Sport

So funktioniert Jugger – die brutal aussehende Sportart mit den Schaumstoffprügeln

Michelle Hechenbichler

Im Sommer sieht man sie oft im Seepark: Junge Leute, die sich mit Schaumstoffprüglen über die Wiese jagen. Jugger heißt das Spiel – fudder hat mit der Spielerin Lotta gesprochen und herausgefunden, dass Stärke gar nicht entscheidend ist.

Ahnungslose Zuschauer interpretieren einiges in das Spiel Jugger hinein. Kommentare wie "Guck mal, Mama, die spielen Gladiatoren!", oder: "Ah ja, die machen Ritterspiele", müssen die meisten Juggerspieler über sich ergehen lassen. Tatsächlich wirkt der Sport mit den Schlagwaffen auf den ersten Blick hart, aggressiv und kriegerisch.


Lotta hinderte das nicht daran, Jugger bei den Gossenhauern, wie das Freiburger Team sich nennt, einmal auszuprobieren. Schon als Kind beobachtete sie die Juggerspieler im Seepark und mit 18 Jahren ging sie zu der Gruppe, die inzwischen im Seepark gegenüber der Ökostation spielen. Kurze Zeit später hielt sie zum ersten Mal eine "Pompfe" in ihren Händen.

Video: Rheinland-Pfälzische Meisterschaft – Pink Pain - Gossenhauer



"Pompfen", so werden die gepolsterten Sportgeräte bezeichnet, die von vier Feldspielern aus jedem Team geführt werden. Der fünfte Spieler ist der Läufer. Er darf als einziger versuchen den Spielball, den sogenannten "Jugg", in das gegnerische Tor, das "Mal", zu stecken und somit einen Punkt zu erzielen.

Die vier Pompfer beschützen den Läufer, indem sie versuchen, die Gegner mit den Pompfen zu treffen. Wer getroffen wird, muss sich hinknien und darf für eine bestimmte Strafzeit nicht in das Spiel eingreifen. Die Mannschaft, die am Ende der Spielzeit die meisten Punkte erzielen konnte, gewinnt.

Nur die richtige Taktik führt zum Sieg

Kurz nachdem Lotta ins Spiel eingestiegen war, merkte sie schnell, dass Aggression und Stärke für das Spiel nicht wichtig sind. Im Gegenteil: Die besten Ergebnisse lassen sich durch schnelle und geschickte Bewegungen erzielen. Ein hohes Augenmerk liegt auch auf Teamplay und Fairness.

Vor den Spielzügen werden Taktiken besprochen, mit denen die nächste Runde angegangen werden soll. Welcher Pompfer soll gegen die Kette aufgestellt werden? Sollten Positionen beim Anlaufen getauscht werden, um die Gegenspieler zu täuschen? Wer ist schnell genug, dem Team am Anfang den Jugg zu sichern?

Fair Play ist bei Jugger sehr wichtig

Da ein Treffer nicht immer leicht zu sehen ist, muss der getroffene Spieler den gespürten Schlag direkt kommunizieren. Auch das gehört zum fairen Spiel dazu. Nach ihrem ersten Training hatte Lotta Blasen an den Händen, weil sie so lange mitgespielt hatte.

Doch sie merkte schnell: Jugger machte Spaß! Die Kombination aus Draußensein und Teamsport gefiel ihr richtig gut. Hinzu kam noch die soziale Komponente. Neben dem Training trafen sich die Juggerspieler auch abends für Film- oder Spielabende, bastelten gemeinsam an den Pompfen oder grillten im Sommer am Seepark. Sobald es etwas wärmer wurde, begann auch die Turniersaison. Juggerteams gibt es nicht nur in Deutschland, sondern weltweit.

Jugger wird weltweit gespielt

Natürlich nahm Lotta, die sich in den folgenden Jahren zu einer starken Stabsspielerin entwickelte, an zahlreichen Turnieren teil. Eines ihrer schönsten Wettkämpfe hatte sie im September letzten Jahres. Sie fuhr mit vier weiteren Mitspielern über Polen und Litauen nach Riga, zur 1. Lettischen Meisterschaft. Die lange Reise hatte sich gelohnt, denn das Turnier sei super schön gewesen.


"Das Spielfeld war mitten in der Natur an einem kleinen Wäldchen mit einem Fluss, in dem man baden konnte. Und da waren Leute aus ganz unterschiedlichen Teams da. Teams aus Rumänien, Lettland, Litauen, Deutschland und Söldner aus Neuseeland und Irland." Söldner, das sind Spieler, die bei fremden Teams mitspielen, weil ihr eigenes Team nicht am Turnier dabei sein kann. Sie sind auch eine kleine Besonderheit des Sportes und betonen, wie stark das Miteinander auch zwischen den unterschiedlichen Teams ist.

Die Freiburger Gossenhauer sind eine erfolgreiche Truppe

Die Gossenhauer holten sich den ersten Platz in Lettland. Danach waren die Spiele aber noch nicht vorbei. Am nächsten Tag wurde nämlich noch ein Bändchenturnier am Strand veranstaltet, bei dem alle Juggerspieler in bunte Teams gemischt wurden. Dadurch konnten sich Spieler aus unterschiedlichen Mannschaften besser kennen lernen und sich neue Techniken abschauen.

Für die Freiburger Gossenhauer ging es in den letzten Jahren weiterhin steil bergauf. So konnten sie eine Jugendmannschaft aufbauen, gründeten den Verein "Jugger Freiburg e.V.", traten dem Badischen Turnerbund bei und haben mittlerweile sogar eine Halle für die kalten Wintertage.



Und was macht Lotta heute? Sie wurde auf der letzten Mitgliederversammlung zum Vorstand gewählt und hilft so den jungen Verein zu organisieren. Außerdem setzt sie sich als Jugendtrainerin ein, sodass die Gossenhauer nicht ohne Nachwuchs bleiben. Sie selbst geht ebenfalls jeden Sonntag ins Training. Immerhin fängt bald wieder die Turniersaison an, für die sie fit werden muss.

Lust Jugger zu spielen?

Jugger findet im Winter jeden Sonntag in der Wilmersdorfer Str. 19 um 15:30 Uhr und an warmen Tagen gegenüber der Ökostation um 13:30 statt. Mehr Information zum Training auf dieser Seite.
Diese 5 Pompfen (gepolsterte Sporgeräte) gibt es beim Jugger

1. Stab: Mit dem Stab lässt sich nicht nur gut blocken, sondern auch rasch angreifen. Die Reichweite ist aber etwas geringer als bei anderen Pompfen gleicher Länge.

2. Schild und Kurzpompfe: Die Kurzpompfe ist, wie der Name es bereits vermuten lässt, kurz und damit hinsichtlich der Reichweite auch benachteiligt gegenüber den anderen Pompfen. Der Schild ermöglicht allerdings die beste Deckung durch die große Blockfläche.

3. Q-Tip: Die nach einem Wattestäbchen benannte Pompfe hat zwei Schlagflächen und ist somit besonders vielseitig, allerdings auch schwieriger zu spielen.

4. Langpompfe: Die große Reichweite ist ein starker Vorteil, außerdem lässt sich die Pompfe einfach spielen und ist so auch für Einsteiger geeignet.

5. Kette: Ein langes Gurtband mit einem daran befestigten Softball. Mit 3 Metern Länge die Pompfe mit der höchsten Reichweite. Die Spielweise ist dennoch nicht ganz einfach und die richtige Technik muss erst erlernt werden. Da die Kette besonders stark ist, darf sie aus jedem Team nur ein Spieler führen.

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