbessern."



Die Juristin

Denise Cordes ist Rede-Profi. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin leitete die junge Juristin Arbeitsgemeinschaften und nahm an einem Moot Court teil, einem fiktiven Völkerrechtsprozess. Seit Oktober 2012 ist die Doktorandin Leiterin von 'Justitia Mentoring', einem Frauenmentoring-Programm der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg. In dieser Funktion muss sie regelmäßig vor vielen Leuten sprechen. Der wichtigste Schritt in der Vorbereitung auf eine Rede-Situation: "Sich zu überlegen, was ich eigentlich mit der Veranstaltung erreichen will - und wie ich dafür kommunizieren muss", sagt Denise. "Wenn ich in 40 Minuten unser Programm vor 150 Leuten vorstellen muss, dann schreibe ich eine ausformulierte Rede, die ich möglichst frei vortrage - da muss alles sitzen." Bei Lehrveranstaltungen ist das anders. "Da bereite mich inhaltlich und mit Blick auf das didaktische Gesamtkonzept der Lehrveranstaltung vor."

Reaktionen des Publikums versucht sie nicht ausschließlich auf sich zu beziehen: "Wenn jemand mit dem Handy spielt, ist er oder sie vielleicht einfach unhöflich, das muss aber nicht zwangsläufig an meinem Auftreten liegen."  

Denise findet: nicht das lauteste Argument sollte eine Debatte entscheiden. Viel wichtiger ist es, freundlich, aber bestimmt zu reden. "Gerade als Frau passt frau sich schnell mal einem energischen Gesprächsklima an, wenn die eigenen Argumente gehört werden sollen", sagt Denise. "Das funktioniert, kann aber auch kritisch gesehen werden: Eigentlich erwarte ich von meinem Gegenüber, dass es um die Sache geht."



Der Trainer

Ob mit der Mannschaft, mit Sponsoren oder dem Teammanagement - als Sporttrainer muss Harald Janson in vielen unterschiedlichen Situationen die richtigen Worte finden. Fünf Jahre lang war der 43-jährige Freiburger Trainer und Sportlicher Leiter des Freiburger Basketball-Teams Eisvögel.

"Bei den Eisvögeln habe ich vor den Spielen Ansprachen gehalten, die auf den ersten Blick nichts mit Basketball zu tun hatten", erzählt er. "Ich habe sogenannte Sprungbilder gezeigt, auf denen man - je nachdem, wie worauf man sich konzentriert - zwei verschieden Dinge sehen kann. Damit wollte ich den Spielern klar machen, dass sie durch einen anderen Fokus ihre Aufregung unter Kontrolle kriegen können." Auch nonverbale Kommunikation ist ihm wichtig. "Die Emotionen, die ich ‘rüberbringen will, kann ich nicht nur über die Sprache vermitteln, sondern auch durch meine Körpersprache und Gestik."

Manche Tricks sind ganz einfach. Wenn ein Team zu laut wird, spricht er einfach immer leiser.  Trainer Janson lässt sich gerne von guten Rednern inspirieren. "Ich finde es interessant, den amerikanischen Präsidenten beim Reden zu sehen und ihn mit der deutschen Bundeskanzlerin zu vergleichen", sagt der Coach. "Das ist nicht wertend den Personen gegenüber gemeint.”

 

Der Debattant

Jannis Limperg ist einer der besten Debattanten der Welt. Zusammen mit seinem Redepartner Johannes Samlenski wurde der 19-jährige Informatikstudent aus Freiburg bei der Debattier-WM in Berlin im vergangenen Dezember Vizeweltmeister. Jannis ist erst seit drei Semestern Mitglied im Debattierclub an der Uni Freiburg. "Verglichen mit anderen Debattanten habe ich relativ wenig Erfahrung", sagt er. "Vor einem größerem Publikum habe ich bei der WM zum ersten Mal debattiert."

Beim sportlichen Debattieren haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nur 15 Minuten Zeit, um sich auf ein Thema vorzubereiten. Ob man für oder gegen ein Thema argumentiert, das entscheidet das Los. "Um unsere Argumentation möglichst hieb- und stichfest zu machen, verwenden wir oft eine Art sokratischen Dialog", sagt Jannis. "Einer der beiden Teampartner hat eine Idee für ein Argument, und der andere fragt so lange nach, bis der grundlegende Konflikt, auf dem unsere These beruht, verstanden ist.”

Jede Debatte im Debattierclub wird von einer Jury bewertet: Auftreten, Mimik, Gestik, Sprache, Inhalt und die Teamleistung kommen auf den Prüfstand. Diese Erfahrung hilft Jannis auch im Studienalltag. "In Wettkampfdebatten nutzen die Gegner gierig jede Argumentationslücke aus, um zu gewinnen", sagt Jannis. Referate, bei denen höchsten der Dozent mal eine Anmerkung hat, sind da kein Problem mehr.

Fehler machen, das gehört zum Debattier-Training dazu. "Wir nehmen uns Fehler nicht besonders zu Herzen. Jedes Clubmitglied hat schon einige unangenehme Situationen am Pult erlebt. So ist es leicht, das öffentliche Sprechen zu üben."



Der Politiker

Manchmal übt Kai-Achim Klare seinen Reden im Wald. "Mir hilft das, mich an den Klang meiner Stimme zu gewöhnen, und meine Rede einmal laut zu hören", sagt der Freiburger Stadtrat . Der 30-Jährige spricht gerne vor Publikum. “Es wäre ja fast fatal, wenn ich als Politiker Probleme damit hätte, eine Rede zu halten.”

Üben, das gehört für ihn dazu. "Ich bin überzeugt, dass man Reden halten lernen kann. Ich werde mit jeder Rede, die ich halte, routinierter." Dabei ist für Kai-Achim eine gute Vorbereitung wichtig: "Ich schreibe meine Rede vorher auf und kann sie, wenn ich sie oft gelesen habe, fast auswendig.” Manchmal schaut er sich auch den Ort der Rede vorher an. "So kann ich mich schon vorab an die Rede-Situation gewöhnen."

Zu Beginn seiner politischen Karriere hat Klare sich von Zwischenrufen und Fragen aus dem Publikum beeinflussen lassen. "Da bin ich heute lockerer. Ich bleibe bei meiner Rede, und führe sie selbstsicher zu Ende; denn natürlich kann nicht jeder der Zuhörer meiner Meinung sein.”
Kai-Achim hat sich angewöhnt, einen Zuhörer oder eine Zuhörerin im Publikum anzuschauen, und nur ihm oder ihr die Rede zu halten. "Das nimmt mir einen großen Teil meiner Nervosität.”

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[Fotos: Bild 1 und 3: Privat; Bild 5: dpa; Rest: Jule Markwald]