Graffiti

So gestalten die Künstler Smy und Fritz Boogie die Wand der Fabrik in der Habsburgerstraße

Emma Tries

An verschiedenen Orten in Freiburg entstehen in den nächsten Monaten fünf Wandbilder von Künstlern zu dem Thema Künstliche Intelligenz. Smy und Fritz Boogie gestalten eine Wand bei der Fabrik in der Habsburgerstraße – fudder hat sie besucht.

Im Durchgang der Fabrik in der Habsburgerstraße riecht es nach Farbe, das Klackern der Sprühdosen ist zu hören. Was hier auf der weißen Wand entsteht, ist ein Wandbild der besonderen Art. Ganz legal sprayen die Künstler Smy und Fritz Boogie unschuldig schauende Roboter in Polaroid-Bildern.


Die Künstler sind Teil der "Stadtwandforschung", einem Projekt, das Street Art und Künstliche Intelligenz zusammenbringen soll. Zusammen mit dem Wissenschaftler und Professor für Informatik Wolfram Burgard haben sie zwei Motive für die Wand bei der Fabrik und eine Straßenbahn gestaltet, die sich mit dem Thema Robotik beschäftigen.

Im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2019 arbeiten Wissenschaftler aus der KI-Forschung mit Streetart-Künstlern zusammen, um fünf Murals an verschiedenen Orten in der Freiburger Innenstadt zu gestalten. Zusammen will man Diskussionen zu dem Thema Künstliche Intelligenz anstoßen und sich über Risiken und Chancen neuer Technologien unterhalten. Hierzu gibt es bis zum Ende des Jahres mehrere Möglichkeiten, sich zu informieren und an Vorträgen teilzunehmen.

Das Kunstwerk in Arbeit zeigt mehrere Polaroid-Rahmen, in denen freundliche Gesichter zweier Roboter zu erkennen sind. "Wir haben eine eigene kleine Roboterwelt erschaffen", sagt Fritz Boogie, der eigentlich Frederik Merkt heißt. "Die Maschinen sind menschlich aufgestellt." Sie haben sich Bilder von Maschinen angeschaut, die aussehen, als hätten sie Gesichter um die Roboter in den Bilderrahmen zu gestalten.

Vollständig autonom denkende Künstliche Intelligenz ist für viele noch eine dystopische Vorstellung. Die Künstler, die in Freiburg Grafikdesign studierten, nehmen den Betrachter mit in eine Welt, in der die Maschinen ihr eigenes Sozialleben führen und mit ihren Freunden Selfies machen. Vorbild war unter anderem der Roboter "Obelix", der 2012 schon die Straßen Freiburgs durchquerte. Professor Burgard, mit dem die zwei Künstler zusammenarbeiten, war Projektleiter.

C-3PO und R2D2 in Schemen

Die cartoonähnliche Art, in dem die Maschinen dargestellt sind, ist der Stil des Freiburger Künstlers Smy, dessen gebürtiger Name Daniel Schmieder ist. Der 40-Jährige ist Künstler im Kulturaggregat und hat unter anderem in der Hilda 5 ausgestellt.

Neben den zwei Robotern, gibt es noch zwei weitere Polaroids, die aber von dem Cartoon-Stil abweichen.

Solide Farben erzeugen bekannte Formen. "Die kenn’ ich doch", denkt man sich, wenn man die zwei orangenen und blauen Gestalten sieht. C-3PO und R2D2, die beliebten Figuren aus Star Wars, werden hier schemenhaft dargestellt. Genau das sollen die Kunstwerke im Kunstwerk darstellen. Die klaren Linien und soliden Farben sollen an das sogenannte Mapping erinnern, das verwendet wird, um autonomen Fahrzeugen zu zeigen, welche Objekte und Wege sie umfahren müssen. Merkt erklärt, dass er so bekannte Szenen, wie die Star War-Charaktere und die Wiwili-Brücke am Bahnhof, abstrahieren und in die erschaffene Welt der Roboter einfügen möchte.

Keine Meinung aufzwingen

Der 41-Jährige hat 1993 mit dem Sprayen angefangen. Gebürtig kommt er aus Stuttgart, seit zehn Jahren lebt er wieder dort. Er und Smy haben auch eine Tram der Linie 4 gestaltet. Einige der Motive wiederholen sich, so wie die blaue Brücke oder einer der Roboter.

Obwohl das Thema künstliche Intelligenz in vielen Menschen eine Furcht auslöst, wollen die Künstler mit Humor an das Thema herangehen und niemandem eine Meinung aufzwingen. "Wenn man mit einem Kunstwerk eine bestimmte Sache ausdrücken will, muss es fast schon zu plakativ sein, damit man es versteht. Jeder kann sich seine eigene Meinung bilden", erklärt Merkt. Man könne KI positiv oder negativ nutzen, das hänge vom Menschen ab, wie er damit umgeht. In erster Linie gehe es darum, eine Diskussion anzustoßen, wie diese dann im Endeffekt aussieht, wollen sie nicht lenken.