So hat Krebspatientin Silvia Hiller den Freiburg-Marathon erlebt

Alexandra Mieth & Dario Lieberth

Von der Chemotherapie in die Laufschuhe: Vor einem Jahr bekam Silvia Hiller die Diagnose Brustkrebs. Nun hat die Bloggerin am Freiburg-Marathon teilgenommen:



"Die Diagnose Krebs hat mich umgehauen. Ich verlor das Vertrauen in meinen Körper, wusste nicht mehr, ob ich noch genug Energie hatte, gesundheitlich wurde ich stark geschwächt. Das hätte mich fertig machen können - das Gegenteil war der Fall. Es spornte mich an, ich wollte die Hoffnung nicht verlieren.


Ich beschloss während der Chemo, dass ich am Freiburg-Marathon teilnehmen würde, als Symbol dafür, den Krebs besiegen zu wollen. Es ging mir darum, mir selbst zu beweisen, dass mein Körper immer noch zur Höchstleistung fähig ist. 21 Kilometer ohne aufzugeben, für mich, für meine Familie und alle meine Mitstreiterinnen.

Während meiner Therapie habe ich einige Frauen kennengelernt, die später an Krebs gestorben sind. So war der ursprüngliche Gedanke den Lauf den Verstorbenen zu widmen. Zudem wurde mir bewusst, dass ich auch anderen Erkrankten einen Hoffnungsschimmer geben wollte, die gerade immer noch in der Therapie sind.

Ich wollte sie dazu animieren, sich aus ihrem Schneckenhaus herauszuwagen und sich fit zu machen für neue Herausforderungen, ihnen klar zu machen, dass man sich neue Ziele setzten kann und muss, um die Krankheit durchzustehen. Es geht darum, zu zeigen, dass hier jemand ist, der genau wie sie unter Schmerzen leidet und trotzdem kämpft und nicht aufgibt.

Schmerzen gehörten zum Alltag

Um mich überhaupt an die Belastung zu gewöhnen, habe ich mit einer guten Freundin zusammen ein leichtes Training mit Geh-Pausen angefangen. Konkret sah das dann so aus, dass wir erst 200 Meter gejoggt und danach völlig ausgepowert wieder 200 Meter gegangen sind. Dies zog sich mit Steigerungen über Wochen so weiter, bis sich dann ein Marathonläufer aus meinem Ort bereit erklärte, mich zu coachen.

Nun wurde das chaotische Training durch ein streng geplantes Marathontraining ersetzt. Drei bis vier mal die Woche wurde ich dann nach draußen gejagt, um meinen eigenen Schweinehund zu überwinden. Schmerzen gehörten für mich in dieser Zeit zum Alltag, besonders die von der Chemo verursachten Knochenschmerzen haben das Training erschwert. Sicher ist aber, ohne die Unterstützung des Trainers und meines Mannes wäre es mir unmöglich gewesen, diese extrem harte Zeit zu überstehen. Ich danke ihnen dafür einfach von Herzen.

Der Marathon selbst war dann eine Qual. Ich war fix und fertig, es war extrem anstrengend und der Gegenwind war unfassbar stark. Ich hab es mir nicht so schwierig und auch nicht so schmerzhaft vorgestellt wie es letztendlich war. Am Schluss hatte ich das Gefühl, dass ich gleich zusammenbreche. Es waren 21 Kilometer purer Kraftaufwand. Die letzten drei Kilometer waren die schlimmsten, meine Knochen haben sehr geschmerzt.

Das Adrenalin hat mich dann aber doch noch die letzten Meter getragen. Ich war stolz, dass ich es geschafft habe und auch froh, dass es vorbei war. Ich muss auch zugeben, dass ich den Marathon nicht so einfach weggesteckt habe. Ich kann mich heute, einen Tag nach dem Marathon, noch kaum bewegen. Jedoch überwiegt der Stolz letztendlich die Schmerzen.

Das Projekt war eine wichtige Sache und eine super Erfahrung, aber ob ich das noch einmal mache, kann ich nicht sagen. Am Tag nach dem Marathon habe ich mir nur gedacht, dass ich so etwas nie wieder mache. Heute denke ich aber schon, wenn ich lang genug trainiere: Warum nicht noch einmal teilnehmen und dann versuchen schneller zu sein?"



Zur Person:

Für die 42-jährige Silvia Hiller war der Freiburg-Marathon am Sonntag mehr als nur ein Lauf. Denn vor ziemlich genau einem Jahr bekam die Internetbloggerin und dreifache Mutter die Diagnose Brustkrebs. Mit der Teilnahme am Halbmarathon wollte sie sich beweisen, dass ihr Körper nach der Chemotherapie wieder zur Höchstleistung fähig ist und anderen Mitstreiterinnen im Kampf gegen den Brustkrebs Hoffnung geben.
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[Fotos: privat; aufgezeichnet von Alexandra Mieth und Dario Lieberth]